Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa startet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

Deutsche verreisen wieder mehr

Heilbronner Tourismusexpertin: Flugreisen müssen teurer werden

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Die Bilder vom Chaos auf Flughäfen zu Ferienbeginn sind noch präsent: herrenlose Koffer, ausgefallene Flüge, fehlendes Personal. Laut Tourismusexpertin muss sich einiges ändern.

Kaum mehr Reisebeschränkungen trotz Corona, eine neue gefühlte Freiheit und eine Inflation, die erst langsam in den Geldbeuteln der Menschen ankommt: In den diesjährigen Sommerferien zieht es viele ins Ausland. Ob aus praktischen oder finanziellen Gründen - auch in Baden-Württemberg setzen sich dabei viele Reisende wieder vermehrt ins Flugzeug. Das kann nicht die Zukunft sein, sagt Tourismusexpertin Martina Shakya von der Heilbronner Hochschule. Sie fordert ein Umdenken: Fliegen sollte nicht mehr ständiges Mittel der Wahl für Tourismus-Reisen sein.

Massentourismus hat wieder Fahrt aufgenommen

Die Professorin für nachhaltige Tourismusentwicklung an der Hochschule Heilbronn gibt zu, auch sie ist schon einmal ins Flugzeug für einen Kurztrip nach Mallorca gestiegen. Unvernünftigerweise. "Ich schäme mich ein bisschen deswegen, aber ich bin da auch ehrlich." Sie habe sich dabei auf den Weg zur Hochzeit einer sehr guten Freundin gemacht. Der Trip ist nicht allzu lang her und Shakya konnte auch sehen, wie der Massentourismus langsam wieder an Fahrt aufnimmt, nachdem das Land während Corona zuvor lange Zeit heruntergefahren war.

Zahlreiche Koffer lagern im Gepäckausgabe-Bereich. Koffer, Taschen und Kinderwagen stehen in der Gepäckausgabe des Airports und finden erst nach Tagen ihre Besitzer. Nach Angaben des Flughafens handelt es sich um sogenanntes Rush Gepäck, das mit einem späteren Flug als der Passagier angekommen ist.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jonas Walzberg)
Die Bilder von gestrandeten Koffern an den Flughäfen sind noch präsent (Archivbild). picture alliance/dpa | Jonas Walzberg

Reiselust aus Nachholbedürfnis aus der Corona-Pandemie

Aber das Fernweh habe die Nation wohl wieder gepackt: "Wir Deutschen sind keine Reiseweltmeister mehr, aber wir reisen global betrachtet immer noch sehr viel." Die Menschen bekommen derzeit regelrecht Reiselust, quasi ein Nachholbedürfnis aus der Pandemie, so die Heilbronner Tourismusexpertin in der SWR Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg". Ganz sei der Luftverkehr laut Tourismusexpertin aber noch nicht wieder auf Vorpandemie-Niveau, was das Fliegen auch teurer mache. Die Branche bewegt sich aber unglücklicherweise wieder dorthin. Generell gingen rund acht Prozent des globalen Treibhausgas-Ausschusses auf den Tourismus zurück, sagt Shakya. Davon hätten Flugreisen den größten Anteil. Sie spricht sich für höhere Preise für Flugtickets aus.

"Auch ich denke, die Flugpreise müssen raufgehen. Alles andere macht keinen Sinn. Sonst werden wir die Klimaziele nie erreichen."

So fordern zum Beispiel auch Anhänger des Klimabündnisses "Friday for Future": Fliegen müsse teurer und das Angebot ausgedünnt werden, die Reise mit dem Flugzeug dürfe kein Verkehrsmodell der Zukunft sein, schon gar nicht im innereuropäischen Raum.

Auch in Deutschland gibt es schöne Ecken

Energie zu sparen, sei eine große gesamtwirtschaftliche Aufgabe, die auch vor der Tourismusbranche nicht Halt machen dürfe, sagt die Heilbronner Expertin.  

Ob der Trend aus der Corona-Pandemie, vermehrt Orte hierzulande aufzusuchen, anhält, kann Shakya nicht sagen. Während der ersten Lockdown-Phase habe es danach ausgesehen, als könne sich der Tourismus auch in eine nachhaltigere Richtung entwickeln, sagte Shakya im SWR. Sie habe es gehofft, viele Menschen seien schließlich innerhalb Deutschlands unterwegs gewesen und hätten entdeckt: Auch hier gibt es schöne Ecken. "Wir haben plötzlich gesehen, dass es auch ohne fliegen geht."

Ein Rollstuhl steht am Strand (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Alvaro Barrientos/AP/dpa)
Mit dem Rollstuhl an den Strand sollte einfacher machbar sein. picture alliance / Alvaro Barrientos/AP/dpa

Teilhabe gefordert: Barrierefreiheit im Tourismus

Dafür fordert die Heilbronner Tourismusforscherin Martina Shakya von der Tourismusbranche aber auch mehr Teilhabemöglichkeiten und Inklusion. Laut der Professorin könne mindestens ein Viertel der Deutschen aus unterschiedlichen Gründen nicht in den Urlaub fahren. Auch Menschen mit wenig Geld oder einer Behinderung müssten aber die Möglichkeit dazu haben. Es gebe noch "viele, viele Baustellen", zum Beispiel Barrierefreiheit im Tourismus voranzutreiben oder auch Menschen mit geistigen Einschränkungen das Reisen einfacher zu machen. Die Branche konzentriere sich zu sehr auf Menschen, die ohnehin schon sehr wohlhabend sind.

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