Ein Globus im Heilbronner Reisebüro Traumreisen (Foto: SWR)

Reiseanbieterin in Gundelsheim auch persönlich betroffen

Tourismusbranche: Flüge und Fahrten wegen Russland-Ukraine-Krieg gecancelt

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Die Reisebranche in Heilbronn-Franken spürt bisher nur geringe Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs. Doch es gibt Einzelschicksale, die berühren.

Natalija Jakimovskij ist selbst Ukrainerin und betreibt das Reisebüro Elita-Reisen in Gundelsheim (Kreis Heilbronn). Normalerweise bietet sie unter anderem Flüge nach Russland an - "jetzt natürlich nicht mehr", sagt sie bedrückt, in ihrem Reisebüro sei nichts mehr los. Einer ihrer Kunden sitze aktuell in Moskau und komme nicht zurück. Der Luftraum ist geschlossen. Wie sie das lösen soll, weiß sie noch nicht.

Aber schlimmer als das berufliche Desaster ist das persönliche: Jakimovskij hat Familie in Kiew. Die Verwandten berichten, dass Kinder und Frauen in der Metro schlafen, die Männer sind im Krieg.

"Ich bete nur, dass meine Verwandschaft am Leben bleibt und dass nicht Schlimmeres passiert."

Reisebüros in Heilbronn-Franken spüren bisher kaum Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs auf ihr Geschäft (Foto: SWR)
Reisebüros in Heilbronn-Franken spüren bisher kaum Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs auf ihr Geschäft

Reisen nach Russland sind eingestellt

Die Stimmung bei Benz-Busreisen aus Heilbronn ist schlecht. "Erst Corona, jetzt der Krieg...", sagt eine Mitarbeiterin im Gespräch mit dem SWR Studio Heilbronn.

Das Heilbronner Reiseunternehmen bietet normalerweise regelmäßig Fahrten nach Russland und in die Ukraine an. Doch momentan ist die Ukraine zu und kann nicht angefahren werden, die Reisen nach Russland sind momentan eingestellt. Es werde sich wohl im Laufe der Woche ergeben, wie es weitergeht, so eine Mitarbeiterin.

Reiseanbieter in Heilbronn-Franken beklagen noch kaum Auswirkungen aufs Geschäft

Auf Nachfrage des SWR Studios Heilbronn bei mehreren Reisebüros in der Region hieß es allerdings überwiegend, dass die hiesigen Reiseanbieter bisher nur geringe Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs spüren.

Russland und Ukraine: Beliebte Reiseziele für Kreuzfahrten

Generell seien die Russland und die Ukraine als Reiseziele sehr beliebt, berichtet Monika Hetzler vom Reisebüro Hetzler in Öhringen (Hohenlohekreis). St. Petersburg gehöre etwa zu den "allerbeliebtesten Kreuzfahrt-Zielen", so Hetzler. Diese Kreuzfahrten werden teils schon abgesagt, Russland werde von vielen Anbietern nicht mehr angefahren.

Monika Hetzler blättert in einem ihrer vielen Urlaubsprospekte (Foto: SWR)
Monika Hetzler spürt in ihrem Öhringer Reisebüro noch keine Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs

Insgesamt merke man laut Monika Hetzler aber noch keine großen Veränderungen in der Reisebranche durch den Krieg. Man müsse abwarten, ob die Leute sich von den Geschehnissen verunsichern lassen und demnach ihre Reisepläne canceln.

"Ich denke man kann's grade noch nicht beurteilen, weil der Krieg erst seit letztem Donnerstag geht."

Fernreisen allerdings könnten langfristig tatsächlich beeinträchtigt werden, wenn Flugzeuge über Russland oder die Ukraine fliegen, vermutet Hetzler. "Aber die Fernreisen werden durch Corona gerade eh noch nicht so richtig gebucht", so die Öhringer Reiseanbieterin. Dementsprechend seien die Auswirkungen der aktuellen Kriegsgeschehnisse auf ihr Geschäft bisher noch nicht so groß.

Umfrage in Heilbronn: Reisende überwiegend unbesorgt

Bei einer nicht repräsentativen Straßenumfrage in der Heilbronner Innenstadt zeigten sich die Menschen bezüglich ihrer Reisepläne noch relativ unbesorgt. Viele wollen weiter abwarten, wie sich die Lage entwickelt oder reisen nach eigener Aussage in Gebiete, die, wie sie glauben, nicht vom Kriegsgeschehen beeinflusst werden. Trotzdem blicken die Bürgerinnen und Bürger nicht unbesorgt in den Osten.

Zwei Reise-Stornierungen in Heilbronn

Auch Regina Weißert vom Reisebüro Traumreisen in Heilbronn sagt, es sei ziemlich schwer, das alles in dieser Woche zu beurteilen - auch wegen der Faschingsferien, in der Regel sei es da immer etwas ruhiger.

Allerdings kamen am Montag zwei Absagen rein, Reisen nach Süd-Europa. Die Kunden hätten gesagt, es wäre ihnen zu unsicher. Die Angst sei nicht, dass man nicht abfliegen kann - sondern wie man zurückkommt, wenn irgendetwas Dramatisches passieren sollte. Weißert hat Verständnis.

"Mr. Putin ist ein großes Fragezeichen."

Kreuzfahrten nach St. Petersburg waren immer sehr beliebt. (Foto: SWR)
Kreuzfahrten nach St. Petersburg waren immer sehr beliebt (Symbolbild)

Auch Studienreisen betroffen

Andreas Kircher vom Holiday Land Reisebüro Kircher aus Schwäbisch Hall stellt noch keine Auswirkungen des Kriegs auf sein Geschäft fest. Im Newsletter in seinem Mail-Postfach heißt es: "Lage abwarten, vorerst keine Reisen in die Ukraine oder nach Russland", so Kircher. Er sieht neben Kreuzfahrtanbietern vor allem Studienreisen betroffen. Die biete er selbst allerdings nicht an, daher habe er aktuell noch keine Stornierungen zu beklagen.

Noch keine Stornierungen in Schwäbisch Hall

Auch Silke Edel-Pfannschmidt vom gleichnamigen Reisebüro in Schwäbisch Hall bietet allgemein Reisen in Richtung Russland und Ukraine an: Transsibirische Eisenbahn und Flusskreuzfahrten habe sie im Angebot. Bisher gab es aber keine Buchungen, also auch kein Storno - Glück im Unglück. Diese Reisen seien auch nicht ihr Hauptgeschäft.

Als erstes Kreuzfahrtschiff der Saison 2021 in Warnemünde läuft die "Aidasol" in den Seekanal ein. Das Ostseebad Warnemünde war zum letzten Mal am 02.10.2020 Ziel für ein reguläres Kreuzfahrtschiff mit Passagieren an Bord, als die "Europa" als einziges Schiff der Saison einlief.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck)
Beliebte Kreuzfahrt-Routen steuern normalerweise St. Petersburg an picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Eppingen: Krieg nimmt auf Reisepläne in andere Länder bisher keinen Einfluss

Bei elanN-Reisen in Eppingen (Kreis Heilbronn) gibt es generell keine Reiseangebote nach Russland oder in die Ukraine, so Chefin Ann-Kathrin Dauth. Stornierungen oder Reiserücktritte von Urlauben in andere Länder wegen des Kriegs gebe es bei ihr noch nicht. Stattdessen sei das große Thema zumindest bei ihr nach wie vor Corona. Dennoch finde auch sie den Krieg schrecklich.

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