Keine Schweine-Massenzucht in Bad Dürrheim (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Jens Büttner)

Kosten am Fleischmarkt

Historischer Preisanstieg beim Schweinefleisch

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So stark wie in den letzten Wochen ist der Preis für Schweinefleisch noch nie in kurzer Zeit gestiegen. Hohe Preise zu Beginn der Grillsaison – woran liegt es?

Schweinhalter in Heilbronn-Franken beobachten derzeit einen steilen Preisanstieg. Herbert Klein von der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft (UEG) in Niederstetten (Main-Tauber-Kreis) sagte dem SWR, er habe ein so starkes Plus wie aktuell innerhalb von nur wenigen Wochen noch nie erlebt.

Für die Woche vom 24. bis 30. März notiert die Vereinigung der Erzeugergemeinschaft einen Preis von etwa 1,90 Euro pro Kilogramm Schlachtschwein. In der Vorwoche hatte der Preis bei 1,85 Euro gelegen, zeitlich etwas zuvor noch bei rund 1,30 Euro.

Schweine laufen nach der Tötung durch die Stationen im Zerlegebereich eines Schlachthofes. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ingo Wagner/dpa (Symbolbild))
Schweinerzerlegung im Schlachthof in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) picture alliance/Ingo Wagner/dpa (Symbolbild)

Schweinebestände durch Corona reduziert

Herbert Klein von der UEG in Niederstetten erklärt Gründe für den starken Preisanstieg: Seit Beginn der Corona-Pandemie sei der Viehbestand in Deutschland reduziert worden, weil die Nachfrage aus der Gastronomie stark eingebrochen war und auch keine Massenveranstaltungen mehr stattfanden.

Nun ziehe die Nachfrage wegen gelockerter Corona-Regeln und dem Start der Grillsaison wieder an, so Klein. Doch das Angebot der schlachtreifen Schweine in Deutschland reiche derzeit nicht aus – also steigt der Preis.

"Die Fleischmärkte spielen zur Zeit verrückt."

Verbraucher müssen mit Preissteigerungen rechnen

Die Bauern kämen aber trotzdem noch nicht in die Gewinnzone, weil Futter und Energiekosten ebenfalls stark angezogen hätten, so Klein.

Verschiedene Sorten Schweinefleisch und Rindfleisch liegen in einer Fleischtheke. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas)
Das historische Plus bei den Schweinepreisen dürfte auch bei den Verbrauchern ankommen picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Verbraucher könnten die Turbulenzen auf dem Markt auch an der Fleischtheke zu spüren bekommen. Zum Beispiel geht die Hofmetzgerei Friedrich Hack in Pfedelbach-Lindelberg (Hohenlohekreis) davon aus, dass sie ihre Preise in den nächsten Wochen um voraussichtlich zehn Prozent erhöhen muss. Denn auch Friedrich Hack spürt die gestiegenen Energie- und Futterkostenpreise.

Weniger Fleisch wegen der hohen Preise?

Von den starken Preiserhöhungen bei Schlachttieren ist die Metzgerei aber nur bedingt betroffen. 2016 hat Metzgermeister Friedrich Hack seine eigene Rinderherde aufgebaut, die inzwischen gut 100 Tiere umfasst. So ist Hack von den starken Preisanstiegen etwas abgekoppelt.

Die Kunden seien bereit, für gute Qualität Geld auszugeben. "Wenn es aber zu teuer wird, dann gibt es halt einfach weniger Fleisch zu essen", so eine Kundin der Hofmetzgerei.

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