Tierheim Heilbronn (Außenansicht) (Foto: SWR)

Viele Haustiere haben ein neues Zuhause gefunden

Tierheim Heilbronn: Hunde und Katzen während Corona gefragt wie nie

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Im Tierheim Heilbronn ist es aufgrund der Corona-Pandemie momentan relativ ruhig. Dennoch haben die Mitarbeiter einiges zu erzählen.

Es ist ruhig am Tierheim Heilbronn. Von außen wirkt es um diese Zeit auf den ersten Blick wie ausgestorben. Aber es ist auch gerade Mittagszeit. Aus einem Geländewagen steigt eine junge Frau mit langen blonden Haaren, sie richtet sich nochmal die Maske - es erfolgt eine Begrüßung auf Abstand. Die junge Frau ist Anja Fischer, ein Mitglied des ehrenamtlichen Vorstands des Tierschutzvereins Heilbronn und Umgebung, der das Tierheim auf den Böllinger Höfen betreibt. Sie bittet mich, ihr zu folgen. Durch den Haupteingang kommen wir in einen großen Raum. Hier machen die Mitarbeiter mit viel Abstand gerade Mittagspause.

Zwei Kaninchen im Tierheim Heilbronn (Foto: SWR)
"Cookie" & "Hanni" - zwei gut frisierte Kaninchen Bild in Detailansicht öffnen
Das Katzenhaus im Tierheim Heilbronn. Vor jedem Zimmer stehen Transportboxen für die "Bewohner" bereit. Bild in Detailansicht öffnen
"Zinnober" ist eine von vielen scheuen Katzen im Tierheim Heilbronn und zeigt sich nur mit viel Geduld. Bild in Detailansicht öffnen
"Bubi" - der sieben Jahre alte Leonberger-Schäferhund-Mix kam 2016 aus schlechter Haltung in Ungarn ins Tierheim Heilbronn Bild in Detailansicht öffnen
"Jack" - ein unbekannter Hund. Er wurde vom Herrchen einfach vorm Tierheim angebunden. Daher kennen die Mitarbeiter weder Alter noch Namen des Hundes. Bild in Detailansicht öffnen
Aktuell wird gebaut: Beim Katzenhaus werden die Außengehege erweitert. Bild in Detailansicht öffnen
Zwei der 75 beschlagnahmten Tauben in der Innenvoliere im Kleintierhaus. Diese Exemplare zählen zu den sogenannten "Lachtauben". Bild in Detailansicht öffnen
Ein Spender, der anonym bleiben wollte, hat dem Tierheim Futter gebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Im Eingangsbereich steht Desinfektionsmittel bereit. Bild in Detailansicht öffnen
Tierheim Heilbronn Bild in Detailansicht öffnen

Den Katzen tut die Pandemie gut

Der erste Halt ist die Katzen-Quarantänestation - was nichts mit Corona zu tun hat. Hier ist auch eine Tierarztpraxis mit Behandlungsräumen eingerichtet. Zweimal wöchentlich kommt eine Tierärztin vorbei. Die Katzen, die abgegeben oder gefunden werden, werden hier erst einmal durchgecheckt, gechipt, kastriert und wenn nötig behandelt. Danach dürfen sie ins Katzenhaus zu ihren Artgenossen. Die Quarantänestation besteht aus mehreren Räumen, in denen die Katzen erst einmal allein untergebracht sind. Im Katzenhaus selbst gibt es "Katzenzimmer" mit mehreren "Bewohnern". Vor den Türen sind jeweils Transportboxen bereitgestellt. Davon gibt es hier einige, denn wo viele Katzen sind, müssen auch immer mal wieder Katzen zum Tierarzt oder, im Notfall, in eine Klinik gebracht werden.


Anja Fischer erzählt, den Mäusefängern tut der Lockdown gut.

"Viele unserer scheuen Katzen, die sich nicht gezeigt haben wenn viele Besucher da waren, haben sich - wenn dann nur ein, zwei Besucher da waren, die sich für Katzen interessieren - auch mal aus ihrem Körbchen getraut. So konnten wir auch einige scheuere Katzen vermitteln. Das freut uns."

Dadurch, dass auch mehr Zeit war, die Bewerber kennen zu lernen, kam die Situation auch den Mitarbeitern zugute. So konnte das zukünftige Zuhause der jeweiligen Kätzchen gut überprüft werden. Am wichtigsten ist Anja Fischer, dass die Leute auch einen Plan für die Zeit nach Corona haben, dann wenn sie gegebenenfalls nicht mehr so viel zuhause sind, wie aktuell.

