Eine junge Frau hat ihre Hand auf der Schulter einer älten Frau gelegt, die in einem Seniorenheim am Tisch sitzt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

VdK in Heilbronn-Franken fordert mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Pflege zuhause - so massiv sind die Defizite

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Der Sozialverband VdK sieht eine Notlage in der häuslichen Pflege. Auch die VdK-Kreisverbände in Heilbronn-Franken fordern mehr Unterstützung für Betroffene.

In Baden-Württemberg leben laut VdK fast 472.000 Menschen, die gepflegt werden müssen. Etwa 80 Prozent davon werden zuhause versorgt. Entlastungsangebote wie Haushaltshilfen kämen bei den Betroffenen oft gar nicht an. Das habe eine Analyse der Hochschule Osnabrück ergeben, heißt es vom VdK.

Viele ungenutzte Leistungen

Durchschnittlich verfallen demnach 80 Prozent der Leistungen ungenutzt, so Frank Stroh, Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Heilbronn.

"Wenn man überlegt, dass durch die nicht genutzten Leistungen die Pflegekassen mindestens zwölf Milliarden Euro jährlich einsparen, dann sieht man, was da brach liegt."

Häusliche Pflege wird oft von Betreuerinnen aus Osteuropa übernommen. (Foto: SWR)
Der Vdk fordert ein "Nächstenpflege-Budget". (Archivbild)

Kritik: zu viel Bürokratie

Die 75-jährige Heidi M. aus dem Raum Heilbronn pflegt ihren an Krebs und Demenz erkrankten Mann zuhause. Sie kritisiert vor allem die Bürokratie - für alles müsse man Anträge stellen. Und dann dauere auch die Bearbeitung.

"Das ist absoluter Wahnsinn. Da brauchst du teilweise, wenn du die Formulare ausfüllen willst, eine Fachkompetenz."

Auch der Sozialverband VdK bemängelt die bürokratischen Hürden. Da müsse unbedingt was geschehen, betont Kurt Weiland, Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis), "dass man also von der ganz großen, deutschen Bürokratie etwas runterkommt und den Leuten das ein bisschen einfacher macht."

VdK-Forderung: mehr Beratung und finanzielle Absicherung

Laut der VdK-Pflegestudie reduzieren viele Pflegende ihre Arbeitszeit oder geben ihren Arbeitsplatz komplett auf, um ihre Angehörigen pflegen zu können. Der VdK fordert deshalb eine Lohnersatzleistung - vergleichbar mit dem Elterngeld. Die Pflege müsse außerdem bei der Rente berücksichtigt werden.

Zudem fordert der VdK die Landesregierung auf, mehr Pflegestützpunkte zur Beratung pflegender Angehöriger einzurichten. Nur eine solche Anlaufstelle pro Kreis im Südwesten sei zu wenig. Es müsse einen Pflegestützpunkt pro 20.000 Einwohner geben, heißt es.

In einem "Nächstenpflege-Budget", so die Forderung des VdK, sollten alle Leistungen gebündelt werden. So könne jeder selbst entscheiden, für welche Hilfe er sein Budget nutzen wolle.

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