VW Bus von der Deutschen Post (Foto: SWR)

Überforderte Post

Wenn die Post in Hohenlohe zwei Wochen zu spät kommt

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In Neuenstein haben manche Briefe derzeit bis zu zwei Wochen Verspätung. Die Folgen können auch im digitalen Zeitalter gravierend sein, wie die Geschichten von mehreren Betroffenen zeigen.

Tilman Frohmaier betreibt in Neuenstein (Hohenlohekreis) eine Fluggesellschaft für spezielle Helikopter. Die sollen in Österreich weiterhin helfen, Lawinen zu sprengen, doch eine wichtige Genehmigung für das kommende Jahr lässt auf sich warten. Erst mit ihr kann er weitere Genehmigungen beantragen. Er gerät in Verzug. Dadurch bestehe tatsächlich eine Gefahr für die Menschen in einzelnen Tälern, sagt er.

Ulrike Langer ist Verfahrensbeistand und kämpft für Kinder vor Gericht. Sie bekam die Post so spät, dass sie von Gerichtsterminen zu spät erfuhr. Sie könne Fristen, die ihr das Gericht setzt, nicht einhalten, klagt sie. "Ich sitze öfter vor Gericht und bekomme Anwaltschriftsätze nicht, bin dann schlecht vorbereitet und soll aber die Kinder vertreten."

Stadtverwaltung versucht sich selbst zu helfen

Der Handwerker Dieter Gebert sagt, trotz E-Mails sei die Geschäftspost für Unternehmer nach wie vor das Maß aller Dinge. Als Beispiel nennt er Rechnungen mit der Möglichkeit, Skonto abzuziehen. Dies könne er dann nicht mehr, weil die Frist schon abgelaufen sei, wenn er die Rechnung im Briefkasten habe.

Die Verwaltung der Stadt Neuenstein hilft sich mittlerweile selbst. Bürgermeister Karl Michael Nicklas lässt manche Post von Boten holen oder bringen. Zum Beispiel wenn es um wichtige Unterlagen mit Fristen und Veröffentlichungspflichten - wie bei Bebauungsplänen oder Satzungsbeschlüssen - geht. Der Bürgermeister hat sich an die Bundesnetzagentur gewendet. Doch der Versuch endete in einer Warteschleife, an deren Ende die Verbindung getrennt wurde, so Nicklas.

Unternehmer spricht von: chaotischen Zuständen im Verteilerzentrum

Unternehmer wie Siegfried Böhnisch beschwerten sich direkt im beim Chef im Verteilerzentrum Öhringen. "Chaotisch, alles voll mit Päckchen, Briefen und Fahrzeugen", sagt Böhnisch. Der Postvertreter habe ihm gesagt, er hab zu wenige Leute, zu viele seien krank. Bönisch will das als Argument nicht gelten lassen. Jedes Unternehmen habe schließlich manchmal mit Spitzen und mit hoher Auslastung zu kämpfen, sagt er.

Post: Innendienst-Mitarbeiter helfen nun beim Zustellen

Postsprecher Marc Mombauer erklärt gegenüber dem SWR, dass in der Region Heilbronn und Hohenlohe derzeit vieles zusammenkomme: Corona, die Weihnachtspost und ein hoher Krankenstand.

"In der Region Hohenlohe ist es derzeit so, dass die Kolleginnen und Kollegen von Mitarbeitern aus umliegenden Stützpunkten unterstützt werden."

Darüber hinaus seien 20 Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die eigentlich sonst im Innendienst tätig seien jetzt aber beim Sortieren mithelfen und vor allem Post zustellen.

Ob und wann es wieder eine Normalisierung gibt, kann die Post derzeit nicht sagen.  Für die Menschen in Neuenstein, Öhringen, Pfedelbach, Neckarsulm und Heilbronn bleibt es also weiterhin Glückssache, ob sie ihre Post pünktlich bekommen oder nicht.  

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SWR