Die Eppinger (Kreis Heilbronn) Autorin Katharina Martin-Virolainen (Foto: SWR)

Wurzeln in Russland und der Ukraine, Heimat in Deutschland

Wie eine Eppingerin mit russischen Wurzeln den Krieg erlebt

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AUTOR/IN
Jan Arnecke

In Russland geboren, die Oma Ukrainerin, in Deutschland eine Heimat gefunden. Für Katharina Martin-Virolainen ist der Ukraine-Krieg eine persönliche Katastrophe.

Die Eppinger (Kreis Heilbronn) Autorin Katharina Martin-Virolainen wurde in Russland geboren und kam 1997 als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Beruflich beschäftigt sie sich vor allem mit der Geschichte der Deutschen aus Russland, schreibt Bücher und Theaterstücke dazu. Sie selbst bezeichnet sich als Kulturschaffende. Martin-Virolainens Großmutter stammt aus der Ukraine. Der Ukraine-Krieg sei daher für sie selbst eine persönliche Katastrophe, sagt die Eppingerin. An Schreiben sei im Moment nicht zu denken.

Wurzeln in Russland und der Ukraine

Zwar lebt die 36-Jährige seit 1997 in Deutschland und sehe sich selbst auch als Deutsche, nicht als Russin, wie sie sagt. Dennoch bleibe natürlich eine Verbindung in die "Heimat ihrer Kindheit", wie sie Russland nennt. Verwandte, Bekannte, Freunde leben noch dort.

Gleichzeitig hat Martin-Virolainen auch enge Verbindungen ins jetzige Kriegsgebiet. Ihre Oma stammt aus einem Gebiet in der heutigen Ukraine, mit dem sich die Eppingerin auch im Zuge ihrer Arbeit als Autorin befasst hat. Ebenso die Region am Schwarzen Meer um Odessa, wo jetzt Krieg herrscht, habe sie in den vergangenen Jahren oft besucht.

"Da knüpft man ja Kontakte, Verbindungen, freundet sich mit Menschen an. Ich habe immer gesagt, die Ukraine ist für mich wie so eine kleine Heimat."

Den russischen Angriff kann sie nicht verstehen, verurteilt Putins Handeln aufs Schärfste. Sie sagt, "da bricht natürlich eine Welt für dich zusammen, wenn dein Heimatland Krieg anfängt, ausgerechnet mit der Ukraine, einem Land, was du auch über alles liebst."

Gefühl als "Teil des Bösen"

Seit Beginn des Krieges beschäftigt Martin-Virolainen sich mit dem Thema, hilft Bekannten, Freunden, Kollegen aus der Ukraine, die nach Deutschland flüchten. Sie versucht aufzuklären, die komplexen Verbindungen zwischen Russland und der Ukraine zu erklären. "Da gibt es kein schwarz und weiß", weiß die zweifache Mutter. "Gott sei Dank", sagt sie, habe sie bisher keine negativen Erfahrungen machen müssen oder sei angefeindet worden. Im Gegenteil seien die Menschen verständnisvoll und hilfsbereit.

Auch Hilfstransporte in die Ukraine hat sie mitorganisiert, setzt sich mit Theaterstücken und ihren Verbindungen zu Deutschen mit russischen Wurzeln für Verständnis und Aufklärung ein. Doch egal, was sie mache, so Martin-Virolainen, "dieses Gefühl, dass du Teil dieses Bösen bist, das verlässt dich nie." Dabei stehe sie nicht hinter Putin, habe ihn nicht gewählt, ihre Eltern seien vor seiner Amtszeit ausgewandert.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

An Schreiben sei momentan nicht zu denken, sie habe eine Blockade, erzählt Martin-Virolainen. Dennoch setzt sie sich weiter für Frieden zwischen Russland und der Ukraine ein, verfolgt aktuell täglich, was in den sozialen Medien passiert. Immerhin, nach der Bekanntgabe der Teilmobilmachung in Russland hat es dort massive Proteste gegeben und "endlich", so die Autorin, zeigten auch die Menschen in Russland wieder Mut, in die Öffentlichkeit zu treten.

Einerseits beängstige sie das, denn "das ist sehr gefährlich für die Menschen dort", weiß sie. Andererseits gibt es ihr aber auch Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch etwas bewegt. Dennoch ist Martin-Virolainen sicher: "Da ist so viel passiert und das werden wir nicht in einem, nicht in fünf, nicht in fünfzig Jahren geradebiegen können."

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