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Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst: Ein 27-Jähriger soll in Rot am See sechs Familienangehörige gezielt erschossen, zwei weitere teils schwer verletzt haben. Im Mordprozess am Landgericht Ellwangen hat der Angeklagte sich geäußert, auch Betroffene kamen zu Wort.

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Noch immer sorgen die Geschehnisse vom Januar in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) für Entsetzen. Ein damals 26-jähriger Mann erschoss mutmaßlich sechs Menschen, teils nahe Familienmitglieder. Zumindest räumte er die Tat vor Gericht ein – und schilderte sie in allen Einzelheiten.

Es tue ihm Leid, so seine Aussage: "Ich wünschte, ich hätte es nicht getan - jetzt ist es zu spät". Dass er seine Mutter getötet habe, bereue er zwar nicht, den Tod der anderen Familienmitglieder aber schon, so seine Aussage vor Gericht. Die Rede ist von seinem Vater, den beiden Halbgeschwistern und von Onkel und Tante.

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Ein Mann soll in Rot am See sechs Familienangehörige gezielt erschossen, zwei weitere teils schwer verletzt haben. Im Mordprozess am Landgericht Ellwangen hat der Angeklagte sich zur Tat und den Hintergründen geäußert.  mehr...

Zu den Hintergründen sagte er aus, dass seine Mutter ihn habe vergiften wollen - angeblich, weil sie ein Mädchen wollte. Sie habe ihm weibliche Hormone gegeben und ihn psychisch misshandelt. Bettnässer sei er bis in die Grundschule gewesen, er trug Windeln. Er hatte wohl einen regelrechten Hass gegen seine Mutter. Das machte sich allem Anschein nach auch bei der Tat selbst bemerkbar. Er schoss ihr der eigenen Aussage nach in den Rücken, als sie fliehen wollte, dann noch einmal in den Kopf: "Ich wollte sicher sein, dass sie tot ist", so seine Worte.

Mehrere Familienmitglieder zur Tat in Rot am See angehört

In dem Prozess wurden auch Familienmitglieder angehört, der jugendliche Neffe des mutmaßlichen Schützen. Er wurde während der Tat bedroht, aber nicht verletzt. Über den Angeklagten sei in der Familie wenig gesprochen worden, sagte er. Die Mutter des heute 27-jährigen Angeklagten habe Angst vor ihm gehabt, er soll sie einmal gewürgt haben. Der Großvater des Angeklagten sagte aus, der Enkel sei schwierig gewesen, aber immer gut behandelt worden. Für die Mutter sei der Hass gegen sie unerklärlich gewesen. Sie sei todunglücklich gewesen.

Der Angeklagte war zur Tatzeit Ende Januar 26 Jahre alt. Nach eigener Aussage lebte er vor seiner Familie zurückgezogen in seinem Zimmer. Als er am Montag in das Gerichtsgebäude geführt wurde und im Saal Platz nahm, hatte er eine Jacke über dem Kopf. Er schützte sich so vor dem großen Medieninteresse.

Urteil im Mordprozess um Rot am See am 10. Juli erwartet

Der Prozess geht bereits am Dienstag weiter, ein Urteil ist für kommende Woche Freitag geplant. Es geht um sechsfachen Mord und Mordversuch. Im Raum steht auch eine Schuldunfähigkeit des Angeklagten, dazu hat das Gericht einen psychiatrischen Gutachter geladen.

Mitarbeiter der Spurensicherung am Haus in Rot am See, hier passierten mutmaßlich die Morde (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Spurensicherer damals am Tatort in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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