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Seit knapp einem halben Jahr gibt es den Verein "Tiertafel Ludwisgburg/ Heilbronn". Er unterstützt Menschen in finanziellen Notlagen, die sich ihre Haustiere sonst nicht mehr leisten könnten.

Die Tiere gehören zur Familie

Zusammen mit einer Hausbewohnerin schleppen Bettina Reichel und Michaela Bakowski ein gutes halbes Dutzend vollgepackter Riesen-Plastiktüten mit Tierfutter und etlichem Zubehör in den Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses am Rande der Heilbronner Innenstadt. Reichel und Bakowsky sind Vorsitzende des etwa 20-Mitglieder-starken Vereins "Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn". Die Bewohnerin des Hauses hat vor einiger Zeit zwei Katzen verloren. Nun hat sie nur noch ihren Kater - "meine Familie", wie sie sagt.

Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V.

Bettina Reichel (l) und Michaela Bakowski von der Tiertafel LudwigsburgHeilbronn e.V. in Heilbronn sowie ein Kunde mit seinen beiden Hunden (Foto: SWR, Nicole Heidrich)
Bettina Reichel (l) und Michaela Bakowski von der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V. Nicole Heidrich Bild in Detailansicht öffnen
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Michaela Bakowski (l) und Bettina Reichel von der "Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V." beim Ausliefern in Heilbronn Nicole Heidrich Bild in Detailansicht öffnen
Der Heilbronner ist dankbar, dass es die Tiertafel gibt Nicole Heidrich Bild in Detailansicht öffnen
Bettina Reichel (l) und Michaela Bakowski von der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V. laden an einer Sammelstelle in Heilbronn das Auto aus Nicole Heidrich Bild in Detailansicht öffnen
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Für bedürftige Haustiere: Dosen mit Tiernahrung und Kisten auf Regalen im Lager der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V. in Heilbronn (10.3.2020) Nicole Heidrich Bild in Detailansicht öffnen

Bei der Heilbronnerin warten im Treppenhaus nun die angelieferten Tüten mit Tierbedarf auf weitere Abholer: "Wir alle sind dankbar, dass es die Tiertafel gibt." Der Verein habe ihr auch bei den Tierarztrechnungen für die beiden kranken Katzen geholfen. Ebenso dem Besitzer von zwei Hunden, der einige Kilometer weiter in einem Heilbronner Stadtteil wohnt. Für seine beiden Vierbeiner haben Reichel und Bakowsky heute einen extra Kauknochen im Gepäck. Auch er ist froh über die Unterstützung der Tiertafel - ohne seine Hunde würde er kaum vor die Tür gehen, sagt er.

Alle drei Wochen in mehreren Touren zu den Anlaufstellen der Tiertafel

Die Tiertafel ist das Pendant zur Lebensmittel-Tafel, wie sie in jeder größeren Stadt zu finden ist. Hier aber wird geliefert: Alle drei Wochen packen Vereinsmitglieder das Auto für den Heilbronner Raum voll. Die Rücksitze umgeklappt, die Kofferraumabdeckung abgenommen, geht es in mehreren Touren zu den Anlaufstellen. Alles ehrenamtlich und größtenteils über Spenden beigesteuert oder finanziert. Auch die menschlichen Schicksale lassen nicht kalt, so Bakowski und Reichel.

Dauer

"Die Vorstellung, ein Mensch muss sein Tier abgeben, nur weil er nicht mehr genug Geld hat, tut mir im Herzen weh."

Bettina Reichel, 1. Vorsitzende "Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V."

Die meisten Kunden seien dankbar, sagen die beiden. Und dass man Menschen und Tieren gleichermaßen helfen könne, sei Lohn all der Mühen.

"Es macht unglaublich viel Spaß, in glückliche Gesichter zu gucken."

Michaela Bakowski, 2. Vorsitzende "Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V."

Ein Drittel muss der Tierbesitzer selbst stemmen

Der Verein ist gerade einmal ein paar Monate alt. Die Gründungsphase war eine anstrengende Zeit, teils mit vielen durchgeackerten Nächten, erinnern sich Bakowski und Reichel zurück. Aber es habe sich gelohnt. Gefühlt ist die Tiertafel schon jetzt für einige Tierbesitzer in der Region kaum mehr wegzudenken. Nicht nur materiell wird unterstützt, auch wenn beispielsweise ein Tierarztbesuch ansteht. Ein Drittel der Aufwendungen müssen die Tierbesitzer selbst beisteuern, zwei Drittel stemmt der Verein.

Leichtfertig gehen die Vereinsmitglieder mit den Spenden nicht um, betonen sie - darauf legen sie Wert. Die Menschen, die ihre Unterstützung bekommen, hatten den oder die Vierbeiner bereits, als sie in die Notlage geraten sind. Schafft sich jemand ein Haustier neu an, muss er selbst dafür aufkommen. Auch die Bedürftigkeit wird, wie bei einer Lebensmittel-Tafel, geprüft.

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