Ein Prostituierte auf der Suche nach Freiern. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Boris Roessler)

Diskussion um Verbot der Straßenprostitution

Beratungsstelle für Prostituierte: Weniger Schutz durch Straßenstrich-Verbot

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In Heilbronn haben die verstärkten Polizeikontrollen im Milieu rund um den Straßenstrich begonnen. Ein mögliches Verbot sieht die Fachberatungstelle für Prostituierte aber kritisch.

Die Polizei hat seit Ende August am Straßenstrich in der Heilbronner Hafenstraße mehrere Personen und Autos kontrolliert, sagte Sprecherin Annika Grundbrecher dem SWR. Dabei seien auch Verstöße festgestellt worden - zu Einzelheiten will sich die Polizei derzeit nicht äußern. Stadt und Polizei hatten ein härteres Vorgehen angekündigt, nachdem es am Straßenstrich vermehrt zu Straftaten kam.

Einem möglichen Verbot der Straßenprostitution, wie die Stadt es prüft, steht die Leiterin der Heilbronner Mitternachtsmission, zu der auch die Fachberatungsstelle für Prostituierte gehört, allerdings skeptisch gegenüber:

"Das Verschieben von Prostitution in die Illegalität hat aus meiner Sicht noch nirgendwo was gebracht."

Ein Beispiel sei die Corona-Zeit, in der Prostitution zwar verboten war aber dennoch stattgefunden habe - jedoch eher im Dunkelfeld, in der Illegalität, was natürlich für die Frauen auch eine gewisse Gefährdung nach sich gezogen habe.

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Gefahren auf dem Straßenstrich höher

Dass Polizei und Ordnungsamt nun verstärkt den Straßenstrich kontrollieren wollen, begrüßt Gutmann, wenn es dem Schutz der Frauen dient. Was genau passiere, wenn die Straßenprostitution in Heilbronn ganz verboten werde, könne aber niemand genau sagen. Die Gefahren für die Frauen seien auf dem Straßenstrich höher, als beispielsweise im Bordell.

"Sicherlich birgt (...) ein Bereich, der weniger überwacht und weniger kontrolliert ist, eine höhere Gefährdung, dass es zu Zwang und zu Gewalt kommt."

Insgesamt betrachtet sei das Risiko für Frauen, die bildungsärmer und/oder in der Armutsprostitution tätig sind, größer, Opfer von Menschenhandel zu werden, als eine Frau, die sich sehr selbstbestimmt und vielleicht für Luxusartikel prostituiere, so Gutmann.

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