Claus Reimann aus Schrozberg (2.v.r) hat einen Teil seiner Familie gefunden (Foto: Privat/ Reimann )

Über Online-Portal Geschwister gefunden

Schrozberger ist "plötzlich Halblatino"

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Claus Reimann aus Schrozberg hat 40 Jahre lang nach seinem Vater gesucht. Durch einer Online-Genanalyse hat er jetzt den unbekannten Teil seiner Familie gefunden - in Amerika.

Claus Reimann ist im April 1946 unehelich geboren. Seine Mutter hat ihm die Identität seines Vaters nie verraten, weil sie aus einer sehr angesehenen Mannheimer Familie stammte. "Das war natürlich eine Schande gewesen." Bei seiner Mutter und den Großeltern wuchs der Junge auf. "War alles superduper, aber mein Vater ist halt geheim geblieben", erinnert sich Reimann.

Erfolglose Suche bei Botschaft, im Internet, in alten Stammbüchern

Erst als seine Mutter im Jahr 1980 stirbt, findet der Schrozberger (Kreis Schwäbisch Hall) in ihrem Tagebuch den Namen seines Vaters: Ein verstorbener amerikanischer Soldat aus Puerto Rico. Seine Mutter kam im August 1945 mit ihm zusammen, sagt Reimann. Nur mit dem Namen macht er sich auf die Suche, bei der Botschaft, im Internet, in alten Stammbüchern. Die Botschaft mauerte, aus Datenschutzgründen, so Reimann. Auch sonst hatte er keinen Erfolg.

Nach unzähligen Versuchen hat im Oktober 2021 - 41 Jahre später - eine DNA-Analyse Erfolg: Über ein Ahnenforschungsportal im Netz zur genetischen Herkunft stößt Reimann auf drei Schwestern und einen Bruder in Puerto Rico. Er sagt: "Plötzlich bin ich Halblatino." Reimanns neu entdeckte Verwandtschaft ist auch auf den Bildern oben zu sehen: Von links nach rechts zeigen die Fotos seine Schwester Selma, seinen Bruder Armando, Claus Reimann selbst und seine Schwester Joanna.

Dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten

Dem Bruder schickte er sofort ein Bild. Der leitete es an eine der Schwestern weiter. Die prompte Reaktion von ihr: "Warum schickst du mir ein Bild von unserem Vater?", so Reinmann. Der Bruder klärte die Situation auf, das Bild zeige nicht den Vater, sondern den Bruder in Deutschland. So geriet die Geschichte ins Rollen. Mittlerweile hat Reimann vier Geschwister und unzählige Cousinen und Cousins, berichtet er. Mit Bruder und Schwestern stehe er in täglichem Kontakt. Und derzeit besucht er mit seiner Frau einen Online-Tanzkurs.  

"Mein großer Wunsch ist, mit meinen beiden Schwestern Salsa in Puerto Rico zu tanzen."

Denn das neue Jahr soll auch endlich das ersehnte Treffen bringen: 2022 will die Familie aus Übersee zu Besuch nach Deutschland kommen. 2023 geht es dann nach Miami und Puerto Rico zu den Schwestern, so der Plan. Eine der Schwestern wohnt zum Beispiel in Kalifornien. "Schrozberg ist ja nicht die Welt", so Reimann. Aber es sei schon verrückt, wenn man auf einmal mitbekommt, dass ein Teil der Familie über ganz Amerika verstreut ist.

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