Das Kernkraftwerk Neckarwestheim im Kreis Heilbronn (Foto: SWR)

Mögliche Gefahr wegen technischer Mängel

Notreserve AKW Neckarwestheim: Atomkraftgegner protestieren

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Nach der Ankündigung, dass unter anderem das Atomkraftwerk in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) in der Notreserve bleiben soll, kommt Protest von Atomkraftgegnern.

Die Entscheidung, das AKW Neckarwestheim als Notreserve zu erhalten, wird von Atomkraftgegnern scharf kritisiert. Franz Wagner vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar sagt, Neckarwestheim2 dürfe wegen technischer Mängel "keinen einzigen Tag" mehr laufen.

Risse in sicherheitsrelevanten Rohren des Reaktors seien eine akute Gefahr, so Wagner. Dazu sei die letzte Revision des AKW Neckarwestheim im Sommer zu lange her - jeden Monat könnten weitere Risse dazukommen.

Atomkraftgegner kündigen Proteste und Klage an

Für die nächste Zeit plane man Proteste, so Wagner: "Wir werden nicht lockerlassen." Es sei ein hohes Risiko, das man mit der Entscheidung für die Notreserve eingehe. Die Gefahr weiterer Risse würde in den nächsten Monaten bis zum April noch wachsen. Außerdem befürchtet er, dass die FDP im Bundestag weiter auf einen vollen Betrieb aller drei Atomkraftwerke in Deutschland setzt. Am 22. Oktober soll es eine überregionale Protestaktion geben, kündigte das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim in einer Mitteilung an.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Baden-Württemberg prüft eine Klage, so die Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch: "Seit 2017 sind im AKW Neckarwestheim 2 über 300 Risse gewachsen. Hier herrscht also schon ein Notfall. Dieses AKW nun als Notreserve vorzuhalten und möglicherweise durch An- und Abschaltungen einer hohen Belastung auszusetzen, ist unverantwortlich und muss gestoppt werden."

Stresstest-Ergebnisse am Montagabend veröffentlicht

Am Montagabend hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Ergebnisse des Stresstests zur Versorgungssicherheit veröffentlicht. Bis Mitte April 2023 sollen demnach die Atomkraftwerke Isar 2 in Bayern und auch Neckarwestheim 2 (Kreis Heilbronn) als Notreserve am Netz bleiben. In Neckarwestheim hatte sich der Bürgermeister bereits darauf eingestellt.

Bürgermeister: Legitim, dass Neckarwestheim "Teil der Lösung ist"

Bürgermeister Jochen Winkler (parteilos) betonte, dass die kurze Verlängerung bis Mitte April 2023 für Neckarwestheim keine finanziellen Vorteile bringe. Es ändere sich eigentlich nichts, "außer, dass wir eine Anlage haben, die etwas länger da ist, als geplant", so der Bürgermeister im Interview mit dem SWR Studio Heilbronn.

Allerdings sehe er es als legitim an, dass Neckarwestheim Teil der von Robert Habeck (Grüne) gesuchten Lösung für eine mögliche Strom-Mangellage im Winter sei. Schon länger sei er davon ausgegangen, dass das Atomkraftwerk hierfür gebraucht werde. Winkler betonte aber auch, dass die Entscheidung keine endlose Laufzeitverlängerung bedeute, was auch die Bundesregierung zu verstehen gab.

EnBW will Machbarkeit des Reservevorschlags prüfen

Die EnBW forderte die Bundesregierung auf, jetzt schnell die gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen Betrieb über das Jahr 2022 hinaus zu schaffen. Das Unternehmen unterstütze die Bemühungen der Bundesregierung um eine sichere Energieversorgung nach Kräften.

"Die EnBW wird dann für das Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 umgehend den – vor allem technischen und organisatorischen – Umfang der Machbarkeit einer Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft über das Jahresende hinaus prüfen.", heißt es in einer Mitteilung.

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