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Das Theater Heilbronn hat enorme wirtschaftliche Verluste durch die Corona-Pandemie zu tragen. Das geht aus dem Geschäftsbericht 2020 hervor, der dem Kulturausschuss der Stadt Heilbronn vorgelegt wurde.

Kaum Vorstellungen, drastischer Besuchereinbruch und ein Einnahmeverlust in Millionenhöhe, das ist die Bilanz des Heilbronner Theaters für das vergangene Jahr.

Durch weniger Theaterbesucher: Einnahmeverlust aus Kartenverkäufen von fast zwei Millionen Euro.

Statt wie im Vorjahr 165.852 Besucher, zählte das Haus am Berliner Platz im Jahr 2020 nur 38.759 Zuschauer - ein Viertel weniger.

Der Vorstellungsbetrieb war ab Februar 2020 von der Corona-Pandemie beeinträchtigt und wurde ab dem 13. März 2020 völlig untersagt. Im Juni und Juli 2020 durfte das Theater einige wenige Vorstellungen in der BOXX mit einer wegen des Hygienekonzeptes drastisch eingeschränkten Platzkapazität spielen. Im Herbst 2020  gab es noch fünf Vorstellungswochen von Ende September bis Ende Oktober 2020.

Die Differenz von 127.093 Zuschauern gegenüber 2019 bedeutet einen Einnahmeverlust aus Kartenverkäufen von rund 1,86 Mio. Euro.

Das Theater Heilbronn von außen (Foto: SWR)
Das Theater Heilbronn

Einbrüche bei Einnahmen werden durch umfangreiche Einsparmaßnahmen kompensiert

Den Einbrüchen bei den Einnahmen begegnete das Theater mit umfangreichen Einsparungen auf der Kostenseite in den Bereichen Gastspiele, Inszenierungskosten, Honorare und Bühnenausstattungen. Große Teile der Belegschaft gingen in Kurzarbeit.

Zusammen mit dem finanziellen Polster aus den wirtschaftlich sehr starken Vorjahren schließt das Theater Heilbronn das Geschäftsjahr 2020 mit einer Rücklage in Höhe von 1,97 Mio. Euro ab. Dieser Überschuss werde bis zum Ende des Budgetzeitraums 2019 bis 2023 aber dringend notwendig sein, um weiterhin die zu erwartenden pandemiebedingten Verluste bei den Einnahmen und die tariflich bedingten Steigerungen bei den Personalkosten kompensieren zu können, heißt es in dem Geschäftsbericht.Voraussichtlich werden diese Rücklagen bis Ende 2022 aufgebraucht sein.

Großes Problem: Umstellung der Förderpraxis des Landes

Bisher hat das Land die Theater in kommunaler Trägerschaft mit einem festen, zuverlässigen Betrag unterstützt. Für Heilbronn sind das pro Jahr rund vier Millionen Euro. Nach den Kriterien der neuen Förderpraxis, der Fehlbedarfsfinanzierung, dürfen die kommunalen Theater keine Rücklagen bilden. Das Land rechnet Spendengelder, Sponsorengelder und das Kurzarbeitergeld mit den Landeszuschüssen gegen und will diese entsprechend kürzen.

Dem Theater Heilbronn, wie auch anderen Theatern in Baden-Württemberg, die gut gewirtschaftet haben und Rücklagen bilden konnten, drohen Ende des Jahres 2021 Rückforderungen in Höhe von mehreren 100.000 Euro für das Wirtschaftsjahr 2020.

Sollte das Ministerium die Gelder aus den Rücklagen einfordern, wird das Theater sein Budget nicht einhalten können. Dann müsste die Stadt Heilbronn dafür einstehen. Der städtische Zuschuss liegt im Budgetzeitraum 2018 bis 2023 bei jährlich 7,25 Millionen Euro.

Theater im Standby-Modus: Keine Einnahmen, aber Ausgaben

Das Theater befindet sich seit März wieder im Standby-Modus, um sofort startklar zu sein, wenn das Haus geöffnet werden darf, denn die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erfordert eine längerfristige Vorbereitung. Bereits fertige Inszenierungen müssen mit Wiederaufnahmeproben präsent gehalten werden. Auch die Werkstätten und die Technik bereiten sich auf ein Hochfahren des Theaterbetriebs vor. Die meisten Beschäftigten kehren nun aus der Kurzarbeit zurück – das heißt, es fließt dann kein Kurzarbeitergeld mehr. Einnahmen werden nicht generiert. Die Rücklagen schwinden.

Trotz noch unklarer Öffnungsperspektiven blickt das Theater Heilbronn optimistisch in die Zukunft. Für die kommende Saison 2021/2022 steht das Programm.  Ab Herbst 2021 ist die Wiederaufnahme der Abonnements vorgesehen – vorerst unter veränderten Bedingungen, da davon auszugehen ist, dass die Hygienevorschriften auch noch im Herbst einzuhalten sind.

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