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"Tut uns leid, das Medikament ist nicht lieferbar." Diesen Satz haben sicher einige Menschen schon in Apotheken in Heilbronn-Franken gehört. Manche Medikamente sind knapp.

Es ist ein bundesweites Phänomen, wenn nicht europaweit: Manche Medikamente sind gar nicht oder schlecht lieferbar – und dann oft nicht mit der Krankenkasse vereinbar. Das merken auch Krankenkassen und Patienten aus der Region Heilbronn-Franken. Seit Ende 2018 ist das schon so, also nichts Neues - ein Ende ist aber auch nicht absehbar.

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Knappheit bei verschreibungspflichtigen Medikamenten

Die Lieferschwierigkeiten gibt es vor allem bei verschreibungspflichtigen Medikamenten: Psychopharmaka, Antibiotika oder Bluthochdruckmittel. Der Apotheker Dieter Harfensteller betreibt Filialen in Heilbronn, Erlenbach und Weinsberg. Der Lieferengpass bei Medikamenten wirkt sich auch auf seine Mitarbeiter aus, sagt er.

"Meine Mitarbeiter sind am Limit, die rotieren wegen diesem Mist, weil sie ununterbrochen wegen Lieferschwierigkeiten nach was anderem suchen müssen."

Dieter Harfensteller, Apotheker aus Heilbronn

Kaum mehr Zeit für Patienten

Die Suche nach geeigneten Alternativen, anderen Medikamenten oder einer neuen Therapie, alles in Absprache mit dem Arzt, so Harfensteller, raube so viel Zeit, dass sich kaum mehr einer um die Patienten kümmern könne.

Das bestätigen andere Apotheker auch. Medikamente sind oft nicht verfügbar – oder zu teuer für die Krankenkasse. Die zahlt nur einen bestimmten Betrag. Ist vom Medikament aber nur eine teurere Variante lieferbar, zahlt der Kunde die Differenz selbst. Das kann schon mal dreistellig sein.

Pillen (Foto: SWR)
Manche Medikamente sind nicht lieferbar oder kosten deutlich mehr (Symbolbild)

"Wenn ein Alternativ-Medikament 1 Euro mehr kostet, streicht die Krankenkasse nicht den Euro, sondern gleich die ganze Packung. Es ist zum Kotzen."

Dieter Harfensteller, Apotheker aus Heilbronn

Preisdruck ist ein Grund

Am Coronavirus liegt die derzeitige Medikamentenknappheit übrigens nicht. Wie sich das Virus auf die Versorgung auswirkt, muss man abwarten. Gründe sind andere, erklärt der Heilbronner Harfensteller: der Preisdruck beispielsweise.

Der werde von den Krankenkassen über den Lieferanten an den Hersteller weitergegeben, so Harfensteller. Das führe dazu, dass es nur ein oder zwei Hersteller eines bestimmten Wirkstoffes weltweit gebe. "Geht bei einem was kaputt, steht die Produktion, der Markt ist leergefegt."

Politik und Krankenkassen in der Pflicht

Dagegen kann der Patient kaum was machen. Apotheken beraten aber kompetent, versichert Dieter Harfensteller. Handeln und vor allem etwas ändern müssen andere, sagt er: Politik und Krankenkassen, die Lieferanten mehr in die Pflicht nehmen müssten.

Bis dahin müssen Patienten weiterhin damit rechnen, dass ihre Rezepte oft nicht eingelöst werden können.

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