Ein Regenwurm (Foto: dpa Bildfunk, Elisabeth Neubert Ulfert Graefe)

Wichtig für die Gesundheit der Böden

Zum Tag des Regenwurms am 15. Februar: Ein kleiner tierischer Helfer mit großen Problemen

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Er ist ein eher lichtscheuer Geselle, nur bei Niederschlägen zeigt er sich: der Regenwurm. Ein Experte aus Creglingen schildert, was dem Wurm alles zu schaffen macht.

Die Kleinsten fasziniert er, wenn er an Regentagen seine langsamen Bahnen über die Wiesen oder den Asphalt zieht. Einige Vögel haben ihn zum Fressen gern. Erwachsene finden ihn eher unspektakulär und (Hobby-)Gärtner lieben ihn. Bei Experten ist der gemeine Regenwurm auch unter dem Namen Lumbricus terrestris bekannt. Der unscheinbare Regenwurm hat doch eine faszinierende Seite, findet Agrarbiologe Otto Ehrmann aus Creglingen (Main-Tauber-Kreis).

Bodengesundheit spielt wichtige Rolle

Am 15. Februar ist Tag des Regenwurms, wahrscheinlich ins Leben gerufen im Jahr 2005. Dabei geht es unter anderem um den Schutz des Tieres, aber auch darum, auf die Wichtigkeit der Bodengesundheit aufmerksam zu machen - und wie relevant diese für den Umweltschutz ist.

Eine Wacholderdrossel zieht einen Regenwurm aus dem Boden. (Foto: dpa Bildfunk, Silas Steindpa-bildfunk)
Der Wacholderdrossel dient der Regenwurm als Nahrung. Silas Steindpa-bildfunk

Der Regenwurm hat eine große Bedeutung für den Boden, so der Creglinger Agrarbiologe. Das Tier lockert den Boden und bearbeitet ihn so, dass die Nährstoffe wieder für die Pflanzen verfügbar werden - und er verbessert das Bodengefüge.

"Gäbe es den Regenwurm nicht, wären die Böden ärmer - zum einen an Lebewesen und zum anderen an Struktur."

Trockenheit und Bodenversiegelung machen Regenwurm zu schaffen

Der kleine fleißige Helfer ist wichtig, sagt Ehrmann, denn dort, wo Regenwürmer den Boden nicht bearbeiten, lagert sich eine Streuauflage auf der Erdoberfläche ab. Den Bäumen fehlen dann unter Umständen Nährstoffe - zu sehen in Waldstücken, wo der Wurm weniger zugange ist.

Dem Regenwurm geht es - wie so vielen Wirbellosen - mehr und mehr an den schleimigen Kragen: Umwelteinflüsse, der Klimawandel mit zunehmend trockenen Sommermonaten, aber auch große schwere Maschinen, zum Beispiel in der Landwirtschaft, die über Lebensräume des Regenwurms rollen und diese zerstören, machen ihm zu schaffen. Ein weiteres Problem sei die Versiegelung der Landschaft: "Unter Beton gibt es meines Wissens nach keine Würmer", so der Experte.

Von 1,5 Zentimeter bis zu einem halben Meter lang

Regenwürmer sind blind, taub und stumm. Und selbst ihre Länge ist individuell, sagt der Creglinger Agrarbiologe: Je nach Art können Regenwürmer ausgewachsen zum Beispiel nur rund 1,5 Zentimeter lang sein. Der Badische Regenwurm im südlichen Hochschwarzwald kann dagegen schon einmal einen halben Meter lang werden. Rund 35 Regenwurmarten gebe es in Baden-Württemberg, deutschlandweit seien es etwa 50. Weltweit gibt es wahrscheinlich rund 3.000 Arten. Im bayerischen Chiemgau wurde beispielsweise 1988 der smaragdgrüne Regenwurm entdeckt.

Und sie sind große Helfer im Garten, graben um, kompostieren und produzieren Dünger, der zum "besten der Welt gehört", schreibt der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Dieser besteht aus einer Mischung aus mineralischer und organischer Substanz. Das erhöhe den Humusgehalt und gebe ein sehr stabiles Bodengefüge, sagt Ehrmann.

"Ein Boden, der viele Regenwürmer hat, ist zum Beispiel wesentlich unempfindlicher gegenüber Bodenerosion."

Märchen zu Regenwurm aufgeklärt

Einen Mythos klärt der Experte noch auf: Ein Regenwurm lebe nicht einfach weiter, wenn man ihn teilt - zum Beispiel aus Versehen mit einem Spaten. Schon gar nicht beide Hälften. Nur mit Glück, wenn man den Wurm ganz hinten erwische, habe das vordere Ende eine Chance.

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