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Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat für Kupferzell (Hohenlohekreis) 3,9 Mal mehr Infektionen nachgewiesen als bisher bekannt. Ihre Ergebnisse stellten die Forscher am Freitag vor.

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Mitte Mai begann die Studie des Robert-Koch-Instituts im Corona-Hotspot Kupferzell (Hohenlohekreis), deren Ergebnisse mit Spannung erwartet wurden. Rund 2.200 Probanden hatten daran teilgenommen.

Die Studie habe nun durch Antikörpertests fast vier Mal (3,9) so viele Infizierte in Kupferzell nachgewiesen als bislang durch die üblichen PCR-Tests bekannt war, erklärten Forscher des RKI am Freitag. Diese Zahl lasse sich aber nicht auf andere Städte und Gemeinden übertragen, betonte Projektleiterin Claudia Santos-Hövener vom Robert-Koch-Institut. "Die Dunkelziffer ist hier spezifisch für Kupferzell."

Grafik mit Untersuchungsergebnissen (Foto: SWR)
Ergebnisse der RKI-Corona-Studie in Kupferzell

Mehr Frauen mit Antikörpern als Männer

Bei 7,7 Prozent der getesteten Erwachsenen seien Antikörper gegen das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Bei Frauen haben die Wissenschaftler laut Studie mit 8,7 Prozent etwas häufiger Antikörper nachgewiesen als bei Männern (6,7 Prozent).

Selbst ein solcher im Bundesvergleich relativ hoher Wert reiche aber nicht aus, um eine befürchtete "zweite Welle" zu verhindern, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Für eine sogenannte Herdenimmunität seien Werte zwischen 60 und 70 Prozent erforderlich. Schaade warnte angesichts der bundesweit steigenden Zahlen neuer Infektionsfälle: "Wir dürfen diese Entwicklung so nicht weiterlaufen lassen." Abstand halten und Masken tragen sei das Gebot. "Anders wird es nicht gehen und wir drohen die Kontrolle zu verlieren."

Bei 28,2 Prozent der Genesenen keine Antikörper nachweisbar

Bei mehr als einem Viertel (28,2 Prozent) der Testpersonen in Kupferzell mit einem vorherigen positiven Corona-Befund seien keine Antikörper gefunden worden, erklärte die Studienleiterin Claudia Santos-Hövener. Das bedeute jedoch nicht, dass keine Immunität gegen das Virus bestehe.

"Auch aus anderen Studien ist bekannt, dass bei einem Teil der Personen, die nachweislich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren, nach einer gewissen Zeit keine Antikörper mehr nachgewiesen werden können."

Claudia Santos-Hövener, Projektleiterin am Robert-Koch-Institut

Auf Nachfrage sagte ein Sprecher des Robert-Koch-Instituts, hierzu fehlen noch weitere Erkenntnisse. Es handele sich um eine Forschungslücke, die noch geschlossen werden müsse.

Jeder sechste Infizierte ohne Krankheitssymptome

Etwa jeder sechste positiv Getestete (16,8 Prozent) hatte keine typischen Krankheitssymptome. Alle anderen hatten zumindest eines der typischen Symptome wie Fieber, Atemnot, Kurzatmigkeit, Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen oder Geruchs- und Geschmacksstörung.

Kupferzell als Beispiel, wie Infektionen eingeschränkt werden können

RKI-Vize Schaade wertete Kupferzell als Mut machendes Beispiel dafür, dass man selbst ein großes "Infektionsgeschehen" unterbrechen und beenden könne. Beginne man zügig mit Maßnahmen wie Kontaktunterbrechungen, "kann man den größten Teil der Bevölkerung noch schützen", betonte Schaade.

Landrat will schnelle Tests im Herbst

"Während der Studie in Kupferzell haben wir keine neuen akuten Infektionen entdeckt. Das Infektionsgeschehen in Kupferzell war also zu Studienbeginn bereits eingedämmt", so Projektleiterin Santos-Hövener. Für den Landrat des Hohenlohekreises, Matthias Neth (CDU), ein Erfolg.

"Es ist uns gelungen, alle Infektionsketten zu unterbrechen, die ursächlich für die damalige Entwicklung waren."

Matthias Neth (CDU), Landrat des Hohenlohekreises

Wenn nun weitere Fälle in Kupferzell aufträten, seien sie durch neue Infektionsquellen übertragen worden. Bei der Bekämpfung der Epidemie setzt Neth vor allem auf die Arbeit des Gesundheitsamtes, das "stark und extrem flexibel" aufgestellt sei. Eine schnelle Testung werde im Herbst noch größere Bedeutung gewinnen, so der Landrat.

Weitere Studien-Ergebnisse Ende August in Bayern erwartet

Die Tests von Kupferzell waren der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Studien des Robert-Koch-Instituts. Nach Angaben eines Sprechers laufen bereits weitere Untersuchungen im bayerischen Bad Feilnbach. Die ersten Ergebnisse dort sollen schon Ende August vorgestellt werden. Ab September sollen zwei weitere lokale Studien folgen, schließlich eine bundesweite - um den Geheimnissen des neuartigen Coronavirus noch näher zu kommen.

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