Hinweis auf Mehrweg in der Gastronomie (Foto: SWR)

Start verläuft noch holprig

Mehrweg in der Heilbronner Gastronomie: ein Selbstversuch

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Seit dem 1. Januar ist eine alternative Mehrwegverpackung eigentlich Pflicht in der Gastronomie. SWR-Reporter Peter Wedig macht den Test.

Der Test beginnt mit einem normalen Kaffee to go. Der erste Ort ist die Filiale eines großen Selbstbedienungsbäckers, doch nirgendwo ist der Hinweis auf einen Mehrwegbecher zu sehen. Man könne immerhin seinen eigenen Becher mitbringen, dann gibt es sogar zehn Cent Rabatt. Doch eigentlich müsste es einen deutlich sichtbaren Hinweis auf Mehrweg geben.

Das ist auch beim nächsten Bäcker einer anderen Kette der Fall. Auf Nachfrage weiß die Verkäuferin immerhin sofort Bescheid, allerdings würden die Mehrwegbecher erst Ende Januar eintreffen - der Hersteller habe wohl Lieferengpässe. Kunden würden aber schon immer häufiger danach fragen.

Die Wahl der Systeme

In einem Shop für Donuts steht dagegen ganz vorbildlich direkt an der Kasse der Mehrwegbecher, der gegen Pfand zu bekommen ist und in jeder Filiale abgegeben werden kann. Allerdings ist es eine eigene Kreation, groß mit dem Logo der Kette drauf. Wer nicht regelmäßig hier seinen Kaffee kauft, für den ist der Becher vermutlich eher ungeeignet.

Für die Gastro ist das ein Vorteil: Man kann sich beim Thema Mehrweg aus mehreren Anbietern den perfekt passenden Kandidaten aussuchen. Oder eben ein eigenes System basteln. Für den Verbraucher ist das nur leider sehr unpraktisch. Denn zurücknehmen muss jeder Gastronom nur sein eigenes System.

Ausnahmen für kleine Betriebe

Nochmal ganz anders sieht es aus, wenn es um Essen zum Mitnehmen geht. Wenn es da ein Mehrweggeschirr sein soll, dann wird die Auswahl des Ladens überraschend eng. Das hängt mit einer wichtigen Ausnahme zusammen: Ist der Laden unter 80 Quadratmetern groß und hat nur fünf feste Mitarbeiter, dann braucht er kein Mehrweg anzubieten. Damit fällt praktisch jeder Imbiss durchs Raster.

Bei größeren Restaurants nachgefragt zeigt sich jedoch: Einige haben sich um das Thema noch gar nicht gekümmert. Mehrfach ist von den Angestellten zu hören, sie würden noch nicht wissen, welches System kommen solle, da werde sich in den nächsten Wochen der Chef drum kümmern. Unabhängig von den Speisen, die Aussage kommt sowohl in Restaurants für Sushi, als auch Burger oder schwäbisches Essen.

Ein Anbieter in Heilbronn bisher besonders verbreitet

Am verbreitetsten scheint der Anbieter Rebowl in Heilbronn zu sein. Bei einem Geschäft am Marktplatz ist zum ersten Mal deutlich an der Tür der Hinweis zu sehen. Und auch keine 200 Meter weiter gibt es ein entsprechendes Geschäft, dort wird immerhin an der Theke darauf hingewiesen.

Eine Mehrwegverpackung der Marke Rebowl (Foto: SWR)
Ein Behälter der Marke Rebowl, wie er in der Heilbronner Gastronomie häufiger zu finden ist.

Wieder ein Stück weiter erfährt man immerhin auf Nachfrage davon, und auch hier, in einem Restaurant für japanisches Essen, ist die Rebowl im Einsatz. Fünf Euro Pfand, dann kann man sein Essen direkt darin mitnehmen.

Pizza meist nicht betroffen

Anbieter von Pizza sind von dem neuen Gesetz in der Regel nicht betroffen: Eine Alternative muss nur zu Verpackungen aus Plastik angeboten werden. Papier oder Pappe darf nach wie vor verwendet werden. Auf SWR-Nachfrage haben die Ketten L'Osteria und Dominos auch beide bestätigt, zwar kein Mehrweg anbieten zu müssen, aber bereits Systeme in verschiedenen Städten zu testen. Beide Ketten haben zwar Filialen in Heilbronn, allerdings findet der Test dort noch nicht statt.

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