Zackenschote (Foto: SWR)

Artenschutz-Maßnahmen im Main-Tauber-Kreis

Naturschützer schlagen Alarm: Zackenschötchen verdrängt heimische Arten

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Zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde und dem Kommunalen Landschaftspflegeverband haben Naturschützer im Main-Tauber-Kreis eingeschleppten Pflanzenarten den Kampf angesagt.

Im Main-Tauber-Kreis mit seinen mageren Muschelkalkböden ist das sogenannte orientalische Zackenschötchen zu einem echten Problem geworden. Naturschützer schlagen Alarm.

"Die Biodiversität leidet, Böschungen und Flächen werden ökologisch wertlos."

Mit ihren leuchtend gelben Blüten sieht sie aus wie Raps, doch das orientalische Zackenschötchen ist eine unerwünschte Pflanze, ein "invasiver Neophyt", der heimische Arten verdrängt.

Zackenschötchen vor 40 Jahren erstmals gesichtet

Alois Reinhart, der Vorsitzende des Naturschutzvereins Grünsfeld, kann sich noch gut an die ersten gelben Einwanderer erinnern. Damals, Anfang der 1980er Jahre, habe er die Pflanze zum ersten Mal bei Gerlachsheim (Main-Tauber-Kreis) entdeckt. Peu á peu sei sie immer weiter Richtung Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis) gewandert und hat sich mächtig ausgebreitet.

Zackenschote (Foto: SWR)
Die orientalische Zackenschote sieht aus der Ferne aus wie Raps

Inzwischen blüht es leuchtend gelb an Straßenrändern, an Hängen, auf Wiesen. Und dort verdrängt sie zum Beispiel den blauen Wiesensalbei, die Margerite und viele andere Pflanzen. "Irgendwann haben die keinen Platz mehr, sie werden überrannt", sagt Vereinskollege Armin Härtig.

Gemeinsam Zackenschötchen bekämpfen

Zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und dem Kommunalen Landschaftspflegeverband wollen die Naturschützer jetzt verstärkt sensibilisieren: Landwirte, Straßenmeistereien und kommunale Bauhöfe. Selbst private Grundstückseigentümer sollen jetzt mit ins Boot. Sie alle sollen mithelfen, das orientalische Zackenschötchen, das "überhaupt keinen Nutzen" habe, zu bekämpfen.

Ein schwieriges Unterfangen, allein schon wegen der langen Wurzel, die bis zu zwei Meter in den Boden reicht, und ihrer Robustheit. Erste Vorposten könne man mit dem Spaten ausstechen. Herbizide müssten punktgenau auf die Pflanze aufgebracht werden, aber in Landschaftsschutzgebieten sei das Mittel überhaupt nicht anwendbar, weiß Lorenz Flad vom Kommunalen Landschaftspflegeverband. Eine gezielte Mahd, vor allem im Frühjahr und mehrfach im Jahr, könne helfen, bevor die Zackenschote blüht.

Pflanze sorgt für Erosionsprobleme

Doch schon jetzt ist klar: Man wird den ungeliebten Gast nicht mehr ganz loswerden. Es gehe jetzt nur noch um Eindämmung. Bei Dominanzbeständen wie im Raum Grünsfeld müsse man sich auf Schwerpunkte konzentrieren, so Flad, und ansonsten "die weiße Fahne hissen."

Zackenschötchen war einst Futterpflanze

Das orientalische Zackenschötchen oder Zackenschote ist wie alle invasiven Neophyten eine große Gefahr für die biologische Vielfalt. Ganze Ökosysteme können dadurch verändert werden. Schon im 19. Jahrhundert gelangte es in unsere Breiten und wurde hierzulande eine Zeitlang als Futterpflanze angebaut, weil Triebe und junge Blätter durchaus schmackhaft sind, wie der Beiname Türkische Rauke ahnen lässt.

Einfach aufessen: ähnlich wie Brokkoli im Geschmack

Eine Hoffnung aber haben Naturschützer noch: dass die Natur selbst irgendwann das Problem löst, dann wenn ein Fressfeind auftaucht. Inzwischen gibt es aber auch Gemüsespezialisten und -spezialistinnen, die raten, das leicht bitter schmeckende Unkraut einfach aufzuessen. Sie empfehlen, die jungen, noch geschlossenen Knospen wie Brokkoli zuzubereiten. Sie würden ähnlich schmecken, nur ein klein wenig bitterer – wie alle gesunden Wildgemüse, so die Experten.

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