Kernkraftwerk Neckarwestheim (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Umweltministerium gibt Kraftwerk trotz Schäden frei

Nach Sicherheitscheck in Neckarwestheim: Weiter Streit um Nutzung von Atomkraft

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Bei der Überprüfung im AKW Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) sind wieder Korrosionsschäden an Rohren gefunden worden. Es war die letzte Revision vor der endgültigen Abschaltung.

Der Block II des Atomkraftwerks in Neckarwestheim ist nach Abschluss der Revision seit Freitagabend wieder am Netz. Es war die letzte Revision vor der endgültigen Abschaltung zum Ende des Jahres. Aus diesem Grund sind auch keine neuen Brennelemente mehr in den Reaktordruckbehälter eingesetzt worden.

Proteste im AKW Neckarwestheim (Foto: SWR)
Ende des Jahres soll das AKW Neckarwestheim planmäßig vom Netz gehen (Archivbild).

Verringerung der Wandstärke bei Revision festgestellt

16.400 Rohre sind in den vergangenen Wochen laut Umweltministerium überprüft worden. An 35 Heizrohren seien sogenannte "lineare Wanddickenschwächungen" festgestellt worden. Das sind in Umfangsrichtung orientierte rissartige Wanddickenschwächungen. Diese Rohre seien stabilisiert und verschlossen worden. Die Jahresrevision hatte am 4. Juni begonnen. "Anlass der Prüfungen sind die 2018 erstmals festgestellten linearen Schwächungen der Wanddicke, die von der Rohraußenseite ausgehen und auf Spannungsrisskorrosion zurückzuführen sind", heißt es vom Ministerium. Einen die Wand durchdringenden Riss gab es laut Ministerium jedoch bisher nie.

In diesem Jahr sind dabei etwa doppelt so viele Befunde wie im Jahr zuvor festgestellt worden. 2021 gab es 17 betroffene Stellen. Die betroffenen Heizrohre seien dicht verschlossen und außer Betrieb genommen worden, hieß es.

In der Theorie ist Kraftwerk Neckarwestheim noch einsetzbar

Theoretisch könnte Block II des Kernkraftwerkes Neckarwestheim noch bis Februar nächsten Jahres laufen. "Die Brennstäbe könnten bis Februar halten, mit 50 Prozent weniger Leistung", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums auf Nachfrage. "Das ist rein hypothetisch", betonte der Sprecher jedoch.

Die Berechnungen dienten nur als Hintergrundinfo für Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). "Wir haben immer noch die gleiche Haltung zur Atomkraft und halten eine Verlängerung für nicht notwendig." Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke forderte Walker auf, von der Möglichkeit einer längeren Laufzeit Gebrauch zu machen. "Die Haltung der Grünen zur Kernenergie ist rein ideologisch", sagte Rülke.

Walker hatte sich bisher stets gegen eine Wiederbelebung der Atomkraft ausgesprochen. Angesichts des Krieges in der Ukraine und der sich zuspitzenden Energiekrise war zuletzt immer wieder über eine Laufzeitverlängerung der Atommeiler diskutiert worden. Block II in Neckarwestheim soll spätestens zum 31. Dezember diesen Jahres abgeschaltet werden.

Atomkraftgegner fordern sofortige Abschaltung

Wie schon in der Vergangenheit fordern auch nach der diesjährigen Revision Atomkraftgegnerinnen und -gegner die sofortige Abschaltung des letzten verbliebenen Meilers in Neckarwestheim. So schreiben das Bündnis "ausgestrahlt" und der "Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN)" in einer gemeinsamen Mitteilung:

"Die erneute deutliche Zunahme der gefährlichen Korrosion im AKW Neckarwestheim widerlegt alle Sicherheitsbehauptungen der EnBW und des Umweltministeriums."

Die Atomkraftgegner gingen mit ihrer Forderung zuletzt bis vor den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim, um den Betrieb wegen angeblicher Gefahren durch Risse an Rohren untersagen zu lassen. Die Behörde lehnte Anfang Mai den Eilantrag ab. Die Voraussetzungen für eine Anordnung zur sofortigen Stilllegung des Atommeilers seien nicht erfüllt, teilte das Gericht damals mit.

Trotz Laufzeiten-Diskussion: GKN Neckarwestheim geht geplant vom Netz

Die Betreiberin des Neckarwestheimer Atomkraftwerks, die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), hält am geplanten Aus fest und will das AKW zum Jahresende abschalten. Wegen der Energie-Krise durch den Ukraine-Krieg kommt es immer wieder zu Diskussionen um eine Laufzeiten-Verlängerung von Atomkraftwerken. Zuletzt sprachen sich unter anderem FDP- und CSU-Politiker dafür aus, die Atomkraftwerke vorerst am Netz zu lassen.

Der Ausstieg aus der Atomkraft ist gesetzlich geregelt: Ende dieses Jahres werden die letzten drei Reaktoren in Deutschland vom Netz gehen. Abgeschaltet werden dann Isar 2, Emsland und auch für Neckarwestheim II ist dann Schluss. Die EnBW geht davon aus, dass dann im kommenden Jahr, also 2023, mit dem Rückbau begonnen werden kann. "Eine Änderung des Atomgesetzes streben wir nicht an", sagte der Sprecher des Stuttgarter Umweltministeriums.

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