Ein Wattestäbchen eines Corona Abstriches wird in einem Labor bearbeitet. Symbolbild (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa; Oliver Berg)

Crailsheimer Labor-Chef fordert günstigere Angebote

Engpass PCR-Test: Haller Ärzteschaft unterstützt PCR-Test-Priorisierung

STAND

Die Ärzteschaft Schwäbisch Hall unterstützt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), PCR-Tests für bestimmte Gruppen zu priorisieren. Die Labore seien überlastet.

Mit einer Priorisierung der PCR-Tests sollen zum Beispiel Mitarbeiter im Gesundheitswesen bevorzugt einen PCR-Test machen, um so sicherzustellen, dass das Virus nicht bei besonders gefährdeten Gruppen eingetragen wird. Diesen Vorschlag will Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der Ministerpräsidentenkonferenz beraten.

"Der Anspruch muss sein, die PCR-Tests schneller und kostengünstiger anzubieten. Dafür muss die Infrastruktur endlich ausgebaut werden, was zwei Jahre lang versäumt wurde."

PCR-Tests günstiger anbieten

Das sei wohl der nächstliegende Weg, sagte der Geschäftsführer der Health Laboratories in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), Dr. Julius Justenhofen dem SWR Studio Heilbronn. Langfristig müssten PCR-Tests aber kostengünstiger und schneller Angeboten werden.

Der Bedarf an den Tests werde weiter steigen, meinte Justenhofen. In seinen Laboren, mit einem Einzugsgebiet von rund 100 Kilometern, gebe es bisher keine Knappheit - weder bei den Tests noch bei der Auswertung.

Zu wenige Test-Labore

Seiner Meinung nach wird der PCR- den Antigenschnelltest auf längere Sicht ablösen. Der Vorschlag Lauterbachs sei nur ein kurzfristige Lösung, da die Infrastruktur fehle. Rund 900 Labore bundesweit könnten rund zwei Millionen Tests pro Woche schaffen, so Justenhofen, und das reiche nicht.

Deshalb sei es wichtig, die Infrastruktur endlich auszubauen, was man in den vergangenen zwei Jahren versäumt habe. In Crailsheim bereiten die Health Laboratories eine dezentrale Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und anderen Oragnisationen vor, erklärte Dr. Julius Justenhofen.

Schwäbisch Haller Ärzteschaft begrüßt Lauterbach-Vorschlag

Die Vorsitzende der Schwäbisch Haller Ärzteschaft, Elisabeth Koerber-Kröll, begrüßt den Vorschlag des Gesundheitsministers.

"Das Problem ist, dass die Labore mit den PCR-Tests überlastet sind. Die kommen nicht mehr nach. Wir warten zum Teil auf das Ergebnis drei bis vier Tage und dann ist ja auch nichts gewonnen."

Jetzt müsse man auf Schnelltests bauen um dann bei entsprechenden Symptomen die Leute zu isolieren, so Koerber-Kröll.

Corona-Tests (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

Heilbronner Labor noch nicht am Limit

Während aus manchen Städten in Deutschland bereits eine Überlastung der Testkapazitäten in den Laboren gemeldet wird, teilt das Heilbronner Labor Blackholm MVZ auf Anfrage mit, dass die Kapazitäten noch ausreichen. Dennoch steigen auch hier die Testzahlen an.

Deutschland testet weniger als die Stadt Wien

Laut den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland in der zweiten Januarwoche 2022 zum ersten Mal über zwei Millionen PCR-Tests durchgeführt worden. Insgesamt sind seit Pandemiestart in Deutschland etwa 100 Millionen PCR-Tests dem Robert Koch-Institut gemeldet worden.

Zum Vergleich: In Österreich sind es im gleichen Zeitraum etwa halb so viele gewesen, bei einer etwa zehnmal kleineren Bevölkerung. Und Dr. Julius Justenhofen ergänzte, dass allein die Stadt Wien mehr teste als Deutschland insgesamt.

Positivrate steigt deutlich

Neben den nochmals gesteigerten Testzahlen steigt auch die "Positivrate" deutlich an. In Deutschland lag sie in der zweiten Januarwoche bei 24,4 Prozent (Quelle: RKI). Das bedeutet, jeder vierte PCR-Test war positiv.

Es ist zu erwarten, dass die aktuellen Zahlen nochmals höher liegen werden, was deutlich macht, wie rasant sich die Omikron-Welle verbreitet.

STAND
AUTOR/IN