Holz - plötzlich sehr begehrt (Foto: SWR)

Kurzfristig höheres Interesse nicht bedienbar

Angst vor der Kälte? Riesige Brennholznachfrage bei Förstern

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Bei den hohen Energiepreisen ist Brennholz sehr gefragt. Die Holzmengen aus heimischen Wäldern sind jedoch begrenzt.

Angesichts der teuren Energiepreise und des anstehenden Winters sind offensichtlich alle Energieträger besonders interessant, auch Holz. Die Nachfrage nach Brennholz ist zuletzt deutlich angestiegen. Förster berichten von ungewöhnlich vielen Anfragen.

"Die Nachfrage ist enorm. Das Telefon steht nicht still, das Mailfach läuft über. Wir können uns im Moment vor Anfragen bezüglich Brennholz nicht retten."

Holz kann nicht kurzfristig hergestellt werden

Im Landkreis Heilbronn ist Jürgen Kuhn im Landratsamt Heilbronn für den Holzverkauf zuständig. Dabei ist er mit vielen unterschiedlichen Anfragen konfrontiert. Er bedient internationale Holzanfragen, regionale Holzhändler für die unterschiedlichsten Holzanforderungen von Parkett bis Palettenholz, Klopapierhersteller und auch Kunden, die im Winter mit Brennholz heizen wollen. Eine kurzfristig viel größere Nachfrage kann Kuhn, egal aus welchem Bereich, jedoch nicht bedienen, denn seine jährlich zur Verfügung stehende Holzmenge ist vorgegeben.

Jährlich 100.000 bis 120.000 Kubikmeter Holz sind es im Landkreis Heilbronn, sagt Kuhn. Die Gesamtmenge werde für zehn Jahre festgelegt und dann anteilig pro Jahr geerntet. Kurzfristig kann somit nicht viel auf eine viel größere Nachfrage reagiert werden, auch nicht auf die Brennholznachfrage. Und auch wenn es im Ofen egal ist, einfach viel mehr Holz an Brennholzkunden liefern geht ebenfalls nicht, darunter würden gleich mehrere Branchen leiden.

"Es gibt auch andere Produkte, die mit dem Brennholz in Konkurrenz stehen. Das ist das Buchen-Industrieholz. Ich habe mit Firmen zu tun über Lieferverträge. Die haben einen Anspruch wie jeder Brennholzkunde auf Belieferung."

Zu spät für Brennholz

Die große Brennholznachfrage angesichts des bevorstehenden Winters sorgt bei den Waldexperten oft für Kopfschütteln. Kurzfristig ist das frisch geschlagene Holz für den Ofen ungeeignet, erklärt Kuhn. Es sollte mindestens ein, besser zwei Jahre liegen und trocknen.

Jürgen Kuhn zeigt frisch geschlagenes Holz (Foto: SWR)
Jürgen Kuhn zeigt frisch geschlagenes Holz.

Holzpreise massiv gestiegen

Die große Nachfrage zeichne sich bereits an den Preisen ab. In der letzten Einschlagsperiode habe der Bruttopreis noch bei rund 62 Euro gelegen, jetzt werde er auf über 90 Euro ansteigen, so Kuhn. Besonders sei die jetzige Situation auch, weil auch die Industrieholzpreise nach oben gegangen seien und nun mit dem Brennholz etwa gleich auf liegen. Diese Situation habe Kuhn so auch noch nie erlebt. Das habe jetzt allerdings auch zur Folge, dass es im Holzverkauf durchaus interessant sei, eher Industrieholz zu verkaufen, denn im Vergleich zum Brennholz sei das weniger aufwändig.

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