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Am 24. Januar war es genau ein Jahr her: Ein 26-jähriger Mann ermordet in Rot am See einen Teil seiner Familie. Es ist ein schwerer Schock für die rund 5.200 Einwohner zählende Gemeinde.

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Die Rollläden des Gasthauses in der Nähe des Bahnhofs in Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) sind auch noch ein Jahr nach der Tat weit heruntergelassen, das Gebäude sieht verwaist aus, ein marodes Polizeisiegel klebt neben dem Schlüsselloch. Kerzen, Bilder, Engel-Figuren und ein paar Briefe stehen vor dem Eingang.

Kugelhagel löscht einen Teil der Familie aus

In der Gaststätte zum Deutschen Kaiser fallen am 24. Januar 2020 mehrere Schüsse hintereinander, abgefeuert von einem jungen Mann. Die tödlichen Kugeln treffen seine Mutter, den Vater, die Stiefgeschwister, seinen Onkel und seine Tante. Zwei weitere Verwandte überleben die rund zehnminütige Bluttat schwer verletzt.

Tatort in Rot am See (Foto: SWR)
Der Tatort in Rot am See nach der Bluttat (Archivbild)

Im Anschluss wählt der Schütze den Notruf der Polizei, meldet sich mit den den Worten: "Ich hab die blutrünstigen Monster erschossen". Ohne Gegenwehr lässt er sich von den eintreffenden Polizeibeamten festnehmen.

Viele erinnern sich noch an den Tattag

Die Fassungslosigkeit in Rot am See damals war groß. Mittlerweile sind die Bewohner dort zwar wieder im Alltag angekommen, ein zentrales Corona-Impfzentrum steht in Rot am See. Hier ist viel Engagement gefragt. Vergessen ist die Tat des jungen Mannes aber nicht, jetzt, ein Jahr später, kommen bei vielen die Bilder von damals wieder hoch, bestätigen Passanten bei einer Umfrage in Rot am See.

"Man kennt die Familie, es ist immer noch unfassbar." "Es ist traurig, wenn ich am Friedhof vorbeigehe, sehe ich immer wieder, dass an den Gräbern viele Menschen stehen." "Am Anfang hat mich das immer wieder bewegt, wenn ich in Rot am See war, aber jetzt nicht mehr." "Wir sind immer noch traurig." "Manchen steckt es noch tief in den Kochen."

Menschen aus Rot am See

Zu tief sitzt die Erinnerung an die schreckliche Bluttat, das anschließende Medienaufgebot vor Ort. Von einer Stunde auf die andere geriet die kleine Hohenloher Gemeinde damals in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch über die anschließende groß angelegte Trauerfeier für die getöteten Opfer wurde deutschlandweit berichtet. Mehr und mehr wurde über die Familie und den Mörder bekannt: Die meiste Zeit vergrub sich der junge Mann hinter seinem Computer. Er war Mitglied im örtlichen Schützenverein.

SWR-Reporterin schildert Eindrücke ein Jahr nach der Tat

Mord nach eigenen Angaben lange geplant

Den Mord plante der Ex-Student nach eigenen Angaben schon seit Jahren: Seine Mutter habe ihn vergiften wollen und jahrelang misshandelt, sagt der Täter später vor dem Schwurgericht in Ellwangen (Ostalbkreis) aus. Er streckt sie mit zwei Schüssen nieder. Seine Halbschwester hält er für eine Helferin, den Vater für schwach und wehrlos. Dieser habe nichts gegen die Misshandlungen getan. Den Tod der anderen Familienmitglieder bereut er, sagt der Täter vor Gericht aus. Im Prozess gesteht er, schildert in der Vernehmung den Tathergang in allen Einzelheiten.

Die Beteiligten nach der Urteilsverkündung (Foto: SWR)
Der Todesschütze in Ellwangen vor Gericht (Archivbild)

Das Gericht ordnet das damalige Geschehen ein: Es war ein einziges Chaos, der 26-Jährige schoss auf alles, was sich bewegte. Laut Gerichtsgutachter war er in einem Zustand von Wut und Raserei und mit dem unbedingten Vernichtungswillen nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Ihm wird verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt. Das und sein Geständnis fließen ins Urteil ein: 15 Jahre Gefängnis und die Einweisung in die Psychiatrie wegen sechsfachen Mordes.

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