Leeres Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Ole Spata)

Psychische Folgen des Lockdowns werden vernachlässigt

Ferienende in Heilbronn-Franken: Viel Unsicherheit vor Schulanfang

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Eine Woche vor Schulstart in Baden-Württemberg werfen Eltern und Lehrer dem Ministerium Versäumnisse vor. Auch sonst stehen Schulen vor einigen Herausforderungen.  

Die Ferien in Baden-Württemberg gehen dem Ende entgegen. Heißt: Das Homeschooling aus dem vergangenen Schuljahr wird es in einer Woche nicht mehr geben. Alle müssen wieder zur Schule, sagt auch Marco Haaf, Sprecher der Direktorenvereinigung Heilbronn und Schulleiter in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Ausnahmen gebe es auch nicht für Kinder, die keine Maske aufsetzen, Angst haben oder sich nicht testen lassen wollen: "Alle Kinder werden zweimal die Woche getestet, wenn sie nicht genesen oder geimpft sind." Selbst bei einem positiven Corona-Fall in der Klasse, so der derzeitige Stand, müsse kaum jemand in Quarantäne. Stattdessen würden die Schülerinnen und Schüler über fünf Tage lang täglich getestet.

GEW: Kultusministerium habe Hausaufgaben nicht gemacht

Das Kultusministerium habe die Ferien nicht gut genutzt, so der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Heilbronn Christoph Eberlein. So fühlten sich zum Beispiel viele Eltern noch immer nicht ausreichend informiert. Das Ministerium habe "seine Hausaufgaben schon länger nicht gemacht", kritisiert auch die GEW-Kreisvorsitzende Main-Tauber-Hohenlohe Jana Kolberg: Es gebe zu wenige Luftfilter und zu wenig Lehrkräfte. Abstand halten funktioniere in den Schulen nicht. Die Leidtragenden seien am Ende die Kinder.

Zudem würden die Folgen des Lockdowns für die Kinder nur halbherzig angegangen, die Psyche der Jüngsten hat sehr gelitten, so Eberlein. "Das ist teilweise wirklich erschreckend." Und die derzeitige Personalsituation an Schulen, was Schulsozialarbeiter und -psychologen angehe, sei keine Lösung auf Dauer: Zwei Schulen in Heilbronn müssten sich einen Schulsozialarbeitenden teilen. Daran muss man arbeiten, sagt Eberlein.

Psychische Folgen des Lockdowns gemeinsam bekämpfen

Für den Neckarsulmer Schulleiter Marco Haaf ist vor allem die Bewältigung der psychischen Folgen eine Gemeinschaftsaufgabe. Denn diese Folgen würden die Schulen momentan enorm beschäftigen und sehr viel Zeit kosten.

"Da sind wir alle gemeinsam gefordert, die Schulen, die Elternhäuser, das Umfeld."

Wichtig sei jetzt, dass der Alltag zurückkehre, dass im Vereinswesen und in den Jugendgruppen der Betrieb wieder anlaufe. Das komplette soziale Leben der Kinder und Jugendlichen habe die vergangenen Monate schließlich völlig brach gelegen.

Ein erneuter Lockdown schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Unterricht im Herbst. Abstand halten im Klassenzimmer ist nahezu unmöglich. Sozial- und Kultusministerium haben deshalb noch einmal an die Eltern appelliert, Kinder ab 12 Jahren impfen zu lassen.

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