Ein Modell eines Pilotprojekts für die Beimischung von Wasserstoff in Gasleitungen steht in der Firma Netze BW.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Pilotprojekt in Öhringen

Netze BW testet im Hohenlohekreis Gasversorgung mit mehr Wasserstoff

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In Öhringen (Hohenlohekreis) startet ein deutschlandweit einmaliger Testlauf für eine Energieversorgung, welche die Abhängigkeit von Gas mindern könnte.

Der Verteilnetzbetreiber Netze BW geht im Juli mit einem Pilotprojekt zur Gasversorgung mit fast einem Drittel Wasserstoff in eine entscheidende Phase. Dafür soll ein Teil des Erdgasnetzes in Öhringen abgetrennt und eigenständig versorgt werden.

Eine "Wasserstoff-Insel" in Öhringen

In dieser "Insel" wird den Angaben zufolge nach und nach der Anteil von Wasserstoff auf bis zu 30 Prozent erhöht. Rund 30 Haushalte seien eingebunden, sagte Projektleiterin Heike Grüner. Mit dem Projekt will das Unternehmen zeigen, dass schon heute bis zu 30 Prozent Wasserstoff ins Erdgasnetz eingespeist werden können - ohne dass die bestehende Infrastruktur aufwendig angepasst werden muss.

Heike Grüne, die Projektleiterin für ein Pilotprojekt zur Beimischung von Wasserstoff in Gasleitungen, steht vor einem Wasserstofftank des Projekts.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Bernd Weißbrod)
Heike Grüner, die Projektleiterin für das Pilotprojekt in Öhringen, neben einem Wasserstoff-Tank. picture alliance/dpa/Bernd Weißbrod

Haushaltsgeräte der betroffenen Anwohner, wie Gasherde und -heizungen sind laut Grüner extra überprüft worden, die Hersteller seien mit im Boot. Auch Installateure, Schornsteinfeger und die Feuerwehr wissen Bescheid. Dabei ist Grüner zuversichtlich, dass der Versuch klappt: In einer ersten Phase hat Netze BW den Wasserstoffanteil in der eigenen Gasversorgung am Standort Öhringen schon auf 30 Prozent heraufgeschraubt. "Ohne Probleme", wie Grüner versichert.

Gaszähler müsste bei mehr Wasserstoff angepasst werden

Was sich bei der Umstellung auf einen höheren Wasserstoffanteil in der Gasversorgung verändern müsste, wäre die Abrechnung. Mittelfristig müsse geschaut werden, wie Gaszähler die jeweilige Wasserstoffquote erfassen können - denn Wasserstoff verbrennt etwas anders als Erdgas. Das sei wichtig für die Abrechnung, sagt Grüner.

Wasserstoff gilt als klimaschonende Alternative zu Erdgas, gerade wenn er mit Hilfe von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Noch ist die Technologie aber nicht so weit ausgereift, dass sie großflächig eingesetzt werden könnte. In Baden-Württemberg wird seit Jahren dazu geforscht. Die Landesregierung hat im Dezember 2020 eine "Wasserstoff-Roadmap Baden-Württemberg" beschlossen, um die Technologie im Land auszubauen.

Wofür braucht man Wasserstoff und was ist grüner Wasserstoff? Darüber berichtete SWR Aktuell am 29.3.2022:

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