Presseandrang am Landgericht Heidelberg zum Prozessauftakt im Paketbomber-Prozess (Foto: SWR)

Heidelberger Landgericht verhandelt

Nach Explosionen bei Lidl und Wild: Prozess um Paketbomben hat begonnen

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Ein Mann aus Ulm soll mehrere Paketbomben verschickt haben - eine detonierte in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm. Seit Mittwoch steht der mutmaßliche Täter in Heidelberg vor Gericht.

Anfang des Jahres wurden drei Paketbomben an süddeutsche Lebensmittelfirmen verschickt - zwei detonierten beim Adressaten, mehrere Angestellte wurden verletzt. Am 16. Februar wurde in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein Mitarbeiter des Aromenherstellers ADM Wild durch eine Verpuffung verletzt, als er ein Paket angenommen hatte.

Noch immer leide er seit dem Vorfall an Beschwerden; er sei deshalb weiterhin arbeitsunfähig, heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts Heidelberg. Nur einen Tag später gab es eine weitere Detonation: Eine Paketbombe explodierte in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Drei Menschen wurden dabei verletzt.

Drittes Paket wurde abgefangen

Ein drittes Paket konnte in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft werden, bevor jemand verletzt wurde. Das Paket war an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert.

Angeklagtem droht Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren

Für die Bombenserie soll ein Mann aus Ulm, Jahrgang 1954, verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg wirft dem Rentner das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Ihm droht demnach eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Der Angeklagte soll die drei Sendungen am 15. Februar in einer Postannahmestelle in Ulm aufgegeben haben, so das Landgericht. Dort soll ihn eine Überwachungskamera gefilmt haben.

Rettungskräfte vor dem Gebäude (Foto: SWR)
Rettungskräfte vor der Lidl-Zentrale in Neckarsulm. Mitte Februar explodierte hier eine Paketbombe.

Paketbomben mutmaßlich selbst gebastelt

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll der Elektriker die Paketbomben selbst gebaut haben. Als Sprengstoff soll ihm eine Masse gedient haben, die er durch Abschaben von Zündholzköpfen gewonnen habe. Wieso er die Briefbomben verschickt haben könnte, ist bisher unbekannt. Bei einer Hausdurchsuchung habe man "in einem Schrank 13 Zentralfeuerkartuschen mit unterschiedlichem Kaliber sowie zwei Zentralfeuerpatronen" gefunden, so das Landgericht Heidelberg.

Zum Prozess sind 47 Zeugen und drei Sachverständige geladen.

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