Eine Hand hält eine Karaffe Milch, auf einer zweiten Hand liegen einige Münzen, daneben blickt eine Kuh in die Kamera (Foto: SWR, Carsten Rehder)

Milcherzeugergenossenschaft Unterland-Hohenlohe-Franken

Milchpreis geht durch die Decke - mehr Geld für die Erzeuger

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Die Milchauszahlungspreise für heimische Landwirte sind so hoch wie nie zuvor. Die Erhöhung war lange überfällig, so die Milcherzeugergenossenschaft Unterland-Hohenlohe-Franken.

47 Cent für ein Kilogramm Milch (Milchpreis wird in Kilogramm angegeben) zahlt derzeit etwa die Heilbronner Molkerei FrieslandCampina an die Erzeuger. Eine Preissteigerung, die dringend nötig gewesen sei, so Rainer Riedel aus Lehrensteinsfeld (Kreis Heilbronn), Vorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft Unterland-Hohenlohe-Franken (MEGU):

"Weil im November hatten wir eine absolute Nullrunde gefahren, weil das Kraftfutter im Preis angestiegen war um zwei Drittel und wenn jetzt der Milchpreis um 10 Cent anzieht, dann können wir das gerade so verkraften."

Friesland Campina Wer (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Matthias Hiekel)
Molkerei FrieslandCampina in Heilbronn picture alliance/dpa/Matthias Hiekel

Noch nie zuvor haben Milchbauern so hohe Erlöse für den Liter Milch erzielt. Große Sprünge machen können sie aber trotzdem nicht.

"Wir kratzen immer am Limit. Ich würde gerne den Mindestlohn bezahlen - wenn ich ihn vorher verdiene. Wenn ich als Selbständiger unter dem Mindestlohn arbeite, dann kann ich in der Landwirtschaft nicht mehr in die Zukunft investieren."

Rückgang der Milchproduktion ursächlich für Preissteigerung

Riedel sieht den Rückgang der Milchproduktion insgesamt als einen der Hauptgründe für die hohen Preise. Demnach produzieren die Erzeuger der MEGU rund 3,6 Prozent weniger Milch als im Vorjahr. "Das liegt vor allem daran, dass die Anbindebetriebe an den Pranger gestellt werden - das sind meist Kleinbetriebe, die sich die Investition in einen neuen Stall nicht leisten können."

Kühe im Stall (Foto: SWR, SWR -)
Der Bau moderner Ställe, in denen die Rinder sich frei bewegen können, sind oft zu teuer für Kleinbetriebe (Symbolbild) SWR -

Zusätzlich sorgen weltweit eine Futterknappheit durch Dürre und steigende Kraftfutterpreise für einen Rückgang der Milchproduktion, so Rainer Riedel. Das heißt, die Erzeugerkosten und die Produktionskosten werden wohl weiter stark ansteigen. Industrielle Butterpreise etwa sind sogar um rund 56 Prozent höher als zuvor und dreimal so stark angestiegen wie die Verbraucherpreise. Markenbutter von bestimmten Herstellern hat inzwischen die Preisschwelle von 3 Euro überschritten und auch die Molkereigenossenschaften wollen weit mehr als 2 Euro.

"Die (Molkereien) produzieren jetzt mit ihrer knappen Milch nur noch das, womit sie auch was verdienen - deswegen wird die Butter knapp."

Hinzu kommt, so der Milchindustrie-Verband, dass viele Molkereien finanziell stark unter Druck stehen, eine weitere Preissteigerung wird deshalb im Sommer erwartet.

Mehr Geld für Beschäftigte in Milchindustrie

Unterdessen wurde im Tarifstreit der Milchindustrie eine Einigung erzielt. Die Beschäftigten in der Milchindustrie in Baden-Württemberg bekommen 3,6 Prozent mehr Geld und zwei Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 418 Euro. Darauf haben sich nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt. Zum Tarifgebiet gehören unter anderem FrieslandCampina in Heilbronn, das Milchwerk Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) sowie die Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall.

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Pronsfeld, Thalfang

Pronsfeld, Thalfang Molkereien beklagen Preissteigerungen für Futtermittel

Auch Milchbauern aus der Region Trier kämpfen mit Preissteigerungen bei Getreide- und Eiweißpflanzen - unter anderem bedingt durch den Ukraine-Krieg. Nach Angaben der Großmolkereien Arla und Hochwald sind Kraft- und Grundfutter um bis zu 70 Prozent teurer geworden.
Darüber hinaus zeichneten sich schon Lieferengpässe bei gentechnik-freien Futtermitteln ab, so ein Sprecher der Molkerei Arla. Den Zuschlag an die Bauern, die Futter ohne Gentechnik nutzten, wolle man aber weiterzahlen. Auch die Hochwald Molkerei hat angekündigt, diesen Zuschlag in Höhe von einem Cent pro Kilo Milch bis einschließlich Juni weiterzuführen. Laut Arla kämpfen die Bauern neben den Kosten für Futtermittel aber auch mit höheren Preisen für Düngemittel. Da seien die Preise sogar bis zu 200 Prozent gestiegen.  mehr...

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