Pflegeheim Neckarterrassen in Heilbronn (Foto: SWR)

Auf Bewohner kommen höhere Kosten zu

Gasumlage macht auch vor Pflegeheimen nicht Halt

STAND

Wegen der Gasumlage müssen Verbraucher ab Oktober tiefer in die Tasche greifen. Auch Pflegeheime sind von den Preissteigerungen betroffen.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Inflation reißen immer tiefere Löcher in die Geldbeutel der Menschen: Sprit, Lebensmittel, Strom - die Preissteigerungen sind deutlich. Und jetzt wurde die Höhe der Gasumlage bekannt: Nach Berechnungen des Gemeinschaftsunternehmens der Gas-Netzbetreiber, Trading Hub Europe (THA), soll eine Gasumlage von rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde einen drohenden Konkurs von Energieunternehmen verhindern. Heißt aber auch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ab Oktober noch einmal mehr bezahlen: ein Vier-Personen-Haushalt pro Jahr rund 480 Euro - ohne Mehrwertsteuer. Auch Einrichtungen in der Pflegebranche trifft die Gasumlage - nach Corona die nächste Herausforderung. Denn in der Regel wird ein verhandelter Pflegesatz zwischen Betreiber und Pflegekasse auf ein Jahr festgelegt - mit einem fixen Preis. Abweichungen seien dann Risiko des Trägers, sagt Ludwig Landzettel, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Heilbronn.

Pflegeheim-Träger muss zeitweise finanzielles Risiko tragen

Das DRK betreibt unter anderem die Residenz Neckarterrassen in Heilbronn. Dort ist Gas ausschließlicher Energieträger. Die Sorge ist groß, einerseits wegen des steigenden Preises, andererseits auch, wie stabil die Versorgungslage bliebt.

Schon im zurückliegenden Jahr hätten die Energiepreise exorbitant angezogen - und jetzt kommen noch die Gaspreise dazu. Diese Kostensteigerungen könne der Pflegeheim-Träger aber nicht direkt weitergeben. Im Spätherbst erst stünden bei den Neckarterrassen die nächsten Verhandlungen zum Pflegesatz an, sagt Landzettel. Erst dann können die gestiegenen Preise neu in die Pflegesätze einkalkuliert werden. Bis dahin aber müsse der Träger das finanzielle Risiko tragen.

Baden-Württemberg

Energiepreise steigen Gasumlage: Haushalte in BW müssen mehr bezahlen

Die Gasumlage wird die Menschen in BW belasten. Ein Vier-Personen-Haushalt muss pro Jahr rund 480 Euro mehr bezahlen - ohne Mehrwertsteuer. Wie teuer es wirklich wird, ist noch unklar.  mehr...

SWR Aktuell am Nachmittag SWR Aktuell

Pflegeheim könnte bis zu 150 Euro mehr pro Monat kosten

Nun müsse noch deutlicher als bisher Energie gespart werden, sagt Landzettel. Auch wenn das nicht einfach sei. Das werde aber bei weitem nicht die Preissteigerungen ausgleichen können, die auf die Pflegeheime zukommen, sagt der DRK-Kreisgeschäftsführer. Die Konsequenz: Auch die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen müssen wohl deutlich höhere Pflegeheim-Kosten bezahlen - wahrscheinlich bis zu 150 Euro pro Bewohner im Monat, mutmaßt Landzettel.

Heimleiterin Annemarie Stange schätzt sogar noch mehr. Sie wird in letzter Zeit häufiger von besorgten Angehörigen angesprochen. Sie fragen sich, wie sie solche Kosten in Zukunft noch tragen sollen. Die Menschen hätten ganz häufig nicht mehr "so viel auf der hohen Kante", um alles aus der eigenen Tasche zahlen zu können. Das ist keinesfalls für alle machbar. Einige werden wohl auf staatliche Hilfe zurückgreifen müssen, sagt Stange.

DRK-Residenz Neckarterrassen (Foto: SWR)
In der DRK-Residenz DRK-Residenz Neckarterrassen macht sich die Heimleitung Gedanken um Mehrkosten wegen der Gasumlage.

Von Handwerkern bis Pflegepersonal - alles wird teurer

Und ob damit das Ende der Preissteigerungen erreicht ist, bezweifelt Landzettel: "Wir leben in turbulenten Zeiten", Handwerker, Verfügbarkeit von Materialien, Wartung von medizinischen Geräten - und nicht zuletzt die Kosten des Pflegepersonals - alles werde teurer. Landzettel rechnet mit Preissteigerungen von über zehn Prozent. In Summe mit den Energiekosten könne es passieren, dass einige Bewohnerinnen und Bewohner das ohne Sozialhilfe nicht mehr stemmen könnten.

Mehr zum Thema Gasumlage

Heilbronn

Heilbronner zur Abgabe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde Gasumlage: Für einige Menschen wird es "definitiv zur Belastung"

Die Gesellschaft Trading Hub Europe hat ihre Berechnung zur Gasumlage bekannt gegeben. Verbraucher müssen ab Oktober wohl tiefer in die Tasche greifen.  mehr...

SWR4 BW aus dem Studio Heilbronn SWR4 BW aus dem Studio Heilbronn

STAND
AUTOR/IN
SWR