Einer der beiden Angeklagten im Loverboy Prozess wird am Heilbronner Landgericht in den Verhandlungssaal geführt (Foto: SWR)

Männer sollen verschuldete Frauen zur Prostitution gezwungen haben

"Loverboy"-Prozess vor Heilbronner Landgericht: Angeklagte schweigen

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Im Prozess wegen Menschenhandels und Zuhälterei vor dem Heilbronner Landgericht haben sich die Angeklagten auch am zweiten Prozesstag weder zur Sache noch zur Person geäußert.

Die 3. Große Strafkammer vernahm mehrere Stunden lang eine 24 Jahre alte Frau aus Heilbronn, die durch einen der Angeklagten erstmals zur Prostitution kam. Sie schilderte den Mann, mit dem sie einige Zeit liiert war, als sehr aufbrausend.

Viele Erinnerungslücken bei Zeugin

Ihre Einnahmen aus den Liebesdiensten habe sie vollständig an ihn abgegeben, der Mann habe sich davon einen Mercedes gekauft. An viele Details konnte sich die 24-jährige nicht mehr erinnern, sie brach mehrfach in Tränen aus. Der Prozess musste unterbrochen werden.

Der vorsitzende Richter wollte von der Frau wissen, weshalb sie ihre gesamten Einnahmen an den Angeklagten abgegeben habe. Die 24-jährige meinte dazu nur, sie habe das damals so entschieden. Das Geld habe der Mann in einer Dose aufbewahrt. Als er am schlafen gewesen sei, habe sie dort ohne Erlaubnis ab und an Geld herausgenommen.

Beziehung mit anderem Angeklagten

Die Frau gab vor Gericht an, inzwischen mit dem anderen Angeklagten eine Beziehung zu führen. Sie würden sich momentan Briefe schreiben. Beide Angeklagten waren Ende Juni festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Heilbronnerin arbeitet weiter als Prostituierte

Die 24-Jährige arbeitet nach wie vor als Prostituierte, inzwischen in einem Saunaclub in der Schweiz. Eine Ausbildung im Pflegebereich hat sie abgebrochen. Der zweite Angeklagte, mit dem sie mittlerweile zusammen sei, habe ihr geholfen, ihre Schulden abzubauen. Sie habe Handyrechnungen nicht bezahlt und viel online eingekauft. In Summe habe sie so mehrere tausend Euro Schulden angehäuft.

Staatsanwaltschaft geht von "Loverboy"-Methode aus

Laut Anklage haben die Männer ihre Opfer mit der sogenannten "Loverboy"-Methode geködert. Das Duo soll dabei eine ernsthafte Liebesbeziehung nur vorgetäuscht haben, um die Opfer emotional an sich zu binden. In Folge sollen sie die vier Frauen im Alter zwischen 19 und 49 Jahren zur Prostitution gezwungen haben.

Opfer teils hoch verschuldet

Die Opfer seien durch die teils hohe Verschuldung anfällig für die Überredungskünste der Angeklagten gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Die erzielten Einnahmen sollen die Angeklagten den Frauen teils unter Androhung von Gewalt abgenommen und für sich verwendet haben.

Die beiden angeklagten Männer sollen diverse Straftaten im Rotlichtmilieu im Großraum Heilbronn begangen haben. Einer der Männer soll Mitglied des Motorrad- und Rockerclubs "Hells Angels" sein.

Minderjährige soll auch im Fokus gewesen sein

Die Staatsanwaltschaft geht zudem davon aus, dass einer der Männer vergeblich versucht haben soll, eine Minderjährige für seine Machenschaften zu gewinnen.

Für den Prozess vor dem Heilbronner Landgericht sind Verhandlungstage bis Ende März geplant. Zwei der mutmaßlichen Opfer treten in der Verhandlung als Nebenklägerinnen auf. Es sollen insgesamt 18 Zeuginnen und Zeugen gehört werden.

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