Bio-Rind bei Crailsheim auf der Weide - grünes Gras wächst bei der Hitze kaum mehr (Foto: SWR)

Landwirtschaftliche Betriebe kämpfen mit hohen Temperaturen

Bullenhitze: Auch Kuh und Co. suchen bei heißem Wetter Abkühlung

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Wetterexperten fürchten am Donnerstag noch einmal Hitzerekorde. Doch nicht nur Menschen leiden unter den hohen Temperaturen, auch Tiere - beispielweise Nutzvieh.

Werden Hitzerekorde gebrochen und Temperaturen von etwa 40 Grad gemessen, müssen auch Tiere vor der Überhitzung geschützt werden. Oft bleibt dem Bauern und dem Vieh nur, das heiße Wetter zu ertragen oder mit Technik dagegen anzukämpfen. Denn auch Schweine und Kühe fühlen sich als Nutztiere bei moderaten Temperaturen wohler - und arbeiten besser.

In modernen Kuh- und Schweineställen gibt es zum Beispiel aktive Kühlsysteme. Dabei werden unter anderem der Boden oder die Tiere durch ein Sprühkühlsystem benässt, eine Art Dusche, was auch zum Reinigen genutzt wird. Starker Sonneneinfall kann durch Spiegelfolien begrenzt werden. Nachrüsten sei möglich: So könne bei geschlossenen, zwangsgelüfteten Schweineställen ein Kühlpad zugefügt werden, durch das die "durchströmende Zuluft befeuchtet und hierdurch die Zulufttemperatur gesenkt wird", so Sabrina Möbius von der Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) in Boxberg (Main-Tauber-Kreis).

Kühe fühlen Hitzestress

Auch Kühe sind durch die starke Hitze gestresst. Laut Bernd Ehrmann, Bio-Landwirt bei Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), liegt die Wohlfühltemperatur der Kühe bei 15 bis 20 Grad. So verbringen beispielsweise die Jungbullen ihre Tage lieber in einem Stall mit Durchzug als draußen auf der Weide. Sie kommen nur die Nacht über raus. Die Kühe suchen unter den großen Obstbäumen auf der Weide Schatten. Ein weiteres Problem ist das Futter: Der Biolandwirt muss schon zufüttern. Das Gras auf der Weide bleibt vertrocknet, grüne Halme kommen kaum nach.

Tiere werden mit Wärmebildkamera analysiert (Foto: UEG Hohenlohe-Franken w.V.)
Temperatur bei Masttieren wird mit einer Wärmebildkamera überprüft. UEG Hohenlohe-Franken w.V.

Schweine suchen von Natur aus Abkühlung im Wald

Mirjam Lechner ist Beraterin im Bereich Schweinehaltung bei der Unabhängigen Erzeuger Gemeinschaft für Qualitätsferkel Hohenlohe-Franken (UEG) in Niederstetten-Adolzhausen (Main-Tauber-Kreis). Sie sorgt nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit den Landwirtinnen und Landwirten dafür, dass sich Schweine in den Ställen wohlfühlen. Kein Warmblüter, so Lechner, sei auf so eine Hitze gut vorbereitet.

Schweine suchten als Waldtiere von Natur aus, ähnlich wie Hunde oder Mäuse, Schutz im kühlen Dickicht. Oder sie suhlen sich im Schlamm. Da die Borstentiere nicht schwitzen und sich lediglich über den Rüssel - also hecheln - Erleichterung verschaffen können, müssten sie sich durch einen Trick behelfen: "Sie brauchen Kontaktkühlung", sagt Lechner. Dazu müsse der Boden kühl sein. Die Tiere geben dadurch die überschüssige Wärme ab. Am besten biete man ihnen eine feuchte Suhle mit Wasser. Eine Suhle könne sogar im Betonboden geschaffen werden, durch Vertiefungen, so Sabrina Möbius von der LSZ in Boxberg. Wichtig sei generell eine regelmäßige Reinigung.

Schweine fahren Aktivitäten bei Hitze herunter

Die Tiere leiden ebenso wie Menschen unter der Hitze, schwitzen können sie kaum. So kann es passieren, dass zum Beispiel Muttersauen weniger Milch geben, wenn es zu heiß ist. Das sei ein Risiko für die Ferkel. Die Tiere nehmen auch weniger Nahrung auf, um die Stoffwechselwärme zu begrenzen, sagt Expertin Lechner. Der Körper fährt möglichst alle Aktivitäten herunter.

Wie gut Schweine die Hitze vertragen, hängt auch von ihrer Körpergröße ab, ergänzt Möbius. "Je kleiner die Tiere sind, desto eher vertragen sie hohe Temperaturen beziehungsweise brauchen auch hohe Temperaturen", ergänzt Möbius von der LSZ. So liege die optimale Temperatur bei einem Saugferkel bei rund 30 Grad Celsius, ein erwachsenes Mastschwein sollte eine Umgebunsgtemperatur zwischen 18 Grad und 24 Grad Celsius haben.

Tiere werden mit Wärmebildkamera analysiert (Foto: UEG Hohenlohe-Franken w.V.)
Mit der Sphinx-Lage kühlen sich Hunde gerne am kühlen Untergrund. UEG Hohenlohe-Franken w.V.

"Sphinx-Haltung" und moderne Kühlsysteme in den Ställen

Lechners erste Empfehlung für Bäuerinnen und Bauern bei Hitze sei: Morgens erst einmal mit dem Gartenschlauch durch die Ställe gehen und den Boden nass machen. Das sei wie auf einer Terrasse: Der Spaltenboden im Stall ist aus Beton, saugt das Wasser auf und lässt es verdunsten. Das merke man zum Beispiel im Schwimmbad, wenn man über einen nassen Boden barfuß gehe - über einen trockenen sei das unangenehmer. Diese Verdunstungskühlung nutzen die Tiere, indem sie sich in einer sogenannten "Sphinx-Haltung" mit dem Bauch auf den Boden legen. Sie strecken die Vorderbeine von sich und kühlen sich mit erhobenem Kopf.

Unter der Trockenheit und den heißen Temperaturen leidet die Landwirtschaft derzeit generell. Und so bleibt Mensch und Tier nicht viel übrig, als sich abzukühlen und auf Regen zu hoffen.

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