Nahwärme Ilsfeld (Foto: SWR)

Heizen immer teurer

Wie Ilsfeld mit Nahwärme den hohen Energiepreisen trotzt

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Ob an der Zapfsäule oder bei der Heizkostenabrechnung – Energie ist um einiges teurer geworden. Clevere Ideen sind gefragt. Die Gemeinde Ilsfeld (Kreis Heilbronn) hat zum Beispiel schon vor Jahren damit begonnen, ein eigenes Nahwärmenetz aufzubauen und nutzt dafür auch überschüssige Energie.

Bei Rentner Gerhard Michler in Ilsfeld im Keller standen im ehemaligen Heizraum vorher große Öltanks. Stolz zeigt er uns die Technik und den neu gewonnen Platz. Viel gibt es nicht zu sehen. Ein Wärmetauscher, ein Warmwasserboiler, zwei Förderpumpen und ein Steuerungskasten. Auch nach Öl rieche es nicht mehr, betont Michler.

Im Jahr 2012 beschloss die Gemeinde Ilsfeld auf Nahwärme zu setzen. Gerhard Michler war einer der Ersten, der sich für den Anschluss entschied. Andere zögerten, vor allem weil der Gaspreis damals niedrig war. Für Michler hat sich der Umstieg gerechnet, auch weil Unterhalts- und Wartungskosten weggefallen sind. Zum Beispiel die Kosten für den Schornsteinfeger.

Im Schnitt 1.000 Euro gespart

Die Gemeinde Ilsfeld verlangt zurzeit 500 Euro Grundpreis, dazu kommt der Preis für die verbrauchte Energie. Wartung und Reparaturen sind inklusive, sagt Thomas Gessler. Er kümmert sich um alles, was in Ilsfeld mit Nahwärme zu tun hat.

"Wenn man von einem durchschnittlichen Verbrauch von 25.000 Kilowattstunden im Jahr ausgeht, was in etwa 2.500 Litern Öl entspricht, dann spart man bei einer Vollkostenrechnung mit der Nahwärme etwa 1.000 Euro."

Schon 480 Gebäude angeschlossen

Das Nahwärmenetz der Gemeinde umfasst 32 Kilometer und wird stetig ausgebaut. Im Moment haben wir zirka 480 angeschlossene Gebäude, vom kleinen Einfamilienhaus bis zur großen Halle ist alles dabei, erklärt Gessler. Dazu kommen noch mehrere hundert Verträge, bei denen die Hauseigentümer sich die Option vorbehalten, jederzeit anschließen zu können. Zum Beispiel, wenn ihre jetzige Heizung altersbedingt den Geist aufgibt.

Board im Steuerungsraum der Anlage neben dem Klärwerk. (Foto: SWR, Simon Bendel)
Board im Steuerungsraum der Anlage neben dem Klärwerk. Simon Bendel

Wärme aus dem Abwasser der Kläranlage

Die Hitze im Kreislauf des Ilsfelder Nahwärmenetzes stammt momentan aus drei verschiedenen Quellen: Einer Biogasanlage im benachbarten Beilstein, einem Schulzentrum mit zwei Blockheizkraftwerken in Ilsfeld und einer großen Anlage neben dem Klärwerk. Letztere ist etwas Besonderes und ein von der EU gefördertes "Leuchtturmprojekt". Denn die Anlage nutzt die Wärme des geklärten Abwassers.

Über eine Pumpanlage wird ein Teil des gereinigten Abwassers ins Nachbargebäude gepumpt. Zwei Wärmepumpen erhöhen dort die Temperatur des 8 bis 15 Grad kalten Wassers auf 80 Grad. Drei Blockheizkraftwerke erhitzen es noch etwas weiter. Dann wird es über Leitungen an die Häuser geschickt.

Ein bisschen spüren sie den hohen Gaspreis schon

An den Häusern trifft das heiße Wasser auf Wärmetauscher. Heißt, in den Leitungen der Häuser zirkuliert ein eigener Kreislauf, nicht das Wasser aus der Netzleitung. Die zurzeit hohen Gaspreise spüren die Ilsfelder allerdings auch ein bisschen, denn die drei Blockheizkraftwerke, die vor allem die Wärmepumpen mit Strom versorgen, werden mit handelsüblichem Gas betrieben, so Harald Fortwingel von der Gemeinde.

Blockheizkraftwerk und Wärmepumpe sorgen für die richtige Temperatur. (Foto: SWR, Simon Bendel)
Blockheizkraftwerk und Wärmepumpe sorgen für die richtige Temperatur. Simon Bendel

Auszeichnung für Engagement um den Klimaschutz

Die Jährliche erzeugte Wärme beträgt mittlerweile 15 Millionen Kilowattstunden, was zirka 1.530.000 Liter Heizöl entspricht. Damit werden ungefähr 3.000 Tonnen CO² pro Jahr einspart. Die Gemeinde bekam für ihr Engagement um den Klimaschutz den European Energy Award "Gold". Zurzeit sucht sie nach weiteren Quellen zur Erzeugung von Wärme für ihr Netz.

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