Viele Einwegflaschen liegen auf einem Haufen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert)

Boykott der Discounter?

Umwelthilfe kritisiert erneut Lidl wegen Mehrwegquote

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Ulrike Schirmer

Die Deutsche Umwelthilfe hat erneut auch Lidl mit Sitz in Bad Wimpfen wegen der immer noch schlechten Quote für Mehrweg kritisiert. Sie wirf dem Discounter Boykott vor.

Discounter wie Lidl und Aldi stehen erneut in Sachen Umweltschutz in der Kritik. Wieder wirft die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auch Lidl mit Sitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) vor, Mehrweg zu boykottieren. Neue Zahlen des Umweltbundesamtes würden zeigen: Die Mehrwegquote für Getränke kommt mit nur 43,1 Prozent nicht vom Fleck, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

"Die neuen Zahlen zeigen, dass der Mehrweganteil Lichtjahre von der 70-Prozentquote im Verpackungsgesetz entfernt ist."

Mehrweganteil nur minimal gestiegen

Die DUH fordert deshalb eine schnelle Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten Mehrwegförderung, damit die Zielquote von 70 Prozent erreicht werde. Denn der Mehrweganteil stieg den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 1,8 Prozent.

Sorge würden vor allem die hohen Zuwachsraten umweltschädlicher Getränkedosen mit 6,7 Prozent und Getränkekartons mit 11,3 Prozent bereiten, heißt es. Eine Lenkungsabgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen von mindestens 20 Cent zusätzlich zum Pfand soll das Problem eindämmen.

Stellungnahme von Lidl steht aus

Eine aktuelle Stellungnahme von Lidl steht bislang noch aus. Die Handelskette verwies aber bereits im Juni dieses Jahres auf seine klimafreundliche Wertstoffkette. Die DUH bezeichnete die Kampagnen zu vermeintlich umweltfreundlichen Einweg-Plastikflaschen allerdings als "Greenwashing". Lidl wies damals den Vorwurf zurück. Das Recycling von PET-Flaschen sei ein Musterbeispiel für funktionierende Wertstoffkreisläufe. Die Flaschen bestünden zu 100 Prozent aus recycelbarem Plastik.

Essen to go - nur mit Mehrweg

Ab dem 1. Januar 2023 muss die Gastronomie übrigens verpflichtend Getränke und Speisen für den Außer-Haus-Verzehr in Mehrwegbechern und -boxen anbieten. Dann hat der Kunde die Wahl: Will er sein Essen zum Mitnehmen, wie heute meist üblich in der Einmalverpackung zum Wegwerfen, oder darf es eine Mehrwegverpackung sein?

Im Förderprogramm der Stadt Heilbronn beispielsweise wurden Betriebe mit einer Pauschale von 380 Euro unterstützt, um die Umsetzung zu testen. Zusätzlich gab es Informationen über verfügbare Anbieter für Mehrwegverpackungen. Mit diesem Anreiz wollte man die Betriebe schon frühzeitig ermutigen, auf Mehrweg zu setzen. Rund 30 Gastronomen haben mitgemacht. Man erhofft sich durch die Umstellung eine deutliche Müllreduzierung, so die Stadt.

"Bei Getränkeverpackungen wird die Einweg-Müllflut und das teilweise völlige Fehlen von Mehrwegalternativen hingegen ohne Konsequenzen toleriert."

Schwarz-Gruppe mit PreZero im Recyclingeschäft

Im vergangenen Jahr erweiterte die Neckarsulmer Schwarz Gruppe ihr Recyclingeschäft. Ihr Recyclingunternehmen PreZero übernahm die Mehrheit der Kunststoff-Bearbeitungs-Gesellschaft KBG. Die Wiederverwertung von Verpackungen werde auch für die Schwarz-Gruppe immer wichtiger, sagte damals ein Experte von der Lebensmittel-Zeitung, der die Entwicklung des Konzerns seit Jahren beobachtet. PreZero ist neben Deutschland in neun europäischen Ländern und in den USA als Entsorgungs- und Recycling-Gesellschaft präsent.

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