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Das geplante Black-Metal-Konzert "Groll der Allmacht" rüttelt an der Idylle des kleinen Dorfes Bobstadt bei Boxberg (Main-Tauber-Kreis): Die Frage ist, ob es Rechtsextremen eine Bühne bietet - das finden die Gegner vom "Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber".

Metal-Konzert (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Ein umstrittenes Metal-Konzert findet in Bobstadt statt (Symbolbild) Picture Alliance

Es ist nicht das erste Mal, dass Bobstadt in den Schlagzeilen ist: Schon 2016 hatte ein Black-Metal-Openair-Festival den Staatsschutz auf den Plan gerufen. Damals trat die vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch eingeschätzte Band "Permafrost" auf. Heute wie damals ist der stellvertretende Ortsvorsteher von Bobstadt, Heiko Gubelius, Veranstalter des Musikevents.

Jetzt, vier Jahre später, hat Gubelius das TSV-Sportheim gebucht und wieder mehrere Bands eingeladen. Auch diesmal wurde die Polizei im Vorfeld aktiv. Man habe die Veranstaltung im Blick, heißt es.

"Das heißt, man überprüft natürlich und guckt, welche Bands kommen da, wie sind die Texte. Aber die Texte der Gruppen, die jetzt angemeldet sind, erfüllen keine Straftatbestände und sind auch nicht auf dem Index. Somit gibt's auch keine Rechtsgrundlage, um dagegen vorzugehen."

Gerald Olma, Polizeipräsidium Heilbronn

Trotzdem macht das "Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber" mobil und verweist unter anderem auf die aus dem Jagsttal stammende Band "Eishammer", die in Bobstadt auftreten wird. Stefan Heidrich vom Netzwerk hält das Konzert für gefährlich. Über die Musik werde Nachwuchs neugierig für ebensolche Strömungen gemacht.

"Die machen germanische Musik, also es geht ins Völkische mit rein. Der Sänger von einer Band hat ganz viele Verbindungen zu Nazis bei Facebook. Diese Konzerte an sich sind jetzt noch nichts Verwerfliches. Aber das zieht wohl rechtes Publikum an. Das gibt quasi einen Treffpunkt, wo sich Rechte treffen können."

Stefan Heidrich, "Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber"

Veranstalter Gubelius, selbst seit Jahren ein bekennender Fan des Germanentums, hingegen wundert sich, dass in Bobstadt eine Brücke zum Rechtsextremismus geschlagen wird. Er rechnet mit bis zu 70 zahlenden Besuchern, die meisten kenne er persönlich, sagt er dem SWR. Es gehe bei dem Festival um Musik, fernab jeder politischen Orientierung. Auf den Vorwurf, er biete Rechtsradikalen einen Treffpunkt, entgegnet er:

"Das kann ich nicht verhindern, das kann aber keiner bei einem Konzert."

Heiko Gubelius, Veranstalter

Die Bevölkerung Bobstadts sieht die Musik-Veranstaltung weniger kritisch: Bisher scheint es keinen Widerstand zu geben.

"Die Veranstaltung hat schon öfter dort stattgefunden und hat ein hohes Ansehen auch in der Bevölkerung. Der Sportverein stellt seine Räume zur Verfügung."

Gerald Olma, Polizeipräsidium Heilbronn

Das "Netzwerk gegen Rechts" will dennoch, ebenfalls an dem Konzert-Abend, aktiv werden. Es möchte nahezu zeitgleich zum Konzert mit einer Infoveranstaltung im Rathaus Boxberg-Wölchingen aufklären und sensibilisieren.

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