Schwere Zeiten für die Zeitungsverlage (Foto: SWR)

Kosten haben sich verdoppelt

Papierpreise: Unternehmen leiden unter Kostensteigerungen

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AUTOR/IN
Christoph Schöneberger

Nicht nur Energie und Lebensmittel sind teurer geworden, auch der Papierpreis ist gestiegen - um das Doppelte. Papierverarbeitende Unternehmen der Region Heilbronn-Franken leiden.

Die papierverarbeitende Industrie in Heilbronn-Franken ächzt unter den Kostensteigerungen beim Papier. In den letzten zwölf Monaten haben sich die Preise verdoppelt. Manche Unternehmen haben sogar Probleme damit, überhaupt an Papier heranzukommen.

Zeitungen stark von Kostensteigerungen betroffen

Die Heilbronner Stimme etwa bezieht das Papier aus Aalen (Ostalbkreis), die Belieferung sei sichergestellt, heißt es seitens der Zeitung. Das Lager im Pressedruck der Stimme Mediengruppe wurde trotz der derzeit hohen Preise noch einmal vollgemacht. Im Vorjahr habe die Tonne Papier noch 400 Euro gekostet, jetzt sei man bei 1.000 Euro, sagte Chefredakteur Uwe Ralf Heer dem SWR Studio Heilbronn.

Nicht nur Papier sei teurer geworden, sondern auch Strom- wie Energiepreise, der Sprit für die Auslieferung der Zeitungen und auch der Mindestlohn für die Austräger ist höher geworden. Wollte man alle Kostensteigerungen an die Abonnenten weitergeben, müsste die Zeitung laut Heer 30 Prozent mehr kosten. Die Kostenerhöhungen könne man in diesem Umfang nicht weitergeben, so der Chefredakteur. Wenn sich die Lage am Markt nicht stabilisiert, wird es aber sicherlich zu Preiserhöhungen kommen.

E-Paper fangen Verlust auf

Dafür wächst bei der Heilbronner Stimme das digitale Geschäft. Beim E-Paper-Sektor gebe es ein Wachstum von 20 Prozent. Eine digitale Zeitung muss man weder ausliefern, noch braucht es Papier dafür. Dennoch bleibt beim Chefredakteur die Sorge, wie es weitergeht.

Der Chefredakteur der Heilbronner Stimme Uwe Ralf Heer (Foto: SWR)
Der Chefredakteur der Heilbronner Stimme Uwe Ralf Heer beobachtet die Preissteigerungen mit sorgenvollem Blick.

"Es bleibt natürlich schon auch abzuwarten, wie es weitergeht, wenn die Menschen jetzt bedingt durch die Inflation und durch die höheren Stromrechnungen viel weniger Geld zur Verfügung haben, ob sich das dann auch auf die Auflager niederschlägt."

Mittelständische Druckereien mit großen Problemen

In Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) sitzt die mittelständische Firma Stieber Druck, die 1894 vom Urgroßvater des jetzigen Geschäftsführers Volker Bier gegründet wurde. Seit einem Jahr hat Bier Probleme, Papier überhaupt heranzubekommen. Der Preis hat sich in den letzten zwölf Monaten für ihn verdoppelt. Er bezieht das Papier über den Großhandel, unter anderem beim Heilbronner Unternehmen Berberich.

Pessimistischer Blick in die Zukunft

Als Ursache für die Preissteigerungen beim Papier nennt Bier unter anderem einen Streik bei einem großen finnischen Papierhersteller. Außerdem würde weltweit immer mehr Hygienepapier wie Toilettenpapier oder Kosmetiktücher benötigt und dafür werde mehr bezahlt als für grafisches Papier. Was die Energiekosten angeht, werde er im nächsten Jahr sehen, wie viel teurer der Strom wird. Generell schaut er pessimistisch in die Zukunft.

"Wir haben damit zu kämpfen, dass wir in einem schrumpfenden Markt tätig sind. Die Auflagen gehen zurück, die Aufträge gehen zurück. Auf der anderen Seite: explodierende Kosten. Das macht es nicht wirklich viel einfacher. Wir orientieren uns im Endeffekt neu und gehen mehr in Richtung Digitaldruck und Offsetdruck."

Papiergroßhandel von Energiekrise selbst kaum betroffen

Beim Heilbronner Papiergroßhändler Berberich spürt man die Preissteigerungen bei der Energie nicht so sehr. Sehr wohl aber dessen Lieferanten. Viele Papierproduzenten hätten mit enormen Preissteigerungen zu kämpfen gehabt, da viele Fabriken mit Gas ihre Wärme für die Papierproduktion erzeugen. Dementsprechend habe sich das Papier dramatisch verteuert, sagt Berberich-Geschäftsführer Karsten Knodel. Festgeschriebene Preise seien nachverhandelt worden, das habe es bislang noch nie gegeben. Sonst wären Papierfabriken aber ausgefallen. Das habe womöglich auch zu Hamsterkäufen geführt. Nach Corona habe die Nachfrage angezogen, das habe dann zu langen Lieferzeiten und Papiermangel geführt. Der Mangel würde sich gerade aber bei manchen Sorten wieder etwas entspannen.

Sorge um Zulieferer

Sollte im Gasnotfallplan die nächste Stufe folgen, müssten wohl einige Papierhersteller abstellen, so Knodel. Und selbst wenn Gas nur teurer werde, würden einige Produzenten nicht mehr produzieren können, weil die Kosten nicht mehr gedeckt werden könnten, so die Einschätzung des Geschäftsführers.

Konkurrenz um das Holz

Langfristig werde der Markt um Holz umkämpfter, vermutet Knodel. Etwa, wenn Holz im Bau wieder immer beliebter wird. Derjenige, der einen Wald hat, werde dann entscheiden, wohin er sein Holz verkaufen wird. Zwar könne die Papierindustrie von Holzabfällen leben, aber auch Brennholz könnte ein zusätzlicher Konkurrent für das Papierholz werden. Das sei aber noch nicht klar.

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