Das Kohlekraftwerk von Heilbronn (Foto: SWR)

Lieferungen auch abhängig von Schifffahrt

Niedrigwasser: Nachschub für Kohlekraftwerk in Heilbronn eingeschränkt

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Das Heilbronner Kohlekraftwerk ist von den historisch niedrigen Pegelständen in deutschen Flüssen betroffen. Zudem fehlen auch fahrbereite Schiffe.

Die Pegelstände der Flüsse in Deutschland und in Baden-Württemberg werden immer besorgniserregender. Im Güterverkehr leidet derzeit vor allem die Rheinschifffahrt. Die Wasserstände im Neckar sind in Heilbronn-Franken zwar derzeit noch über Schleusen regulierbar. Dennoch hat das Niedrigwasser auf den wichtigen Flüssen Auswirkungen auf die Unternehmen, die auf die Güterschifffahrt angewiesen sind: So sind auch die Steinkohlelieferungen ins Kraftwerk Heilbronn per Transport über den Neckar wegen der historisch niedrigen Pegelstände auf dem Rhein stark eingeschränkt.

Wegen niedriger Pegel: Schiffe dürfen nur die Hälfte laden

Für das Kraftwerk bedeutet das, dass "sich sowohl die Anzahl noch 'einsatzfähiger Schiffe' als auch die möglichen Lademengen in unterschiedlicher Größenordnung" reduzieren. Das schreibt die Betreiberin Energie Baden-Württemberg (EnBW) auf SWR-Anfrage. So dürfen Schiffe laut Stadt Heilbronn momentan nur die Hälfte laden, um nicht auf Grund zu laufen. Für den Betrieb des Kohlekraftwerks in Heilbronn ist aber ein kontinuierlicher Kohlenachschub notwendig.

Kohle-Vorräte für Winter angelegt

Entschärft werde die Situation etwas dadurch, dass die EnBW das zweite Quartal des Jahres genutzt habe, um Kohle-Vorräte anzulegen. Das Lager sei gut gefüllt, das Kraftwerk verfüge "derzeit über einen hohen Bestand". Das Kraftwerk Heilbronn 7 befindet sich laut EnBW sowieso in der Revision und wird voraussichtlich erst in der zweiten Septemberwoche in Betrieb gehen.

Das Unternehmen EnBW arbeitet mit Hochdruck daran, "die Kohleblöcke in der Netzreserve und am Markt intensiv auf den Betrieb im Winter vorzubereiten", heißt es. Dabei geht es sowohl um die verstärkte Beschaffung als auch um den "Transport von Kohle sowie den Flächenbedarf für die Lagerung von zusätzlichen Kohlemengen".

Kohlekraftwerk Heilbronn aus der Ferne mit Dampfsäule (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)
Jürgen Härpfer

Alternative: Kohle per Zug ins Kraftwerk bringen

Eine Alternative für die Belieferung von Kohle gibt es zudem, so der Energieversorger EnBW. Alle Kohlekraftwerke seien an das Schienennetz angeschlossen, weshalb auch mehr Kohlelieferungen per Zug möglich seien. Dann würden vier Züge pro Tag zusätzlich das Heilbronner Kohlekraftwerk ansteuern, hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nachgerechnet. Da diese wieder zurückfahren müssen, wären das in Summe acht zusätzliche Güterzüge, die täglich auf der Strecke der Frankenbahn unterwegs wären. Für den baden-württembergischen VCD-Landesvorsitzenden Matthias Lieb wäre das vertretbar, wie er in einem Interview mit dem SWR sagte. Allerdings müssten die Züge dann in kürzeren Abständen fahren können - das wäre nur möglich, wenn die Strecke mit mehr Signalen nachgerüstet werden würde.

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Gas-Krise: Kohle länger als geplant Energieträger

Die EnBW blickt derweil weiter auf den Winter - nicht nur in Heilbronn. Auch am Standort Karlsruhe habe die EnBW bereits zusätzliche Kohle im Rheinhafen einlagern können. Zudem befinde sie sich derzeit im Aufbau eines weiteren zentralen Reservelagers für Kohle. Weiter beschäftigt das Energieunternehmen auch die Frage um Arbeitskräfte in Heilbronn, "da die langfristige Personalplanung von den Prämissen des ursprünglichen Kohleausstiegs ausging." Und die EnBW investiert in umfangreiche Revisions- und Instandhaltungsmaßnahmen, um die Verfügbarkeit der Anlagen sicherzustellen.

Im Zuge der Gas-Krise will die Bundesregierung länger als geplant an der Kohle festhalten, um die Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern. So sollen auch Kohle-Kraftwerksblöcke wieder regulär produzieren, die derzeit nur in Reserve gehalten werden, nach dem aktuellen Entwurf bis zum 31. März 2024. Trotzdem soll die Umstellung auf Gas im Heilbronner Kraftwerk weitergehen. Die "Fuel-Switch-Projekte" werden - Stand Juni - weiterverfolgt.

EnBW rechnet weiter mit Abschaltung des Atomkraftwerks

Neben dem Kohlekraftwerk betreibt die Energie Baden-Württemberg auch das Atomkraftwerk in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn). Trotz anhaltender Diskussionen geht die EnBW davon aus, dass der verbliebene Meiler, Block II, Ende des Jahres vom Netz geht und das Kernkraftwerk abgeschaltet wird.

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