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Trotz der kalten Witterung dürfte es bald die ersten Erdbeeren in der Region Heilbronn-Franken geben. Anderen Früchten könnte der Wetterumschwung mehr Probleme bereiten.

Schnee und Frost haben die Region Heilbronn-Franken seit Beginn der Woche wieder im Griff. Nach ein paar warmen Tagen könnte das einigen Obstsorten zum Verhängnis werden: Durch die hohen Temperaturen stehen manche frühe Sorten bereits in voller Blüte. So könnten die Minusgrade beispielsweise den Aprikosen und frühen Zwetschgen oder Kirschen schaden, sagt Burghard Hein, Betriebsleiter des Staatlichen Obstversuchsguts in Bad Friedrichshall-Heuchlingen (Kreis Heilbronn).

Erdbeeren sicher unter Vlies

Sorgen macht sich auch Biobauer Andreas Frank in Weinsberg-Gellmersbach, hauptsächlich um seine Pfirsiche. Ansonsten aber sieht der Landwirt die kalten Tage derzeit gelassen, steht er doch kurz vor der Erdbeerernte. Hier scheinen die kalten Tage und Nächte den Früchten nicht wirklich zu schaden. Frank rechnet mit einem Erntebeginn in zwei bis drei Wochen. Auch der Frost mache da nicht viel aus.

"In den Erdbeeren haben wir auf den blühenden Flächen im Freiland eine Vliesauflage. Das schützt bis zwei, drei Grad Minus recht gut. Und dann haben wir natürlich auch unsere Tunnel. In den Tunneln können wir mit Vliesauflage eine Frostabwehr von minus fünf, sechs Grad garantieren."

Andreas Frank, Biobauer aus Weinsberg-Gellmersbach

Schlimmer seien die Fröste rund um die Eisheiligen, im Mai. Da ständen die Erdbeeren dann wesentlich schutzloser da, so Frank.

Beginn der Blüte immer früher

Dass es im April und im Mai noch Frostnächte gibt, ist nicht ungewöhnlich, schon gar nicht für erfahrene Landwirte. Sorgenvolle Blicke Richtung Eisheilige gab es schon immer. Eins aber habe sich in den vergangenen Jahren geändert, erklärt Hein.

"Die Frostereignisse bis zu den Eisheiligen haben in den vergangenen 30 bis 40 Jahren nicht zugenommen, also die Anzahl der Nächte unter Null Grad. Was sich aber laut unserer Statistiken deutlich nach vorne geschoben hat, ist der Beginn der Blüte. Der ist mit Sicherheit zehn bis 14 Tage früher."

Burghard Hein, Betriebsleiter Staatliches Obstversuchsgut Bad Friedrichshall-Heuchlingen

Die frühen Fröste bereiten durchaus Schwierigkeiten, so Hein. Je weiter eine Pflanze in der Blüte und nicht mehr im Knospenstadium sei, desto empfindlicher sei sie. Einziges wirksames Mittel gegen den Frost sei die Frostberegnung. Das komme aber eher bei Äpfeln und weniger beim empfindlichen Steinobst in Frage, die zu viel Wasser nicht vertragen.

Ansonsten setzt das Staatliche Obstversuchsgut zum Beispiel auf spätblühende Apfelsorten, die dort testweise gezüchtet werden. Der Weinsberger Erdberr-Bauer Frank setzt hauptsächlich auf Mischkultur und im Notfall auf eine Frostschutzversicherung.

Bad Friedrichshall

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