STAND

Baden-Württemberg hinkt in Sachen Start-ups hinterher - vor allem auf dem Land. Eine Initiative in Hohenlohe vergibt Stipendien, um den Standort für Gründer attraktiver zu machen.

Anna Zimmerer hatte sich vorbereitet. Vor der Jury aus Unternehmen und Bürgermeistern stellte sie ihr Konzept vor: ein eigener Laden für Tierbedarf, mit fair hergestellten und ökonomisch verträglichen Produkten, dazu ein Online-Shop.

Räume hat sie dafür in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) schon gemietet. Ein Stipendium des Programms "Hohenlohe 4 Talents" würde ihr helfen, die anstrengende Gründungsphase finanziell besser abgesichert zu überstehen. Anna Zimmerer war eine von fünf Bewerberinnen und Bewerbern, die es ins Finale des Wettbewerbs geschafft haben.

Finanzielle Unterstützung für Gründerinnen und Gründer

Insgesamt 50.000 Euro werden an die Gewinner der ersten Förderrunde aufgeteilt. Die sind für viele Gründer eine willkommene Geldspritze, denn als Start-Up an Geld zu kommen, ist nach wie vor schwierig in Deutschland - auf dem Land erst Recht, sagen die Organisatoren.

"Wir sind nicht in Berlin oder München, aber eben genau deswegen schaffen wir solche Anreizsysteme, damit etwas geboten wird."

Die Region rund um Hohenlohe biete weit mehr, als das Programm an sich, sagt Thorben Heinrichs, einer der Betreuer bei "Hohenlohe 4 Talents". Der wirtschaftsstarke Raum mit den vielen Unternehmen vor Ort biete die besten Voraussetzungen für eine Gründung.

"Uns ist schon bewusst, dass das nur ein Anfang sein kann, das ist nur ein Start, um hier eine Gründerkultur zu schaffen - eben eine Gründerkultur im ländlichen Raum."

Das "Gründerland" Baden-Württemberg hinkt bei Start-ups hinterher

In Baden-Württemberg gibt es durchaus Handlungsbedarf:Von den fünf Milliarden Euro, die jährlich in Deutschland in Start-ups fließen, gehen nur rund drei Prozent nach Baden-Württemberg. Zum Vergleich: Bayern bekommt derzeit rund 30 Prozent, Berlin sogar 60 Prozent vom Kuchen.

Das baden-württembergische Durchschnitts-Start-up ist kleiner und umsatzschwächer als im Bundesschnitt. Die Gründer sind älter, häufiger Männer und haben seltener einen Migrationshintergrund. Und: Fast alle Start-ups sind in den Städten angesiedelt, nicht auf dem Land. Während in Stuttgart zum Beispiel letztes Jahr 57 Start-ups gegründet wurden, war es im Hohenlohekreis kein einziges. Der ländliche Raum hat also Nachholbedarf.

Mit einem Luftsensor zum Erfolg?

Sie wollen dem ländlichen Raum etwas zurückgeben: Die Brüder Frederik und Ralph Wystup kommen aus Künzelsau und entwickeln einen Sensor, der Viren in der Luft frühzeitig aufspüren soll, also "Hightech made in Hohenlohe". Durch Corona topaktuell, aber auch für zukünftige Pandemien wichtig. MeiLuft nennt sich ihr Projekt.

Auch sie stellten sich der Jury. Frederick Wystup, zuständig für die Künstliche Intelligenz (KI) des Sensors, war zwar etwas nervös, von der Jury aber gab es Applaus - für beide Brüder.

Jury entscheidet sich noch

Auch Anna Zimmerer war vor ihrem Pitch sichtlich aufgeregt. Die letzten Minuten im Vorbereitungsraum waren eine echte Herausforderung.

"Es war schrecklich. Ich dachte, ich falle gleich in Ohnmacht. Wahrscheinlich haben sie alle mitgefiebert und gedacht 'Oh Gott, die Arme', aber ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist."

Am Freitag hat die Jury dann bekannt gegeben, wer von den insgesamt fünf Bewerberinnen und Bewerbern ein Stipendium bekommt: Die Sieger lauten Elysium, LocalBoxx, MeiLuft und PackPart. Ein Sieger des Wettbewerbs stand von vorneherein fest: Die Region Hohenlohe kann sich auf spannende, neue Startups freuen.

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg Mehr Geld für Start-ups im Land

Start-ups in Baden-Württemberg haben im ersten Halbjahr 2021 deutlich mehr Geld von Investoren bekommen als im Vorjahreszeitraum.  mehr...

Heilbronn

Erlenbacherin sagt dem Müll den Kampf an Start-up-Gründerin entwickelt plastikfreie Nachfüllstation für Shampoo

Steffanie Rainer hatte keine Lust mehr auf Shampoo in Plastikflaschen und den ständigen Müll - also hat die Erlenbacherin eine Auffüllstation für Mehrwegflaschen gebaut.  mehr...

STAND
AUTOR/IN