Ein Passwort wird auf einem Laptop über eine Tastatur eingegeben.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Oliver Berg)

Offizielle Warnung vor Kaspersky

Firmen in Heilbronn-Franken wegen russischer Virensoftware verunsichert

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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor der Virenschutzsoftware des russischen Herstellers Kaspersky. Das sorgt bei Firmen in Heilbronn-Franken für Verunsicherung.

Die Heilbronner IT-Sicherheitsfirma cirosec registriert eine massive Zunahme von Anrufen besorgter Kunden. Zahlreiche Unternehmen machten sich jetzt Gedanken über den Einsatz der Software, so Geschäftsführer Stefan Strobel.

"Im Bereich Malware-Schutz ist ja Kaspersky ein sehr renommierter Anbieter, aber es ist nun mal eine russische Firma."

Die Unternehmen gingen davon aus, wenn Putin es drauf anlege, dann würde auch die Firma Kaspersky keine Chance haben, sich dagegen zu wehren - dass der russische Staat diese Malware-Schutzsoftware missbrauche, um durch eine Hintertür in internationale Unternehmen hineinzukommen, so Strobel.

Derzeit seien aber keine verstärkten Cyber-Angriffe auf deutsche Unternehmen zu bemerken. Aber: Seit vielen Jahren gebe es schon Angriffe von russischen Hackern.

Warnung: erhebliches Risiko für IT-Angriff

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI, warnt seit Dienstag vor Virenschutzprogrammen des russischen Herstellers Kaspersky. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine gebe es ein erhebliches Risiko für einen IT-Angriff. Die Software dieses Anbieters solle durch alternative Produkte ersetzt werden, riet das BSI. Ein russischer IT-Hersteller wie Kaspersky könnte demnach Cyber-Angriffe ausführen oder dazu gezwungen werden - oder selbst Opfer solcher Angriffe sein. 

Austausch von Programmen langwierig

Ein Umstieg auf eine andere Software sei durchaus ein Projekt, das sich bei einem großen Unternehmen über viele Monate ziehe, so cirosec-Geschäftsführer Stefan Strobel.

"Ein halbes Jahr ist da für ein größeres Unternehmen fast schon zu knapp."

Erst einmal müssten sich die Unternehmen nach sinnvollen Alternativen umschauen und dann auch testen. Bis zur Entscheidung, Einkauf und anschließender Installation in der Fläche dauere es dann.

Auch private Verbraucher betroffen

Nicht nur Firmen benötigen einen Virenschutz – auch private Rechner. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg registriert noch keinen massiven Anstieg von Anfragen. Hinweise für tatsächlich durch die Software erfolgten Missbrauch seien bislang nicht bekannt. Die Warnung sollte aber ernst genommen werden, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale.

"Wir haben noch keinen Angriff. Aber die potentielle Möglichkeit reicht aus, dass man sich hier vielleicht tatsächlich nach einer Alternative umsieht."

Kaspersky selbst erklärte, die Entscheidung des BSI beruhe nicht auf einer technischen Bewertung der Produkte. Sie sei vielmehr aus politischen Gründen getroffen worden.

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