Das Birdvision-System an einer Windkraftanlage. (Foto: SWR)

Testphase von "Birdvision" gestartet

An Weißbacher Windrädern wird ein Vogelschutz-System erprobt

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In Weißbach (Hohenlohekreis) ist erstmals ein Probebetrieb eines Systems genehmigt worden, das Kollisionen von großen Vögeln mit Windrädern vermeiden soll.

Das System heißt "Birdvision" und ist in den vergangenen drei Jahren von den Akteuren der Bürgerwindpark Hohenlohe GmBH mit Sitz in Niedernhall entwickelt worden. Es könnte den immerwährenden Streit zwischen Windanlagenbetreibern und Artenschützern beilegen.

Viele Anlagen müssen immer wieder stillstehen, amtlich verfügt, weil dort schützenswerte Vögel in die Nähe kommen könnten. Auch im Windpark Weißbach im Hohenlohekreis ruhen tagsüber immer wieder die Rotoren, pauschal beispielsweise, wenn die Bauern mähen oder pflügen. Das ändert sich jetzt, denn nun darf ein Kamerasystem am Rumpf der Anlagen den Himmel um die Windräder überwachen und dann beim Anflug eines Vogels die Rotoren automatisch kurz abschalten. Erstmals ist ein Probebetrieb genehmigt worden.

"Da wird sehr viel Hoffnung reingesetzt. Wir haben zum Beispiel noch mit Fehl-Auslösungen zu kämpfen, also zum Beispiel lösen Insekten aus, oder Flugzeuge. Das ist etwas, was wir noch in den Griff bekommen müssen, deswegen der Probebetrieb, weil wir noch nicht 100 Prozent haben und wir auch noch mit den Objektiven und Kameras testen, dass wir eine höhere Reichweite bekommen."

Karl-Heiz Müller (Vorstandsmitglied im NABU Öhringen) und Projektleiterin Katharina Pohl schauen sich am PC die Kamerabilder an. (Foto: SWR)
Karl-Heiz Müller (Vorstandsmitglied im NABU Öhringen) und Projektleiterin Katharina Pohl schauen sich am PC die Kamerabilder an.

Sechs Kameras am Windrad erfassen den Himmel

Ob das ein Vogel ist, der da fliegt, oder nicht, dass bewertet ein Computer mit einer Art künstlicher Intelligenz. Die sechs Kameras erfassen, dass da was am Himmel ist, in einer Halbkugel mit einem Radius von 300 Meter um das Windrad. Damit der Computer überhaupt unterscheiden kann, wurde er in der Vergangenheit mit mehr als 500.000 Bildern von den aufgenommenen Flugobjekten gefüttert. Je mehr Bilder, desto besser erkennt das System, was da fliegt.

Damit nichts schief geht, überwacht eine Biologin den Probebetrieb und vergleicht das, was sie mit eigenen Augen sieht, mit den Aufnahmen des Kamerasystems und kann selbst abschalten, wenn das System nicht reagiert.

"Mit dem neuen Kamerasystem was jetzt wieder getestet wird, sind es auf jeden Fall wesentliche Fortschritte, die gemacht wurden."

Diskussionen um die Windräder im Bund für Umwelt und Naturschutz

Auch im Naturschutzbund (NABU) gibt es immer wieder kontroverse Meinungen im Spannungsfeld von Windrädern und Artenschutz. Karl-Heinz Müller ist im Vorstand vom NABU in Öhringen. "In Zukunft wollen wir ja noch rund 1.000 Windräder bauen, laut unserer Landesregierung, und da könnte man diese Anlagen, wenn sie dann genehmigungsfähig sind, einbauen."

Bei durchschnittlichem Wind würde ein Windrad in Weißbach in drei Stunden so viel Strom produzieren, wie ein Vier-Personen-Haushalt im Jahr verbraucht. Jeder Stillstand sei ein Verlust für die Betreiber und das Klima, so Müller.

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