ILLUSTRATION - Ein Netzwerk-Kabelstecker leuchtet in der Netzwerkzentrale einer Firma zu Kontrollzwecken rot. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle)

Unternehmerforum in der Kreissparkasse Heilbronn

KI, Elektrifizierung und Co.: Wirtschaftsregion steht vor großen Herausforderungen

STAND

Vom Verbrenner- zum Elektroauto, mehr digitale Geschäftsprozesse und innovative Produkte. Die Wirtschaft in der Region muss parallel einige Herausforderungen meistern.

Unternehmer Gunther Wobser aus Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) hat 2017 seine Zelte in der Heimat abgebrochen und ist für ein Jahr mit der Familie ins Silicon Valley nach Kalifornien gezogen. Dort war er ganz nah dran an Startups und neuen innovativen digitalen Geschäftsmodellen, also an der Transformation der Wirtschaft.

Strategie muss da sein

Seine Erfahrung: Unternehmen müssen, um am Puls der Zeit zu bleiben, einen Spagat vollziehen. Einerseits das Kerngeschäft bearbeiten, parallel aber auch innovative Schritte in die Zukunft unternehmen.

Das klinge einfacher, als es in der Praxis sei. Denn die Mitarbeitenden müssten eng miteinbezogen werden, Innovationen könne man nicht von oben herab verordnen. Wobser gründete in Amerika ein eigenes Innovationslabor, das er inzwischen in Lauda-Königshofen mit rund zehn Mitarbeitenden betreibt. Das Team entwickelt eigenständig neue Ideen und Produkte.

Die Lauda Dr. R. Wobser GmbH beschäftigt im Taubertal gut 530 Mitarbeitende und ist auf Temperiergeräte, etwa zum Kühlen von Impfstoff, spezialisiert.

"Veränderung tut weh. Es ist natürlich leichter, einfach so weiterzumachen wie bisher. Auch wenn man bislang erfolgreich damit war."

Elektromobilität nimmt immer mehr an Fahrt auf

Der Region Heilbronn-Franken wird in den nächsten Jahren ein Strukturwandel bevorstehen. Die Digitalisierung breitet sich immer weiter aus. Eine Branche steht allerdings vor einem grundlegenden Wandel: Etliche Firmen beliefern die Autoindustrie noch mit Produkten für Verbrennerfahrzeuge. Doch die Elektromobilität nimmt immer mehr an Fahrt auf. Rudolf Luz, lange Jahre IG-Metall-Chef in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) und zuletzt in der Zentrale in Frankfurt tätig, kennt die Branche und die Region sehr gut.

"Ich mache mir schon Sorgen um die Zuliefererunternehmen. Die müssen jetzt neue Produkte erfinden und entwickeln."

Er sei überzeugt, so Luz, dass es in Zukunft keinen Bereich der Wirtschaft mehr geben werde, der ohne Künstliche Intelligenz (KI) funktioniere. Der Innovationspark Künstliche Intelligenz in Heilbronn sei daher von ganz besonderer Bedeutung für die Region. Wichtig sei die Vernetzung und der enge Austausch mit den hiesigen Unternehmen, so der Gewerkschafter.

Alles wird teurer, Logistikketten sind brüchig, Verbraucher sparen

Der Landrat des Landkreises Heilbronn, Norbert Heuser (parteilos), betont, der Fokus dürfe nicht nur auf die Sorgen gerichtet sein, sondern auf die Herausforderungen, die man annehmen müsse.

"Ich bin zuversichtlich, dass unsere starke Wirtschaft auch diesen Prozess erfolgreich meistert."

Momentan haben die Unternehmerinnen und Unternehmer mit Problemen an allen Ecken und Ende zu kämpfen. Alles wird teurer, Logistikketten sind brüchig und die Verbraucher schauen mehr auf das Geld. Bleibt da noch Zeit, neue innovative Geschäftsmodelle aufzusetzen?

" Automobilindustrie war noch nie Stillstand"

Marcus Nähser ist Mitglied des Vorstands bei der Kreissparkasse Heilbronn und kümmert sich dort um die Firmenkunden. Er steht in engem Austausch mit Unternehmen.

"Wandel ist in der Region fest verankert. In der Automobilindustrie war noch nie Stillstand, sondern immer Veränderung."

Er habe den Eindruck, so Nähser, dass Unternehmer sich in Teilen darauf verlassen hätten, dass der Wandel mit einer gewissen Behaglichkeit vonstatten gehe. Die Dynamik habe gerade auch durch die geopolitischen Umstände extrem zugenommen. Das bedeute, dass man jetzt Tempo aufnehmen müsse.

Auch Unternehmer Wobser nimmt wahr, dass der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie natürlich alles beeinflusse. Das mache die Transformation nicht einfacher: "Ganz wichtig wäre es jetzt, langfristige Strategien zu entwickeln, wo wir denn hin wollen", sagt er.

Ihm fehle schlicht ein Zielbild, so Wobser, wo der Wirtschaftsstandort Deutschland in zehn bis 15 Jahren sein wolle. Man habe so viele Stärken, auf denen man aufbauen könne. Aber diese Stärken würden aus seiner Sicht überhaupt nicht genutzt.

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