Rukwied und Özdemir in Weinsberg (Foto: SWR)

Hofbesuch beim Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes in Eberstadt

Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir: "Wir sind mittendrin in der Klimakatastrophe"

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AUTOR/IN
Jan Arnecke

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat mit dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes über Klimawandel, Engpässe bei Getreide und Tierhaltung gesprochen.

Auf einem Getreidefeld verschaffte sich Özdemir ein Bild von der landwirtschaftlichen Situation im Südwesten Deutschlands.

Es seien gute, konstruktive Gespräche gewesen, die man geführt habe, so Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Das bestätigte auch der Bundeslandwirtschaftsminister, Cem Özdemir (Grüne) bei seinem Besuch in Eberstadt (Kreis Heilbronn). Dort betreibt Rukwied einen größeren landwirtschaftlichen Hof.

Trockenheit im Südwesten beunruhigend

Zusammen begutachteten sie den Boden, auf dem das Getreide hier wächst. Özdemir zeigte sich sichtlich erstaunt über die extreme Trockenheit. Zwar kenne er den Wassermangel aus Brandenburg, dass sich dieser nun aber auch in seiner Heimat, dem Südwesten Deutschlands, einstelle, das sei beunruhigend.

Rukwied und Özdemir in Weinsberg (Foto: SWR)
Die Trockenheit macht sich auch in der Region bemerkbar.

"Das zeigt: Wir sind mittendrin in der Klimakatastrophe. […] Deshalb bin ich sehr dankbar, dass Herr Rukwied und damit unsere Landwirtinnen und Landwirte mit uns zusammenarbeiten wollen."

Diese Situation wirke sich zwangsläufig auch negativ auf die Erntemengen aus, so Rukwied. Er fordert daher Klarheit in Sachen europäischer Agrarpolitik. Man brauche Klarheit, was Landwirte tun dürften und was nicht.

"Der Klimawandel trifft uns Landwirte, aber wir sind auch Teil der Lösung."

Özdemir wolle sich in Brüssel genau dafür einsetzen. Auch dort müsse man in den Turbo schalten. Konkret geht es darum, ob Landwirte in Heilbronn-Franken, aber auch in ganz Europa beispielsweise Mulchsaat-Verfahren einsetzen dürfen und wie man regenerative Landwirtschaft auf den Weg bringen könne.

Getreideengpässe: Mehr Flächen gefordert

Mit der Trockenheit sinken auch die Erträge bei der Ernte, nicht zuletzt beim Getreide. Hinzu kommt die aktuell angespannte Situation am Schwarzen Meer, was zu Engpässen führt, Preise steigen.

"Gott sei Dank haben wir dank der Arbeit unserer Landwirtinnen und Landwirte eine hohe Eigenversorgung, aber darauf darf man sich nicht ausruhen."

Erste Priorität sei, sich für eine Beendigung des Kriegs in der Ukraine einzusetzen. Aber auch hier in Deutschland und auch in Heilbronn-Franken könne man aktiv etwas tun. Dabei solle allerdings nicht gegen den Klimaschutz gearbeitet werden.

Konkrete Beispiele des Bundeslandwirtschaftsministers sind die Beimischung bei Kraftstoffen herunterzufahren, wodurch man wertvolle Flächen für die menschliche Ernährung gewinnen könne. Auch Stadtwachstum müsse eingeschränkt werden, weil dadurch "die besten Flächen, die wir haben" verloren gingen.

Tierhaltung muss reformiert werden

Auch die Tierhaltung müsse Özdemirs Meinung nach reformiert werden, auch hier könnten Flächen eingespart, gleichzeitig aber auch Tierwohl und Qualität der Endprodukte gesteigert werden.

"In der Schweinehaltung haben wir die größte Krise seit Jahrzehnten. Zehn Prozent der Betriebe haben im letzten Jahr wieder aufgegeben."

Rukwied fordert schnelle Vorgaben zum Umbau der Tierhaltung, viel nötiger aber sei noch die Finanzierung. Die Landwirtinnen und Landwirte könnten aus den Gewinnen alleine eine reformierte Viehhaltung nicht finanzieren. Özdemir pflichtete dem bei und beide sind sich einig, hier müsse die Koalition in Berlin noch die nötigen Schritte tun.

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