Husein Alsamkari (links) zusammen mit dem Bürgermeister von Lauda-Königshofen, Lukas Braun (Foto: Stadt Lauda-Königshofen)

Bayerisches Verdienstkreuz für mutiges Handeln

Bei Würzburger Messerattacke eingeschritten: Mann aus Lauda-Königshofen erinnert sich

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Die Messerattacke im Sommer 2021 in Würzburg sorgte deutschlandweit für Erschütterung. Husein Alsamkari stellte sich dem Täter entgegen. Wie brachte der Syrer den Mut dafür auf?

Angst? Nein, Angst hatte er damals, am 25. Juni 2021, keine, sagt Husein Alsamkari im Gespräch mit dem SWR-Studio Heilbronn. Der 54 Jahre alte Mann arbeitete am Tag der Würzburger Messerattacke als Metzger in einem arabischen Supermarkt, offenbar nur rund 20 Meter vom Tatort in der Fußgängerzone entfernt.

"In diesem Moment wollte er einfach nur die Leute retten", übersetzt Alsamkaris Schwiegersohn am Telefon. "Als er hörte, was los war, rannte er schnell zum Tatort." Alsamkari habe einen Stock getragen und damit versucht, den Täter zu entwaffnen, so der Schwiegersohn weiter.

Absperrband, Kerzen und Blumen vor einem Kaufhaus in Würzburg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nach der Tat in der Würzburger Innenstadt: Absperrband, Kerzen und Blumen vor einem Kaufhaus Picture Alliance

Helfer ist 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen

Husein Alsamkari ist 2015 vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflüchtet. Heute lebt er mit seiner Frau und seinem neunjährigen Sohn in Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis).

Nebenan wohnt die ältere Tochter mit ihrem Mann, der am Telefon übersetzt. Husein Alsamkari spricht Deutsch, aber es ist einfacher für ihn, die Erinnerungen an die Würzburger Messerattacke auf seiner Muttersprache Arabisch zu beschrieben.

Messerattacke in Würzburg erschütterte ganz Deutschland

Die Tat am 25. Juni 2021 hatte in ganz Deutschland für Erschütterung gesorgt. Ein Mann hatte in der Würzburger Innenstadt Passanten mit einem Messer attackiert dabei drei Frauen getötet. Sechs Menschen wurden schwer verletzt, drei weitere erlitten leichte Verletzungen.

"Es war für ihn ein schwarzer Tag", übersetzt der Schwiegersohn von Husein Alsamkari.

"Er konnte kaum schlafen, er hat viel von seinen Erinnerungen geträumt."

Bayerisches Verdienstkreuz für mutiges Handeln

Für seinen Mut, sich dem Täter entgegenzustellen, hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Husein Alsamkari jüngst das Bayerische Verdienstkreuz in der Münchner Staatskanzlei verliehen. Auch der Bürgermeister von Lauda-Königshofen, Lukas Braun (FDP), ist beeindruckt, davon, dass Herr Alsamkari ein "enormes Risiko" eingegangen ist, um weitere Menschen an diesem Tag vor Schaden zu bewahren, so Braun vor wenigen Tagen.

"Er ist durch sein hohes Maß an Zivilcourage ein echtes Vorbild für uns alle geworden."

"Es hat ihn sehr gefreut, dass er das Verdienstkreuz bekommen hat", sagt der Schwiegersohn von Husein Alsamkari am Telefon. "Er ist stolz."

Inzwischen arbeitet Alsamkari nicht mehr in einem Würzburger Supermarkt, sondern als Fahrer für eine Bäckerei in Lauda. Nachts zwischen ein und neun Uhr fährt er Backwaren aus, erklärt der Schwiegersohn.

Trauerkerzen und Blumen liegen vor einem Kaufhaus in der Innenstadt, in dem ein Mann Menschen mit einem Messer attackiert hatte. Bei dem Angriff am 25.06.2021 hatte ein Somalier drei Frauen in einem Kaufhaus getötet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Nicolas Armer)
Die Attacke in Würzburg hatte in ganz Deutschland für Erschütterung gesorgt picture alliance/dpa | Nicolas Armer

Sicherungsverfahren soll Mitte April beginnen

In rund vier Wochen soll nach Angaben des Landgerichts Würzburg das Sicherungsverfahren zum Messerangriff beginnen. Der erste Termin ist laut einer Mittelung für den 22. April angesetzt. Nach Ansicht zweier unabhängig voneinander agierender Gutachter spreche vieles dafür, dass der vermutlich 32 Jahre alte Somalier bei der Messerattacke schuldunfähig war. Der Mann leide demnach unter einer paranoiden Schizophrenie.

Bei  Sicherungsverfahren "geht es um die Unterbringung eines Beschuldigten in einer Psychiatrie", sagte Landgerichtssprecher Michael Schaller der Deutschen Presseagentur. Die Staatsanwaltschaft reiche dafür auch keine Anklage wie in normalen Strafverfahren ein, sondern eine Antragsschrift. Dennoch gibt es eine Verhandlung vor Gericht.

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