STAND

Im Main-Tauber-Kreis ist seit Montag wegen der hohen Infektionszahlen der Einzelhandel wieder geschlossen. Doch ein Modehaus in Bad Mergentheim umgeht die Schließung, indem es sein Geschäft zum "Klopapier-Flagship-Store" umwidmet.

Das Traditionsmodehaus Kuhn ist jetzt Drogeriemarkt und Nahversorger. In den Regalen im Erdgeschoss türmen sich Klopapierrollen und auf den Tischen liegen keine Pullover und Blusen, sondern Desinfektionsmittel und Küchenpapier, Nudeln und Mehl.

Sortiment mit systemrelevanten Produkten umgestellt

"Wir haben uns relativ spontan entschlossen, dass wir unser Modehaus im Sortiment erweitern. Dass wir den Schwerpunkt (...) auf Drogerieartikel legen: (...) Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Lebensmittel. Um den Bürgern hier vor Ort (...) Bedarfsartikel zur Verfügung stellen zu können und um unserem Modehaus eine Möglichkeit zu geben, zu öffnen."

Johannes Kuhn, Modehaus Kuhn Bad Mergentheim

Mit dem neuen Sortiment ist das Modehaus plötzlich systemrelevant. In 54 Jahren Unternehmensgeschichte habe es nichts Vergleichbares gegeben, so Johannes Kuhn. In dem 1.200 Quadratmeter großen Erdgeschoss überwiegt jetzt der Anteil an Waren für den täglichen Bedarf.

Die Bekleidungsartikel werden nur auf Aktionsflächen angeboten, die etwa 40 Prozent des Gesamtsortiments ausmachen dürfen. Eine absurde Situation, so Kuhn aber derzeit die einzige Möglichkeit, trotzdem öffnen zu können.

Modehaus Kuhn (Foto: SWR)
Modeartikel dürfen nur noch auf Aktionsflächen verkauft werden und höchstens 40 Prozent des Gesamtsortiments ausmachen

Einzelhändler kritisieren Ungleichbehandlung

Landesweit haben Einzelhändler mit ähnlichen kreativen Ideen auf sich und ihre dramatische Situation aufmerksam gemacht. Sie kritisieren eine Ungleichbehandlung in der Geschäftswelt. Die strengen Regeln beispielsweise für Modegeschäfte, die lockeren Vorschriften für Drogerien und Supermärkte – all das sei nicht mehr hinnehmbar, heißt es in der Branche.

Viele Einzelhändler stehen vor dem Aus. Ideen wie ein "Klopapier-Flagship-Store" ist also in gewisser Weise auch eine Art Protestaktion, so Johannes Kuhn.

"Man kann eigentlich nur noch überleben, indem man solche Maßnahmen ergreift. Daran sieht man auch die Verzeweiflung, die man hat."

Johannes Kuhn, Modehaus Kuhn Bad Mergentheim
Heilbronn-Franken

Vor den Bund-Länder-Beratungen zu Corona-Verschärfungen IHK Heilbronn-Franken fordert sofortige Ladenöffnungen

Die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken fordert den Einzelhandel sofort zu öffnen. Die Lage sei katastrophal, so die IHK im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels.  mehr...

STAND
AUTOR/IN