Ein Berater erklärt in einem Raum der Schuldnerberatung einer Kundin ihre Situation - auf dem Tisch liegen Ordner mit Zahlen-Aufstellungen und ein Taschenrechner. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jochen Lübke)

Energiekosten werden ab Januar für viele ein Problem

Schuldnerberatung erwartet erhöhte Nachfrage

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Momentan sei die Lage noch eher ruhig bei der Schuldnerberatung der Aufbaugilde Heilbronn. Ab dem neuen Jahr rechnet man jedoch aufgrund der Energiekosten verstärkt mit Anfragen.

Momentan sei noch alles "wie immer", allerdings gebe es schon erste Tendenzen, dass Energieschulden ein größeres Thema werden. Dies werde sich wahrscheinlich ab Januar, teilweise auch bereits ab Dezember niederschlagen, wenn für viele Personen erhöhte Energiekosten und neue Abschlagszahlungen fällig werden. Darum rechne man ab Januar mit einem erhöhten Bedarf an Beratungen zu Energieschulden bei der Aufbaugilde Heilbronn.

Bei der Schuldnerberatung der Aufbaugilde Heilbronn ist man zuständig für Empfängerinnen und Empfänger von ALG I und II sowie Personen aus dem Niedriglohnsektor. Der Anstieg des Mindestlohns habe dabei nur wenig geändert. Derzeit sei die Inflation noch das vorherrschende Thema, das würde sich vor allem in zurückgehendem Konsum äußern.

"Die Leute bekommen zwar vermehrt Ankündigungen über Gaspreise, Energiekosten, aber letztlich ist es noch nicht so angekommen bei den Leuten."

Auch andere Schuldnerberatungen beobachten mehr Nachfragen

Bei der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt Heilbronn e. V. (AWO) denkt man ebenfalls, dass zum Jahresbeginn die Fälle besonders steigen werden. Die Anzahl an Anfragen steige aber auch jetzt bereits, da erste Preiserhöhungen schon weitergereicht werden. Man warnt hier vor allem vor der psychischen Belastung der Schuldner: Man gerate schnell in eine soziale Ausnahmesituation, das erschwere auch die Zusammenarbeit in den Beratungen.

Das Jobcenter bietet ebenfalls eine Schuldnerberatung an. Hier denkt man, dass sich der Ansturm noch etwas verzögern wird. Viele Leute würden erst kommen, wenn "das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei".

"Es gibt bereits mehr Anrufe mit Fragen. Aber von hier bis zu dem Punkt, dass man wirklich hingeht zur Schuldnerberatung, ist es meist noch ein langer Weg."

Bevor man zur Schuldnerberatung gehe, würden die meisten Personen erst noch alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Sei es Geld von Bekannten zu leihen oder einen neuen Kredit aufzunehmen.

Mehr Insolvenzen von Einzelunternehmern

Momentan gebe es auch viele Fällen an Insolvenzen von Einzelunternehmern, beobachtet man bei der Aufbaugilde. Das seien dann zum Beispiel der ehemalige Kaffeehaus- oder Pizzeria-Besitzer mit einer zu hohen Zahl an Gläubigern. Allerdings sei das auch nur eine Momentaufnahme, da es hier häufig ein Auf und Ab gebe.

Privatinsolvenzen nehmen ebenfalls zu

Von Jahr zu Jahr steige auch der Bedarf nach Insolvenzberatungen. Heute sei es eher schon die Ausnahme, dass jemand nur ein oder zwei Gläubiger habe. Stattdessen hätten viele gleich zehn oder mehr Gläubiger aus verschiedenen Bereichen. Da sei die Verschuldung dann meist so hoch, dass man über die Insolvenzordnung gehen müsse. Das werde dann vielfach als Lösung herangezogen, damit die Leute einen finanziellen, wirtschaftlichen Neuanfang starten könnten.

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