Angeklagter Raser wird in den Gerichtssaal geführt (Foto: SWR)

Erste Plädoyers vor Heilbronner Landgericht

Mutmaßlicher Raserunfall in Wollhausstraße: Haftstrafe wegen Mordes gefordert

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Alexander Dambach

Vor dem Heilbronner Landgericht haben am Dienstag die ersten Plädoyers begonnen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe wegen Mordes nach Jugendstrafrecht.

Der sogenannte Raserprozess in Heilbronn geht auf die Zielgerade. Nachdem zunächst noch ein Gutachter gehört wurde, ist die Beweisaufnahme sieben Monate nach Start des Verfahrens jetzt abgeschlossen worden. Zunächst plädierte die Staatsanwaltschaft und überraschte mit ihrem Antrag, den jungen Angeklagten zu neun Jahren Haft wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen zu verurteilen. Angeklagt waren zunächst Totschlag und versuchter Totschlag in drei Fällen. Auch eine erste Vertreterin der Nebenklage plädierte am Mittwochnachmittag. Sie forderte eine lebenslange Haftstrafe nach Erwachsenenstrafrecht und einen lebenslangen Führerscheinentzug.

Staatsanwaltschaft: Mit über 100 durch Tempo-40-Zone gerast

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der 21-jährige Angeklagte in einer Tempo-40-Zone mit rund 100 Stundenkilometern in das Auto eines 42-jährigen Familienvaters gerast ist. Der Mann starb, seine Frau wurde schwer, die beiden Kinder leicht verletzt. Kurz zuvor hat der 21-Jährige aus Sicht der Anklage fast eine Frau auf einem Zebrastreifen angefahren, die gerade noch ausweichen konnte. Da der 21-Jährige nach diesem Vorfall erneut stark beschleunigte, geht die Staatsanwaltschaft von einem bedingten Tötungsvorsatz aus. Der Fahrer habe den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen. Die Wollhausstraße in Heilbronn mit parkenden Autos, Querstraßen und Tiefgaragenausfahrten habe der Autofahrer gekannt, so die Staatsanwältin.

Außerdem sei der Mann wegen seiner riskanten Fahrweise der Polizei bereits bekannt gewesen und habe auch schon Unfälle verursacht. Das Unfallopfer habe sein Leben sinnlos und grundlos verloren und sei aus einer glücklichen Familie herausgerissen worden. Neun Jahre Haft nach Jugendstrafrecht seien angemessen.

Nebenklage-Anwältin fordert Urteil nach Erwachsenenstrafrecht

Eine erste Anwältin der Nebenklage forderte eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes nach Erwachsenenstrafrecht. Außerdem einen lebenslangen Entzug des Führerscheins. Der 21-Jährige habe das Ziel gehabt, mit seinem über 300 PS-starken Auto eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Es sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. In der Familie des 21-Jährigen sei schnelles Fahren mit hochmotorisierten Fahrzeugen normal, um den sozialen Status aufzuwerten, so die Anwältin.

Eindrücklich schilderte die Nebenklagevertreterin auch die Folgen des Unfalls für die Familie. Jeden Tag gehe die Ehefrau noch zur Unfallstelle, weil sie den Ort nicht loslassen könne. Der Tod des Familienvaters sei für alle unfassbar schwer zu ertragen. Die Mutter und die beiden kleinen Kinder seien nach wie vor in psychologischer Behandlung. Es gebe aber auch körperliche Verletzungen, die weiter behandelt werden müssten.

Urteil im April

Die Verteidiger des 21 Jahre alten Mannes, der in Untersuchungshaft sitzt, und drei weitere Anwälte der Nebenklage werden am 10. April ihre Plädoyers halten. Das Urteil soll voraussichtlich am 16. April fallen.

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