Eine Milchkuh auf dem Hof von Harald Gronbach in Crailsheim (Foto: SWR)

Neue Verordnung ab dem 22. November

Heilbronner Tiertafel besorgt über steigende Tierarztgebühren

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Peter Wedig

Ab dem 22. November steigen die Gebühren für Behandlungen beim Tierarzt. Das stellt viele Tierhalter und Viehzüchter vor Herausforderungen.

Die letzte Gebührenerhöhung ist 23 Jahre her, in der Zwischenzeit haben sich nicht nur die allgemeinen Kosten geändert, sondern auch die Ausstattung vieler Tierarztpraxen ist auf einem moderneren Stand und bietet mehr Möglichkeiten zur Behandlung. Diese gestiegenen Kosten soll die Änderung der Tierärztegebührenverordnung auffangen. Vom Bundesrat im Juli beschlossen, wird die neue Gebührenverordnung zum 22. November eingeführt.

Unterschiedliche Kostenerhöhungen je nach Tier

Für Tierhalter und Viehzüchter heißt das: Der nächste Besuch beim Tierarzt wird teurer. Die Erhöhungen fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Zum Beispiel die "allgemeine Untersuchung mit Beratung": Für den Hund waren das vorher 13,47 Euro, für die Katze 8,98 Euro. In Zukunft kosten beide gleich viel und zwar 23,62 Euro.

Die Preissteigerung wird sich für viele Tierhalter bemerkbar machen, gerade aus der Landwirtschaft gibt es jedoch auch Verständnis: Eine gute Versorgung sei schon allein aus wirtschaftlicher Sicht wichtig.

Diagnostik und Behandlung werden immer aufwendiger

Im Moment gebe es keinen Ansturm auf die Tierarztpraxen, um Behandlungen noch schnell vor dem 22. November machen zu lassen, sagt Franz Xaver Lutter vom AniCura Kleintierzentrum Heilbronn. Die Gebührenerhöhung sei nötig, Ausstattung und Behandlungsmöglichkeiten der Praxen seien immer fortschrittlicher geworden: CT, MRT, aufwendige Operationstechniken, all das sei auch vom Tierhalter so gewollt. Doch das habe eben auch seinen Preis.

"Wir haben in den letzten 20, 30 Jahren ein Angleichen des Niveaus der Tiermedizin an nahezu humanmedizinische Standards."

Gebührenerhöhung soll auch bessere Bezahlung ermöglichen

Der Fachkräftemangel mache den Tierärzten ebenfalls schwer zu schaffen, eine bessere Bezahlung sei deswegen wichtig, um den Beruf attraktiver zu machen. In den letzten Jahren habe es ein zunehmendes Sterben von Kleintierkliniken gegeben. Nur diese bieten eine Notfallversorgung rund um die Uhr, doch das kostet Geld und Personal. Aus vielen Kliniken wurden normale Spezialistenpraxen, die dann jedoch spätestens ab 20 Uhr geschlossen sind.

Tiertafel rechnet mit Einschränkungen

Bei der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn e.V. blickt man sorgenvoll auf die Gebührenerhöhung. Der Verein unterstützt Tierhalter mit finanziellen Problemen bei der Versorgung ihrer Haustiere. Das betrifft sowohl die Versorgung mit Futter als auch finanzielle Hilfe beim Tierarzt. Viele Besitzer hätten die Erhöhung noch nicht im Blick, man rät hier deswegen allen, sollte eine Behandlung anstehen, das noch möglichst vor dem 22. November zu erledigen.

"Bisher waren wir ziemlich großzügig, wenn es um Notfälle ging. [...] Wenn die Kosten jetzt so steigen, werden wir das nicht mehr so können, wie das in der Vergangenheit ging."

Konzentration auf die Standards

Zukünftig werde man sich wohl stärker auf die Standardtierarztleistungen wie Impfen und Kastrieren konzentrieren. Man sei komplett auf Spenden und die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen, doch während die Kosten steigen, gehen die Spenden zurück und Helfer werden ebenfalls dringend benötigt.

Für viele Besitzer wird die Gebührenerhöhung heißen: Sie müssen länger auf eine Behandlung sparen. Sollte das Tier noch jung sein, könne eine Tierversicherung im Notfall helfen, für ältere Tiere gibt es diese Möglichkeit meist nicht mehr.

Für den Landwirt zählt die schnelle Versorgung

In der Viehzucht sieht man die Lage versöhnlicher. Harald Gronbach ist Milchviehhalter in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), rund 120 Kühe hat er auf seinem Hof. Eine schnelle und zuverlässige Versorgung durch einen Tierarzt ist hier essenziell.

Eine Verschlechterung des Tierwohls sieht er als unwahrscheinlich an. Einerseits aus rein wirtschaftlichen Gründen, denn nur eine gesunde Kuh ist hilfreich für den Lebensunterhalt, somit werden Behandlungen nicht aufgeschoben. Und andererseits sei es für jeden Landwirt sehr schwer, ein krankes Tier zu sehen, also reagiere man lieber schnell.

Milchviehhaltung Harald Gronbach in Crailsheim (Foto: SWR)
Harald Gronbach bei der Arbeit auf dem Hof.

Schnelle Versorgung nur mit finanzieller Grundlage möglich

Damit diese Versorgung gewährleistet ist, müsse eben auch die finanzielle Lage der Tierärzte passen. Gerade wenn sie sich in ländlichen Gegenden niederlassen. Hier in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) sei die Lage sehr gut und das solle sie eben auch bleiben.

"Wenn ich selbst auf einen Arzttermin warte, kann das schon mal zwei bis drei Tage dauern. Wenn ich jetzt mein Handy nehme und einen Tierarzt anrufe und es dringend mache, ist er in einer halben Stunde da."

Tierärzte wiederum seien auf die Viehzucht angewiesen, denn nur mit Kleintieren würde sich eine Praxis auf dem Land auch wieder nicht rentieren. Es sei ein Miteinander zwischen Tierarzt und Landwirt.

Als Milchviehhalter sei man zurzeit auch in einer recht guten Position, die Milchpreise seien seit dem letzten Jahr gestiegen. Aber die Verhandlungen zwischen Molkerei und Einzelhandel seien hart. Deswegen hoffe er auch auf das Verständnis der Verbraucher, wenn die höheren Tierarztkosten eventuell doch noch ein Faktor für den Milchpreis im Supermarkt werden.

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