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Der "Faust" nach Johann Wolfgang von Goethe ist über 200 Jahre alt. Der Dichter arbeitet Jahrzehnte daran. Der Stoff ist in einer Neuinszenierung am Heilbronner Theater zu sehen.

Goethes "Faust - der Tragödie erster Teil" ist ein Stück über Forscherdrang und Teufelspakt, Lüsternheit und Liebespein, die Macht des Bösen und den Widerspruch zwischen Geist und Leben. Man könnte diese Reihe der Faust-Themen noch fortsetzen, denn dieses Weltgedicht hat auch den deutschen Dichter rund 60 Jahre seines Lebens beschäftigt. Am Ende soll er gesagt haben: "Der Faust war ein heiliger Spaß, er verweist auf die Kraft des Fragmentarischen."

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Buntes Spektakel mit finsterem Gedankenstoff

Seit über 200 Jahren steht dieser Dr. Faustus ungezählte Male auf den Bühnen der Welt. Seit dem Wochenende hat auch das Theater Heilbronn eine neue Faust-Inszenierung. Regie führt Malte Kreutzfeldt. Die Heilbronner Faust-Inszenierung ist ein buntes Spektakel mit durchaus finsterem Gedankenstoff.

Pakt mit dem Teufel

Das Vorspiel beginnt schon im Foyer, Theaterdonner beim Prolog im Himmel. Dann wandern die Zuschauer ins Parkett und auf der Bühne eröffnet sich eine eindrucksvolle Welt. Faust im Studierzimmer, von der Bürde des Denkens und Lebens geplagt. Ein depressiver Intellektueller der dem Tod von eigener Hand entkommt, indem er einen Pakt mit dem Teufel, Mephisto, eingeht.

Die Dinge nehmen ihren Lauf, mit Liebestrank und Hexenzauber, dabei tun sich auf der Bühne unterirdische Zwischenwelten auf, Lichtregie und Bühnenbild geben alles. Auf ein paar Albernheiten wie Plastikherzchen oder den Storch im Kinderwagen hätte man verzichten können.

Oliver Firit und Stefan Eichberg mit Ensemble und Statisterie. Pressefoto zu "Faust. Der Tragödie erster Teil" (Foto: Pressestelle, Theater Heilbronn, Candy Welz)
Pressestelle Theater Heilbronn, Candy Welz

Die Gretchenfrage stellt sich

Und dann ist da schließlich noch, die Gretchenfrage: Es endet tragisch. Die Mutter vergiftet, vom Bruder als Hure beschimpft, das Kind ertränkt. Gretchen landet im Kerker, dem Tod geweiht und Faust kann sie nicht retten.

Der Regieeinfall, zum Schluss Goethes Prometheus ins Spiel zu bringen, als Alter Ego des Faust, überzeugt ebenfalls und belegt: Dieses Stück ist ein Fragment, eine Spielwiese für viele Einfälle. Das Heilbronner Theater hat dies trefflich genutzt und eine unterhaltsame spannende Inszenierung auf die Bühne gebracht.

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