Der angeklagte Masseur im Landgericht Heilbronn: Er soll Frauen sexuell belästigt haben. (Foto: SWR, Jan Arnecke)

62-Jähriger vor Heilbronner Landgericht

Prozess um Vergewaltigung: Masseur gesteht mehrere Taten

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In Heilbronn ist am Montag der Prozess gegen einen Masseur aus Bad Friedrichshall gestartet. Der Mann will mehrere Taten um sexuellen Missbrauch gestehen.

Der 62-jährige selbstständige Masseur aus Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) soll zwischen 2018 und 2022 im Raum Heilbronn insgesamt 13 Sexualdelikte begangen haben. In sieben Fällen gehe es vor dem Landgericht Heilbronn um Vergewaltigung mit Handverkehr, so die Staatsanwaltschaft Heilbronn. Jetzt verkündete sein Anwalt vor Gericht: Nach einer Verständigung zwischen Anklage und Staatsanwaltschaft gestand der Masseur elf der 13 Taten. Zwei Vorwürfe werden fallen gelassen. Auch die Staatsanwaltschaft gab zu Protokoll, mit dieser Verständigung einverstanden zu sein. Das Strafmaß wäre dann in einem Rahmen zwischen fünf Jahren und neun Monaten und sechs Jahren und drei Monaten. Ein Urteil wird am Montag allerdings noch nicht erwartet.

In der Anklageschrift: Sexuelle Belästigung einer Minderjährigen

Der Gerichtsprozess am Heilbronner Landgericht begann am Montag mit der Verlesung der Anklage - gut eine halbe Stunde dauerte die Schilderung der Tatvorwürfe. Weiter sollen im Prozess die Verlesung von Aussagen der Geschädigten und Zeugenvernehmungen folgen.

Die Übergriffe auf die Kundinnen des beschuldigten Masseurs sollen während der Behandlung durch den 62-Jährigen in dessen Massagepraxen geschehen sein. Zudem liegt allen Fällen zugrunde, dass der Masseur die Überraschung und den Schock der Geschädigten ausgenutzt haben soll.

Laut Anklage geht es auch um die sexuelle Belästigung einer Minderjährigen vor mehr als zehn Jahren. Das damals 12-jährige Mädchen soll der Angeklagte an die Brust gefasst und diese dann hochgehoben haben. Das Verhalten sei grenzwertig gewesen, wurde vom Gericht allerdings als unbedeutend eingestuft. Die Verfahren zu diesen beiden Taten würden der Verständigung zufolge eingestellt.

Angeklagter bittet vor Gericht um Entschuldigung

Der Angeklagte selbst äußerte sich lediglich zu Beginn des Prozesses zu den Fragen zu seiner Person. Die übrige Zeit schwieg er, den Kopf gesenkt, den Blick auf den Tisch und die Akten vor ihm. Durch seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass er einsehe, Unrecht getan zu haben. Er wolle sich bei den Geschädigten sowie seiner Familie, allen voran bei seiner Frau, entschuldigen.

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Seit Juli in Untersuchungshaft

Der 62-Jährige sitzt seit Juli 2022 in Untersuchungshaft. Zuvor hatten bereits mehrere Frauen der Polizei verschiedene Übergriffe geschildert. Ein Fall hatte sich allerdings deutlich abgehoben: Das Opfer sei eine 20-jährige Frau, wie die Staatsanwaltschaft damals mitteilte. Die Untersuchungshaft für den Masseur sei darin begründet, dass Wiederholungsgefahr bestehe, hieß es. Denn der Tatverdächtige soll in der Vergangenheit bereits wegen eines ähnlichen Vorwurfs verurteilt worden sein.

Hohe Hürden für Berufsverbot

Die Hürden für ein solches Berufsverbot lägen deshalb so hoch, weil das Grundgesetz einen Schutz der Berufsfreiheit vorsieht und die Täter mit dem Beruf möglicherweise auch ihre wirtschaftliche Existenz verlieren.

"Eine Gesamtwürdigung muss ergeben, dass auch zukünftig eine große Gefahr für weitere Straftaten - ähnliche Straftaten - besteht. Und das ist zum Beispiel bei einem geständigen Täter in aller Regel nicht der Fall, weil er Besserung gelobt."

Außerdem sei die verurteilte Tat nicht im Zusammenhang mit seinem ausgeübten Beruf geschehen. Auch das eine weitere Hürde für ein Berufsverbot.

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