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Im Mordprozess von Rot am See wird die Verteidigung nicht in Revision gehen. Das hat der Verteidiger am Freitag auf SWR Anfrage erklärt. Der Angeklagte war zu Haft verurteilt worden.

Verteidiger Andreas Kugel geht davon aus, dass auch die Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittel einlegen wird. Die Frist geht am Freitag zu Ende.

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Im Prozess um die Gewalttat von Rot am See (Kreis Schwäbisch Hall) mit sechs Toten ist der Angeklagte wegen Mordes und versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Zu der Haftstrafe ordnete das Gericht in Ellwangen (Ostalbkreis) noch die Unterbringung in einer Psychiatrie an. Dort müsse der Mann so lange bleiben, wie er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle.

Bei den Morden von Vater, Mutter und Halbschwester in Rot am See spricht das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit, da eine psychische Erkrankung vorliegt. Zudem wurde dem Verurteilten zu Gute gehalten, dass er ein Geständnis abgelegt und mit den Ermittlern zusammengearbeitet hatte.

Nebenklage hatte Sicherungsverwahrung für Mörder gefordert

Das Gericht folgte mit der Unterbringung der Forderung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die als Nebenkläger auftretenden Familienangehörigen hatten dagegen eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert, ohne Einweisung in die Psychiatrie.

Verteidigung fordert 13 Jahre Haft und Psychiatrie

Die Verteidigung des 27-Jährigen hatte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren mit verminderter Schuldfähigkeit gefordert, zudem die Unterbringung in einer Psychiatrie. Der Staatsanwalt hielt den Mann aus Rot am See wegen sechsfachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes für schuldig. Er forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus - mit besonderer Schwere der Schuld.

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Tödliche Schüsse in Rot am See

Der Mann hatte im Januar Vater, Mutter, Halbschwester, Halbbruder, Onkel und Tante in Rot am See erschossen und zwei weitere Menschen schwer verletzt. Der Verurteilte war im Prozess geständig, zum Schluss ergriff er noch einmal das Wort: Er wolle sich bei allen Betroffenen entschuldigen.

"Ich bereue es, ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen."

Angeklagter Mordprozess Rot am See

Laut Gerichtspsychiater hat der Täter eine wahnhafte Störung. Dem glaubte das Gericht. Demnach liege eine schwere schizoide Persönlichkeitsstörung vor. Im Prozess hatte der Gutachter ausgesagt, der 27-Jährige habe Mutter und Halbschwester im Wahn getötet.

Die Nebenkläger zweifelten das Gutachten des Psychiaters an. Grund für die Morde sei vor allem Habgier gewesen. Er habe es auf das Erbe abgesehen. Es sei ein "sadistischer Amoklauf" gewesen.

Mann gesteht tödliche Schüsse in Rot am See

Die Tat in Rot am See im Januar sorgte über Landesgrenzen hinweg für Aufmerksamkeit, zu einigen Prozesstagen war ein großes Medienaufgebot nach Ellwangen gereist. Knapp zwei Wochen lang brachten etliche Verhandlungstage viel Licht in das Geschehen, warfen aber auch Fragen auf. Mehrere Gutachter wurden gehört.

Sie zeigten Bilder vom Tatort, den Verletzungen der Opfer, gaben Einblick in die Pläne und den psychischen Zustand des Täters. Der 27-Jährige machte auch Angaben zum Geschehen und den Hintergründen der Tat. Sein Motiv: Er glaubte, die Mutter habe ihn seit seiner frühen Kindheit vergiften wollen.

Der Tatort des Familiendramas, das Gasthaus in Rot am See (Foto: SWR)
Gasthaus in Rot am See - hier wurden sechs Menschen erschossen

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