Russin aus Eppingen (Foto: SWR)

Russischstämmige Eppingerin hat Hoffnung

Nach Protesten in Russland: "Hoffentlich bewegt sich jetzt etwas"

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Eine Autorin aus Eppingen mit russischen Wurzeln schöpft nach den jüngsten Protesten in Russland Hoffnung. Die weitere Eskalation des Ukraine-Krieges schürt aber auch Ängste.

Nach der Teilmobilmachung durch den russischen Präsidenten Vladimir Putin kommt es in Russland vermehrt zu Protesten. Auch Katharina Martin-Virolainen, russlanddeutsche Autorin aus Eppingen (Kreis Heilbronn), bekommt den Unmut der Bevölkerung in den sozialen Medien mit. Sie hat selbst Kontakte nach Russland, dort auch noch Familie und sagt: "Bald knallt es in Russland".

"Seit gestern habe ich auf einmal wieder so eine Bewegung wahrgenommen. Auch bei meinen Bekannten, Freunden, Kollegen, die in sozialen Netzwerken plötzlich Posts gemacht haben."

In den letzten Monaten sei es bei ihren Bekannten in Russland eher ruhig und zurückhaltend zugegangen, schildert Martin-Virolainen ihren Eindruck im Gespräch mit dem SWR Studio Heilbronn. Der Grund: Angst - den Job zu verlieren oder Probleme zu bekommen.

Die Beobachtungen, die Martin-Virolainen in den sozialen Medien macht, spiegeln sich teilweise auch im osteuropäisch geprägten Stadtteil Haidach in Pforzheim wider, wenn auch nicht überall.

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Proteste verursachen gemischte Gefühle

Die Proteste in Russland, die Putins Verkündung der Teilmobilmachung nach sich zog, gäben ihr Hoffnung, so Martin-Virolainen. Sie freue sich, dass sich endlich etwas bewege. "Ich habe sowas wie ein Erwachen gespürt", schildert die 36-Jährige. Auf der anderen Seite empfinde sie aber auch Sorge und Entsetzen, wie brutal die Polizei teilweise vorgehe.

"Ich hoffe sehr, dass die Menschen in Russland jetzt erkennen, was gerade geschieht und dass sie so langsam aufwachen."

Leider gebe es aber immer noch Menschen in Russland, die denken würden, "dann zieht mein Kind eben in den Krieg", erzählt die Eppingerin. Genauso sehe sie aber auch viele Postings im Netz, in denen Mütter um ihre im Krieg gefallenen Söhne trauerten.

Vor der Teilmobilmachung hatte sich auch die russische Sängerin Alla Borissowna Pugatschowa im Netz kritisch über die russische Regierung geäußert. Martin-Virolainen sagt, das habe niemand erwartet. Die deutliche Positionierung der Sängerin, deren Berühmtheit in Russland die Autorin mit der der kürzlich verstorbenen Königin Elizabeth II. vergleicht, habe die Diskussion noch einmal stark befeuert.

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