Viele Hunde konnten vermittelt werden

Auch "der beste Freund des Menschen", der Hund, ist im Tierheim vertreten. Anja Fischer warnt vor dem Besuch: "Wenn Fremde dabei sind, wird das ziemlich laut. Würde ich da jetzt allein durchlaufen, dann wäre Ruhe." Fischer behält Recht, der Lärmpegel steigt. Das Bellen steigert sich von Sekunde zu Sekunde, die Hunde springen in ihrem Abteil umher. "Die sind aber nicht prinzipiell böse oder aggressiv", erklärt das ehrenamtliche Vorstandsmitglied und hat auch bezüglich der Hunde Nachrichten. "Wir haben aktuell so wenige Hunde da wie sonst kaum. Alle unsere einfacheren [Hunde] konnten wir vermitteln. Da gab es mehr Interessenten als wir Tiere hatten, wir konnten quasi frei wählen. Das heißt, wir haben jetzt nur noch, ich sage mal in Anführungszeichen und liebevoll gemeint, 'Härtefälle' da."

"Bubi" - ein Leonberger-Schäferhund Mix (Foto: SWR)
"Bubi" - der sieben Jahre alte Leonberger-Schäferhund-Mix kam 2016 aus schlechter Haltung in Ungarn ins Tierheim Heilbronn

Einer dieser "Härtefälle" ist Bubi, ein Leonberger-Schäferhund-Mix. Er ist einer der wenigen Hunde, die nicht bellen. "Unser Bubi ist ein ganz lieber", versichert Anja Fischer. Bubi hat ein anderes Problem: Er ist groß, sehr groß, entsprechend schwer und absolut energiegeladen. Ihm muss man Auslauf bieten können und vor allem auch die Kraft haben, mit ihm umzugehen. Das betont Anja Fischer.

"Einigen fehlt einfach überhaupt erstmal ein Wesenstest. Wir haben auch Hunde hier, die erstmal als Kampfhunde gelten. Aber bei vielen fehlt einfach der richtige Halter."

Manche der "Härtefälle", erzählt sie weiter, wären in Messiewohnungen gefunden worden oder seien irgendwo angebunden oder ausgesetzt worden. Von einem Hund kennen sie nicht einmal den richtigen Namen. Er heißt nun "Jack".

"Dem Besitzer hat die Anmeldung zu lange gedauert. Da war noch jemand vor ihm, er sollte kurz warten, ging raus und hat den Hund einfach auf dem Parkplatz am Baum angebunden."

Aschenputtel im Tierheim - oder: 75 Tauben für das Tierheim Heilbronn

Neben den wohl beliebtesten Haustieren, Hunden und Katzen, beherbergt das Tierheim Heilbronn noch viele andere, vor allem Kleintiere. Das Kleintierhaus ist ähnlich aufgebaut wie das Katzenhaus. Hinter den verglasten Türen wird gehoppelt und gefuttert, nebendran planscht es und wieder eine Tür weiter hört man es "gurren". Hier leben Kaninchen neben Vögeln, Wasser- und Landschildkröten neben weiteren Nagetieren.

Immer wieder kommt es dann auch vor, dass auf einen Schlag von einer Tierart viele im Tierheim landen. Und das muss nicht einmal daran liegen, dass der Halter die Tiere nicht mehr will. In manchen Fällen kommt es auch zu Beschlagnahmungen von Tieren, wie zum Beispiel im Fall von 75 Tauben, die nun im Tierheim Heilbronn untergekommen sind. Zehn davon leben aktuell mit im Kleintierhaus. Sie stehen unter Beobachtung, entweder weil sie besonders schwach waren, krank sind oder eine Krankheit vermutet wird. Die restlichen 65 tummeln sich in einer Außenvoliere - Markusplatz-Feeling in Heilbronn.

Trotz Corona-Pandemie geht es voran

Viele Tiere, vor allem Hunde und Katzen, konnten während der Corona-Pandemie schon in ein neues Zuhause vermittelt werden. Aber auch was die finanzielle Lage angeht, hatte das Tierheim Glück im Unglück. "Wir haben viele Spenden bekommen, was uns natürlich immer sehr freut. Wir haben aber letztes Jahr auch etwas geerbt und das hat das Corona-Loch auf jeden Fall gut gestopft", berichtet Anja Fischer. Und auch dabei helfen Spenden: Auf dem Gelände zeigt Fischer eine Baustelle: "Wir erweitern gerade die Außengehege unseres Katzenhauses für rund 100.000 Euro. Das war jetzt mal nötig."

Baustelle im Tierheim Heilbronn (Foto: SWR)
Aktuell wird gebaut: Beim Katzenhaus werden die Außengehege erweitert.

Jede Hilfe gerne willkommen

Trotz der aktuell guten Situation wird auch in Zukunft einiges an Futter und Material benötigt. Für Interessierte gebe es da einmal die Möglichkeiten einer Tierpatenschaft oder einer aktiven oder passiven Mitgliedschaft im Tierschutzverein, so Fischer. Zum Anderen freue man sich aber auch immer über Sachspenden wie Futter oder abwaschbare Plastik-Hundekörbchen.

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