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Wegen der Corona-Pandemie sind öffentliches Leben und Freizeit weiterhin nahezu lahmgelegt: Reisebüros und Busunternehmen aus Heilbronn-Franken fordern daher, dass die Corona-Nothilfe auch im zweiten Halbjahr gezahlt wird.

Die Geschäfte dicht, keine Konzerte, die Cafés, Restaurants und Hotels geschlossen - die anhaltende Corona-Pandemie schränkt weiter die Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der eigenen vier Wände ein. Vor allem für die Reise- und Tourismusbranche ist es eine harte Zeit. Deshalb fordert sie auch, dass es weitere Corona-Nothilfezahlungen geben soll. Denn trotz fast halbjähriger Schließung müssten die Fixkosten auch weiterhin bezahlt werden, so Reiseunternehmer aus Heilbronn-Franken.

Reisebusunternehmen kommt mit "zwei blauen Augen davon"

Nicole Maag aus Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis) bezeichnet die derzeitige Situation als "Supergau" für ihr kleines Unternehmen Fella-Reisen. Maag ist Juniorchefin, Busfahrten ins In- und Ausland sind das tägliche Geschäft - oder waren es zumindest bis Corona kam. Dennoch: Vor dem Aus stehe das Geschäft noch nicht, man komme wohl "mit zwei blauen Augen davon", sagt Maag. Fella-Reisen ist ausschließlich spezialisiert auf Reisen innerhalb ganz Europas und fährt nicht für den ÖPNV. Als kleines Unternehmen sei man "ausgeknockt seit November".

"Es macht natürlich wenig Sinn, wenn wir fahren dürfen und es hat kein Restaurant geöffnet und bei Mehrtagesreisen müssen wir natürlich auch irgendwo übernachten dürfen."

Nicole Maag, Reiseunternehmerin Grünsfeld

Keine Perspektive, keine Planungssicherheit bei Reisen

Hilfen sind geflossen, sagt Maag. Sie waren innerhalb von vier Wochen auf dem Konto, ebenso wie die Zahlungen des Kurzarbeitergelds. Dennoch, so Maag: Die Nothilfezahlungen sind nicht ansatzweise so hoch wie der normale Umsatz, der jetzt komplett ausbleibt. Ausgeglichen würden lediglich die Kosten. Und was ebenso an der Geduld nagt: Es gebe keine Perspektive, keine Planungssicherheit. "Man weiß gar nicht, wann man wieder fahren darf." Aber selbst dann müsse man die Menschen erst dazu bringen, dass sie wieder Reisen wollen. Das, so Maag, wird nicht von heute auf morgen der Fall sein.

Heilbronner Reiseunternehmer: Es geht an die Existenz

Vor dem Problem steht auch Andreas Kühner, Geschäftsführer von Gross Reisen in Heilbronn. An Reisen sei derzeit nicht zu denken, also muss der Branche weiter geholfen werden. Kühner findet, dass "Geld fließen muss, um die Existenz der Büros zu erhalten." Es sei eine außergewöhnliche Situation, durch die man in Existenznot geraten sei.

Gross Reisen hat Glück, sagt Kühner. Das Busunternehmen ist mit über 40 Fahrzeugen unter anderem auch im Linienverkehr tätig. Doch die eigenen Reisebüros sind dicht. Und das geht auch an die Substanz der Mitarbeiter.

"In diesem Bereich kann ich nicht kurzerhand etwas anderes machen. Es sind einige Mitarbeiter, die gerade im Impfzentrum aushelfen oder die ehrenamtlich tätig sind. Auch da unterstützen wir unsere Mitarbeiter, diese leeren Zeiträume anders zu füllen."

Andreas Kühner, Reiseunternehmer Heilbronn

Kühner fordert zudem eine Perspektive. In anderen Ländern gebe es bereits so etwas wie Öffnungsstrategien oder grüne Impfpässe, mit denen wieder mehr Leben möglich ist. So etwas sei wichtig, dennoch werde man hierzulande wohl noch etwas Zeit dafür brauchen, um abzusehen, wie beispielsweise die Impfkampagnen laufen.

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